Dossier Versorgungs- und Klimamarktmodell

Das Versorgungs- und Klimamarktmodell (VKMM) im Überblick

In diesem Dossier finden Sie Hintergrundinformationen, weiterführende Artikel und die wichtigsten Antworten rund um das Thema VKMM.
 

Gut zu Wissen über das Modell:

  • Die einheimische CO2-freie Stromproduktion wird gestärkt
  • Die Versorgungssicherheit der Schweiz im Winter wird erhöht 
  • Das Modell setzt auf marktbasierte Anreize und schützt die politischen Klimaziele

 

Artikel, Grafik und Interview

Kosten der Wasserkraft sind nur zur Hälfte gedeckt

Wasserkraft ist das Rückgrat der Schweizer Stromversorgung. Sie steuert knapp 60 Prozent zur Stromproduktion bei und ist damit für die Versorgungssicherheit unseres Landes zentral. Das gilt heute und auch in Zukunft – aber sie ringt ums Überleben.

Interview mit Hans Hess, Präsident von Swissmem

Eine sichere Stromversorgung zu wettbewerbsfähigen Preisen ist existenziell. Hans Hess, Präsident von Swissmem, warnt vor einer reinen Importstrategie. Statt in unzuverlässige Energie zu investieren, sollte die Schweiz besser auf ihren Trumpf Wasserkraft setzen.

Grafik zu CO2-Emissionen

Kohle ist mit Abstand der klimaschädlichste aller Energieträger. In der EU stehen mehr als 300 Kohlekraftwerke, die Mehrheit davon ist älter als 30 Jahre. Sie sind für einen signifikanten Anteil der gesamten CO2-Emissionen in der EU verantwortlich.

Die wichtigsten Fragen und Antworten zum VKMM

Warum braucht es ein Modell wie das VKMM?

Die Mechanismen des Strommarkts im In- und Ausland sind durch politische und regulatorische Interventionen verzerrt. Die Folge einerseits ist, dass Kohlestromproduzenten der EU-Mitgliedstaaten von viel zu günstigen CO2-Emissionszertifikaten profitieren, was dem Schutz des Klimas zuwiderläuft. Andererseits bauen Produzenten neuer Energien dank massiver Subventionen, namentlich in Deutschland, Kapazitäten auf, die sich nicht am tatsächlichen Bedarf orientieren. Das Nachsehen hat die nahezu CO2-freie Schweizer Stromproduktion aus Wasser- und Kernkraft, was die sichere und klimafreundliche Stromversorgung unseres Landes gefährdet.

Das VKMM wird als Teil des Swisselectric-Pakets* von Axpo, Alpiq, CKW, Repower, FMV und AET unterstützt und setzt auf Marktmechanismen. Es honoriert die fast CO2-freie Stromproduktion der Schweiz und korrigiert die politisch tief gehaltenen Preise für CO2-Zertifikate.

*Das Swisselectric-Paket beinhaltet neben dem VKMM die Grundversorgungsprämie für die Schweizer Wasserkraft. 

Was bringt das VKMM?

  • Das VKMM erhöht die Versorgungssicherheit der Schweiz im Winter, wenn der Strom knapp ist, indem es die Anreize so setzt, dass vermehrt in Produktionskapazitäten für die Wintermonate investiert
    wird. Dadurch erhöht sich der Eigenversorgungsgrad. Heute dagegen importiert die Schweiz im Winter unter anderem Kohlestrom aus Deutschland.

  • Das VKMM setzt auf marktbasierte Anreize und wirkt sich positiv auf den Ausbau erneuerbarer Energien aus. Es unterstützt somit die politischen Klimaziele und ist technologieneutral.

  • Das VKMM ist vereinbar mit internationalem Handelsrecht und im Rahmen des CO2-Gesetzes schnell umsetzbar. Der administrative Aufwand ist gering. 

Wie funktioniert das VKMM?

(Bild: Stromexporteurin im Sommer: dank Schneeschmelze, Niederschlägen und viel Wasserkraft; Importabhängig im Winter: tiefe Pegelstände der Gewässer, hohe Nachfrage, heute zu 60& Kernenergie)  

Mit dem VKMM wird der Stromverbrauch – gleich wie Brennstoffe – neu einer CO2- Abgabe unterstellt. Von dieser können sich Lieferanten befreien, indem sie Strom aus inländischer CO2-freier Produktion beziehen. Der Nachweis dafür kann mit dem bereits heute existierenden und handelbaren Herkunftsnachweis (HKN) erbracht werden. Dank der Marktkräfte steigt in den Wintermonaten der Wert der inländischen HKN, was direkt den Schweizer Produzenten zugutekommt. Damit setzt es die richtigen Anreize, um den Eigenversorgungsgrad und die Versorgungssicherheit zu stärken. 

Ab wann könnte das VKMM eingeführt werden?

Das Modell könnte im CO2-Gesetz abgebildet werden. Die Grundzüge
sind darin bereits angelegt, bspw. legt es die Ziele zur Verminderung der Treibhausgasemissionen ab 2020 fest. Weil das CO2-Gesetz derzeit in Revision ist, kann das VKMM auch schnell umgesetzt werden. 

Werden mit dem VKMM nicht einfach AKW subventioniert?

Bundesrat und Parlament haben beschlossen, dass die bestehenden AKW am Ende ihrer sicherheitstechnischen Betriebsdauer ausser Betrieb genommen werden und nicht durch neue AKW ersetzt werden sollen. Neue AKW sind also wirtschaftlich und politisch kein Thema mehr. Die Abstimmung vom 27. November 2016 hat zudem deutlich gezeigt, dass die Bevölkerung anerkennt, dass es die bestehenden AKW zur Sicherung der Stromversorgung noch braucht. Die Schweizer AKW sollen so lange betrieben werden, wie sie sicher und wirtschaftlich sind. Eine Ungleichbehandlung der Kernenergie wäre vor diesem Hintergrund unsinnig. Gerade in den Wintermonaten, wenn die Laufwasserkraftwerke aufgrund der geringeren Wasserführung der Fliessgewässer zu wenig Strom produzieren, tragen die AKW zuverlässig zur sicheren und klimaschonenden Versorgung bei. Und sie verschaffen dem Bundesrat Zeit, die Energiestrategie 2050 umzusetzen. 

Was kostet das VKMM?

Die Zusatzbelastung für die Verbraucher in der Schweiz ist auf die Höhe der
CO2-Abgabe limitiert und beträgt im Jahresmittel knapp 1.3 Rappen/kWh. Für eine Durchschnittsfamilie sind das knapp 60 Franken pro Jahr, für die gesamte Volkswirtschaft 500 bis 600 Mio. Franken pro Jahr. Sinkt die Abgabe etwa durch eine Emissionsreduktion der europäischen Stromproduktion, so verringert sich die Belastung für die Verbraucher. 

Profitiert die heimische Wasserkraft vom VKMM?

Das VKMM setzt Anreize, in Produktionsformen zu investieren, die möglichst CO2-frei Strom produzieren, wie die Wasserkraft. Es sorgt dafür, dass die Schweizer Stromversorger über die HKN für ihren nahezu CO2-frei produzierten Strom Einnahmen erwirtschaften, um in den Erhalt der Wasserkraft investieren zu können. Heute decken die Einnahmen aus der Wasserkraft lediglich die Hälfte der Kosten. 

Schadet das VKMM stromintensiven Industriebetrieben?

Stromintensive Industriebetriebe könnten von einer Ausnahmeregelung profitieren. Hierfür ist der nötige Spielraum vorgesehen. Für die Festlegung der Höhe der CO2-Abgabe wäre der Bundesrat zuständig. Von Relevanz sind dabei der CO2-Abgabesatz für Brennstoffe in der Schweiz und die CO2-Belastung von Strom aus dem Ausland. Angerechnet würden die im Strompreis enthaltenen Kosten für europäische CO2-Verschmutzungsrechte. 

Wer würde vom VKMM profitieren?

Das VKMM vereint die Ansprüche an eine sichere Stromversorgung, den Eigenversorgungsgrad und den Klimaschutz. Es werden Anlagen gefördert, die dann produzieren, wenn die heimische Stromproduktion knapp ist wie im Winter. Dabei wird nicht zwischen bestehenden und neuen Kraftwerken unterschieden. Entscheidend ist allein der CO2-Ausstoss. Es profitieren jene, die möglichst CO2-frei Strom produzieren. Wer schon eine solche Anlage betreibt, erhält einen Deckungsbeitrag für den Unterhalt und Erneuerungen. Das Ziel ist stets, die Schweiz das ganze Jahr über mit möglichst sauberem einheimischem Strom zu versorgen.