Zum Einreichen des Safety Case

Zum Einreichen des Safety Case

Einleitung

Am 14. November 2016 hat Axpo dem Eidgenössischen Nuklearsicherheitsinspektorat ENSI den Sicherheitsnachweis für Block 1 des Kernkraftwerks Beznau, den sogenannten Safety Case eingereicht. Im vorliegenden Safety Case weist Axpo gemäss Stand von Wissenschaft und Technik überprüfbar nach, dass die Sicherheit der Anlage gewährleistet ist. Aus Sicht Axpo gibt es keine sicherheitstechnischen Vorbehalte für den sicheren Weiterbetrieb der Anlage bis 2030. Der Sicherheitsnachweis wird nun vom ENSI überprüft. Der Nachweis ist Grundlage für das Erteilen der Wiederanfahrgenehmigung.

Worum geht es beim Safety case?

Der Safety Case zeigt die Resultate aller Untersuchungen auf, die wir in den vergangenen eineinhalb Jahren für die Erbringung des Integritäts- und Sicherheitsnachweises am RDB durchgeführt haben. Wir konnten die Herkunft der detektierten Einschlüsse aufzeigen, dank der Replika den Einfluss dieser Einschlüsse auf die Eigenschaften des Werkstoffes klären, die Bruchzähigkeits-Nachweise erbringen und die Frage der vorhandenen Sicherheitsreserven beantworten. Der Safety Case weist nach, dass wir den Sicherheits- und Integritätsnachweis für den Reaktordruckbehälter gemäss dem nationalen und internationalen Regelwerk erfolgreich haben erbringen können. Die gesetzlichen Bestimmungen für den sicheren Betrieb des KKB 1 sind erfüllt. Aus diesem Grund steht aus Sicht Axpo einem Wiederanfahren von Block 1 des KKB nichts im Weg. Das ENSI wird zusammen mit internationalen Experten die eingereichten Unterlagen jetzt prüfen.

Welches sind die Kriterien für die Bestimmung der Integrität des RDB?

Der Integritätsnachweis basiert auf den Ultraschalluntersuchungen, der Ursachenanalyse (Root Cause analysis) sowie den bruchmechanischen Materialuntersuchungen gemäss ASME Code. Die detektierten Unregelmässigkeiten sind ebenfalls gemäss internationalem Regelwerk bewertet worden. Es bleibt eine ausreichende Sicherheitsmarge. Unsere Untersuchungen zeigen, dass die Einschlüsse keinen Einfluss auf die strukturelle Integrität des RDB haben und die Sicherheit für eine 60jährige Betriebszeit gewährleistet ist.

Kritiker monieren, die Replika sei nicht repräsentativ. Man könne diese für die Untersuchungen gar nicht nutzen. Was sagen Sie dazu?

Nein, genau das Gegenteil ist der Fall. Die Replika weist die gleichen chemischen und mechanischen Eigenschaften wie der Ring C des RDB auf, und die darin vorhandenen nicht-metallischen Einschlüsse weisen einen nahezu identischen Fingerabdruck auf wie diejenigen im Reaktordruckbehälter. Die Repräsentativität der Replika wird uns auch von international anerkannten Unternehmen und unabhängigen Experten attestiert. Die Replika hat alle Eignungsprüfungen erfüllt und genügt allen Qualitätsanforderungen.

Wie ist Axpo bei den Materialuntersuchungen vorgegangen?

Wir haben im Rahmen der durchgeführten Metalluntersuchungen Teile des Rings zerschnitten und daraus Versuchskörper hergestellt, aus denen Probekörper für die notwendigen mechanischen Festigkeitsversuche wie Zugfähigkeit oder Sprödbruchfestigkeit hergestellt wurden. Diese Versuche wurden in einer ausreichenden Anzahl durchgeführt, um die mechanischen Eigenschaften sicher bestimmen zu können. Dabei konnte sowohl durch metallographische Untersuchungen als auch durch Materialtests gezeigt, werden, dass die gefundenen Einschlüsse keine Auswirkungen auf die mechanischen Materialeigenschaften haben bzw. innerhalb der üblichen Streuungen liegen.

Haben die Materialuntersuchungen die bisherigen Erkenntnisse bestätigt?

Ja. Mit den Materialuntersuchungen konnten auch die im Rahmen der Root Cause Analysis bereits aufgezeigte Bildungsmodalitäten der Einschlüsse verifiziert und validiert werden. Die Festigkeitsuntersuchungen, die wir dank der Replika machen konnten, wurden gemäss internationaler Vorschriften (ASME) und gültiger ENSI-Bestimmungen erstellt. Wir haben unsere Berechnungen anhand von sehr konservativen Annahmen durchgeführt. Entsprechend haben wir die Ultraschall-Anzeigen konservativ interpretiert und trotzdem gelangen wir zum Schluss, dass die Integrität des RDB gegeben ist. Der Integritätsnachweis wurde entlang der vom ENSI akzeptierten Roadmap geführt.

Das KKB 1 ist also fit für 60 Jahre Betrieb?

Es gibt aus Sicht Axpo keine sicherheitstechnischen Vorbehalte für den sicheren Weiterbetrieb der Anlage bis 2030. Alle unsere Untersuchungen zeigen, dass die Einschlüsse herstellungsbedingt und nicht betriebsinduziert sind. Mit den Materialuntersuchungen haben wir aufzeigen können, dass die Einschlüsse ohne relevanten Einfluss auf die Materialeigenschaften sind und keine Auswirkungen auf die strahlungsbedingte Versprödung des Grundmaterials haben. Die Strukturintegritätsnachweise bestätigen die 2011/2012 mit Blick auf den Langzeitbetrieb durchgeführten Analysen. Axpo geht davon aus, dass aufgrund des vorliegenden Safety Case das ENSI die Wiederanfahrgenehmigung erteilen wird.