• 10.04.2024 | Monatliches Update europäische Energiemärkte, April 2024

    Mix aus mildem Wetter und höheren Brennstoffkosten

    Die anhaltend milden Witterungsbedingungen im vergangenen Monat spielten eine entscheidende Rolle bei der Stabilisierung der Energieaussichten für Europa, insbesondere während der temporären Herausforderungen aufgrund ansteigender Brennstoff- und CO2-Preise. Aussergewöhnlich warme Temperaturen, teilweise mit Rekordwerten, liessen die Stromnachfrage auf das im Vergleichszeitraum 2023 verzeichnete Niveau fallen. Besonders bemerkenswert ist, dass die deutsche Stromnachfrage noch unter die bereits sehr schwachen Werte des vergangenen Jahres sank, was auf weiterhin verhaltene makroökonomische Aussichten hindeutet.

    Auf der Versorgungsseite sorgten starke Erneuerbare, neben Wind und Solar besonders auch Wasserkraft, für viele Null- oder Negativpreise während der letzten Tage des Monats. Die spanischen Spotpreise fielen erstmalig in den negativen Bereich aufgrund der starken Wasserkrafterzeugung, mit Speicherständen weit über dem saisonal üblichen Niveau und einer tiefen Nachfrage während der Osterferien. Auch die frühe Schneeschmelze in Frankreich förderte die Produktion aus Wasserkraft und sorgte dafür, dass sie am oberen Ende der Produktionsspanne 2019–2023 rangierte. Die stabile Leistung der Kernkraft deckte über 80 % der Binnennachfrage und steigerte die Nettoexporte nach Deutschland, Belgien und Grossbritannien auf ein Rekordniveau für dieses Jahreszeit. Insbesondere im Fall von Grossbritannien erleichterte die wieder eingeführte CO2-Prämie und die hohe Verfügbarkeit von Interkonnektoren, einschliesslich des jüngst in Betrieb genommenen Viking Links, die Umlenkung der Stromflüsse vom Kontinent und aus Skandinavien nach Grossbritannien.

    Vor dem Hintergrund des Überangebots am französischen Markt fuhr die Kernkraftflotte ihre Produktion flexibel herunter und drosselte sie in bestimmten Fällen um 13 GW innerhalb eines einzigen Tages. Auslöser für diese proaktive Anpassung waren die zahlreichen Stunden mit Negativpreisen, die die wirtschaftliche Tragfähigkeit untergruben. Zudem kam es zu Wochenbeginn in zwei französischen Nuklearreaktoren zu Modulationsunterbrechungen; ein strategischer Schritt, um in Anbetracht des Niedrigpreis-Umfelds Brennstoff zu sparen.

    Auf den Brennstoffmärkten verzeichneten die Gaspreise im vergangenen Monat einen zunehmenden Anstieg, gefolgt von einer Stabilisierungsphase, die durch Hinweise auf einen wachsenden Wettbewerb für LNG gefördert wurde. So kam es in Asien zu einem kräftigen Kaufinteresse, ausgelöst durch erhebliche Rabatte auf an Öl gebundene Verträge. Dadurch konnte Europa seinen deutlichen Speicherüberschuss nur durch Frachtumleitungen mindern. Russlands Strategie, die Speicherinfrastruktur der Ukraine ins Visier zu nehmen, schränkte die Möglichkeit ein, europäisches Gas dort zu lagern, während die erheblichen Schäden an der ukrainischen Energieinfrastruktur dazu führten, dass die Stromflüsse aus Osteuropa in die Ukraine umgelenkt wurden. Auch die Kohlepreise folgten einem Aufwärtstrend, befördert durch den Brückeneinsturz in Baltimore in den USA, der sich erheblich auf die Kohleverschiffung auswirkte. Gleichzeitig erholten sich die EUAs von ihrem niedrigen Niveau; dies ist vermutlich auf die prognostizierte angespannte Lage im späteren Verlauf dieser Handelsphase zurückzuführen. Zudem könnte die jüngste Verkündung der EU-Kommission, dass die Gesamtemissionen im ETS-Sektor im vergangenen Jahr um rund 212 Mt gesunken sind, vorübergehend die getrübte Stimmung verstärken. Langfristig soll dieses Problem jedoch durch Interventionen der Marktstabilitätsreserve gelöst werden.

     

     

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