15.12.2021 | Axpo Austria feiert ihren 20. Geburtstag

«Wir sind gekommen, um zu bleiben»

Österreich war 2001 eines der ersten Länder Europas, das seinen Strommarkt vollständig liberalisiert hat. Seither ist Axpo in Wien mit einer eigenen Niederlassung präsent. Im Interview erzählt Managing Director Roman Stütz, inwiefern sich sein Job in den vergangenen 20 Jahren geändert hat, was die Kunden besonders schätzen, warum sein Team die Geschäftsaktivitäten mittlerweile auf zwei Nachbarländer ausgeweitet hat und welche Rolle die langfristigen Stromabnahmeverträge (PPAs) in Zukunft spielen werden.

Im Jahr 2001 residierte Wolfgang Schüssel am Wiener Ballhausplatz als Bundeskanzler, Hermann Maier raste bei der Abfahrt auf der legendären «Streif» in Kitzbühel als Schnellster ins Ziel, der FC Tirol Innsbruck verteidigte seinen Meistertitel in der österreichischen Fussball-Bundesliga, internationale Stars wie Gigi D’Agostino, die No Angels und Kylie Minogue dominierten die Hitparade zwischen Vorarlberg und dem Burgenland – und Roman Stütz trat seinen Dienst bei der Axpo-Vorgängerfirma EGL an.

20 Jahre sind seither vergangen – und Roman Stütz ist immer noch da. Mitten in der Wiener City leitet er das sechsköpfige Team von Axpo Austria, das zudem auf die Expertise von zwei Kollegen am Axpo Hauptsitz in Baden zurückgreifen kann. In seiner Rolle als Managing Director verantwortet Roman alle Handels- und Origination-Aktivitäten von Axpo in Österreich, Tschechien und der Slowakei.

Höchste Zeit also, um mit Roman über das Jubiläum zu sprechen!

Roman, wo lag damals der Fokus der Aktivitäten bei Axpo Austria und wie sieht es heute aus?

Roman Stütz: Da hat sich einiges getan in all den Jahren, wir haben uns stetig weiterentwickelt. Die ursprüngliche Idee war es, nach der Liberalisierung des österreichischen Strommarktes auf allen Ebenen mitzumischen. Es hat sich aber bald herausgestellt, dass es nicht attraktiv ist, um jeden Preis neue Marktanteile zu gewinnen. Deshalb haben wir uns nach und nach auf den Stromhandel und das Geschäft mit Herkunftsnachweisen konzentriert. Ab 2006 folgte der Aufbau eines Kompetenzzentrums für den CO2-Handel für die ganze Axpo, weitere sieben Jahre später kam es zu einer Verschiebung der Aktivitäten in Richtung Origination-Geschäft und seit 2014 sind wir auch im Erdgasgeschäft aktiv. Dazu gehören zum Beispiel der Handel und die Belieferung von Industriekunden.

Wer sind eure Kunden, aus welchen Branchen kommen sie hauptsächlich?

Unser Angebot umfasst die Vollversorgung sowie die spezifische Beschaffung von Strom und Gas für Grosskunden, die Abnahme und Vermarktung von Strom aus Kraftwerken im Auftrag der Erzeuger und den Handel mit CO2-Emissionszertifikaten und Herkunftsnachweisen. Das Industriegeschäft ist dabei der kleinere Teil, es macht etwa 30% aus.

Was schätzen die Kunden an Axpo Austria?

Was uns vermutlich am meisten von anderen Marktteilnehmern unterscheidet, ist die Tatsache, dass wir flexibel sind bei der Produkt- und Vertragsgestaltung und in der Regel jedem Kunden ein massgeschneidertes Angebot machen können – Lösungen ab der Stange sind nicht das, wofür Axpo Austria steht. Unser Team zeichnet sich ausserdem durch eine grosse Marktnähe und ein umfassendes Know-how über den österreichischen Energiemarkt und die europäischen Märkte aus. Viele von uns sind schon lange bei Axpo und dieser Faktor steht für Verlässlichkeit und Konstanz. Zudem kennen wir die meisten unserer Kunden persönlich und können sie individuell beraten. Die Kunden schätzen es einen direkten Ansprechpartner zu haben, sei es um individuelle Energieverträge zu verhandeln oder potentielle neue Geschäftsideen mit uns zu diskutieren.

In welchen Regionen in Österreich seid ihr besonders stark aktiv?

Da haben wir grundsätzlich keinen Fokus. Wir haben viele Kunden im Westen, wo es eine starke Industrie gibt, aber auch in den östlichen Bundesländern. Im österreichischen Gasmarkt gibt es zudem zwei getrennte Marktgebiete – Vorarlberg und Tirol auf der einen Seite sowie die restlichen Bundesländer im Osten auf der anderen Seite – und wir sind überall gleichermassen aktiv.

Worin unterscheidet sich Österreich ausserdem noch von anderen Ländern?

Der Energiemarkt hierzulande ist sicherlich einer der am kompetitivsten und transparentesten in Europa, es ist ein sehr konservativer Markt, der von starken einheimischen Playern geprägt ist. Aufgrund der überschaubaren Grösse ist er aber in vielen Bereichen nicht sehr liquide. Das hat sich besonders seit der Trennung der deutsch-österreichischen Strompreiszone im Jahr 2018 noch verschärft. Positionen werden daher von Kunden sowohl im Gas als auch im Strom häufig in liquideren Märkten abgesichert und von uns nach Österreich transportiert. Für Unternehmen wie Axpo, die sich im grenzüberschreitenden Energiehandel gut auskennen, bietet das interessante Geschäftsmöglichkeiten.

Wie wird Axpo als stark international ausgerichtetes Unternehmen im Markt wahrgenommen?

Axpo ist seit Beginn der Strommarktliberalisierung 2001 als alternativer und unabhängiger Anbieter in Österreich aktiv. In der Vergangenheit gab es hier viele andere ausländische Energiehändler, die sich dann aber wieder zurückgezogen oder ihr Angebot stark eingeschränkt haben. Axpo ist seit mittlerweile seit 20 Jahren eine unabhängige Konstante, die den Wettbewerb stark unterstützt. Wir sind gekommen, um zu bleiben.

So wie in zahlreichen anderen Märkten in Europa auch.

Ja, absolut. Die lokale Verankerung in den einzelnen Märkten und die geographisch breite Aufstellung in vielen europäischen Ländern und darüber hinaus sind die grosse Stärke von Axpo. Wir sehen das auch in unserer täglichen Arbeit: Durch den Zugang zu allen relevanten Energiemärkten in Europa können wir unseren Kunden viele Möglichkeiten bieten. Das führt dazu, dass zufriedene Kunden eines anderen Landes auch gerne zu uns kommen. Zudem gibt uns der Know-how-Transfer innerhalb der Axpo Gruppe auf internationaler Ebene sicher einen gewissen Vorsprung gegenüber unseren Mitbewerbern. Dadurch können wir uns auch schnell an sich ändernde Marktbedingungen anpassen. Zudem ist das gute Credit-Rating von Axpo für viele Kunden und Gegenparteien ein ausschlaggebender Punkt für eine Zusammenarbeit mit uns.

Stichwort Europa: Ihr habt 2019 die Verantwortung für das Origination-Geschäft in Tschechien und der Slowakei übernommen. Welche Bedeutung haben diese Märkte für euch heute und in Zukunft?

Wir bieten in beiden Ländern genau dieselben Produkte und Dienstleistungen an wie hier in Österreich. Die ganze Palette vom Grosshandel über die Vollversorgung von Industriekunden bis hin zur Vermarktung von erneuerbaren Energien. Dabei muss man sich vergegenwärtigen, dass Österreich rund 9 Millionen Einwohner hat. Tschechien mit seinen knapp 11 Millionen Einwohnern und die Slowakei mit über 5 Millionen Einwohnern sorgen dafür, dass wir im Vergleich zu früher einen fast dreimal so grossen Markt bedienen können – das ist für uns enorm attraktiv. Wir spüren bereits die Skaleneffekte. Die jahrelange Erfahrung am liberalisierten Energiemarkt in Österreich kommt uns hier sehr zugute.

Wie seht ihr das Thema Energiepreisentwicklung mit den aktuellen Rekordhochs, wie stark beschäftigt das eure Kunden und wie könnt ihr sie da unterstützen?

Das aktuelle europäische und globale Marktumfeld ist durchaus herausfordernd. Für unsere Kunden und Handelspartner bedeutet dies, dass eine genaue Marktbeobachtung und rechtzeitige Beschaffungsmassnahmen zur Optimierung der Energiekosten und Umsetzung der Unternehmensziele von grosser Bedeutung sind. Axpo Austria ist gut aufgestellt, um die Kunden dahingehend zu unterstützen, und wir können uns über mangelnde Arbeit im Moment definitiv nicht beklagen.

Rein topographisch gesehen ist Österreich mit der Schweiz durchaus vergleichbar. Auch bei euch wird traditionell stark auf Wasserkraft gesetzt – welchen Stellenwert haben die neuen Erneuerbaren wie Sonne und Wind in Österreich?

Die Wasserkraft spielt seit Jahrzehnten die zentrale Rolle, ganz klar. Aber ähnlich wie in der Schweiz ist das Ausbaupotenzial beschränkt. Auf dem Weg zur CO2-Neutralität reicht die Wasserkraft deshalb nicht aus, darum wird jetzt stark auf den weiteren Ausbau der Windkraft und der Photovoltaik gesetzt. Durch das vor kurzem beschlossene Erneuerbare-Energie-Gesetz wird der traditionell hohe Stellenwert der Erneuerbaren in unserem Land weiter gestärkt.

Sind langfristige Stromabnahmeverträge – die sogenannten PPAs – in Österreich auch ein wichtiges Thema?

Da ist die Situation ebenfalls vergleichbar mit der Schweiz. Wir sind grundsätzlich bereit für PPAs und in mehreren konkreten Gesprächen mit potenziellen Kunden. PPAs sind aber in Österreich ein neues Produkt, bis jetzt gab es ja fixe Einspeisevergütungen. Der Markt muss sich hier noch entwickeln. Das aktuell hohe Marktpreisniveau weit über den Einspeisetarifen bietet uns auf jeden Fall neue Opportunitäten. Wir können mit PPAs einen entscheidenden Beitrag leisten, um die Energiewende in Österreich weiter voranzubringen.

Wir wünschen euch dabei viel Erfolg!

Vielen Dank.

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