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21.05.2026 | Netzfinanzierung als Herausforderung

Implizite Förderung von Solaranlagen bei Eigenverbrauch?

Eigenverbrauch ist ein wichtiger Grund für mehr Solaranlagen: Wer auf dem eigenen Dach Strom produziert und diesen direkt vor Ort nutzt, spart nicht nur die Stromkosten, sondern auch einen grossen Teil der Netztarife und Abgaben. Das ist gut für Hausbesitzerinnen und Hausbesitzer sowie für den Solarausbau, schwächt aber gleichzeitig die Fairness bei der Finanzierung der Netzinfrastruktur. Eine Einordnung.

Die Axpo Energy Reports haben den «Förderbedarf» für verschiedene Technologien bemessen und verglichen. Der Förderbedarf definiert sich dabei als Differenz zwischen den Kosten und den zu erwartenden Einnahmen aus dem Betrieb. Es ist nicht als konkrete Geldzahlung zu verstehen, sondern als der nötige finanzielle Gesamtanreiz, um die Anlage wirtschaftlich zu machen. Bei kleinen Solaranlagen wird weniger als ein Viertel dieser benötigten Unterstützung durch direkte Förderung wie die Einmalvergütung bezahlt (vgl. Abbildung unten). Der Rest kommt den Hausbesitzern auf anderen Wegen zugute – vor allem durch Ersparnisse, also implizit. Ein wichtiger Punkt dabei ist die niedrigere Netzkostenbeteiligung durch Eigenverbrauch.

Eigenverbrauch liegt vor, wenn ein Verbraucher den Strom nutzt, den er selbst vor Ort produziert (also nicht via Stromnetz). Zum Beispiel wenn ein Haushalt den Strom seiner Solaranlage für die Wärmepumpe verwendet. Dass Haushalte ihren eigenen Strom nutzen können, ist gut und hilft ihnen, ihre Stromkosten zu senken. Beim Eigenverbrauch spart man aber nicht nur die Kosten für Strom ein, den man sonst via dem lokalen Versorger beziehen müsste. Die gesamten Strompreise enthalten nämlich auch weitere Kosten und Finanzierungsmechanismen, zum Beispiel den Netztarif zur Finanzierung des Stromnetzes und Abgaben wie der Netzzuschlag. Etwa die Hälfte des ganzen Strompreises besteht aus diesen Mechanismen. Auch diese Kosten spart der Verbraucher mit eigener Produktion, der sogenannte Prosumer, für die Menge ein, die er selbst verbraucht. Das ist natürlich gut für den Prosumer; die fehlenden Beiträge zu den Netzkosten und Abgaben müssen aber von den anderen Verbrauchern bezahlt werden, ihre Tarife steigen.

Warum Eigenverbrauch heute meist keine Netzkosten «spart»

Die Netze werden derzeit vor allem durch Netztarife finanziert, die vom Verbrauch abhängen. Die Netzkosten entstehen aber grösstenteils nicht durch die Menge der transportierten Energie, sondern durch den Aufbau und die Spitzenlast des Netzes. Man schätzt, dass etwa 60 bis 70 Prozent der Netzkosten rein durch strukturelle Anforderungen entstehen – besonders die Anzahl und Lage der Netzanschlusspunkte sowie die nötige Leitungslänge (BFE Studie von 2021). Die tatsächlich transportierte Energie macht nur etwa 30 bis 40 Prozent aus.

Wenn also ein Prosumer durch Eigenverbrauch beispielsweise seinen Strombezug aus dem Netz um 50% reduziert, dann zahlt er damit nur noch 50% seines bisherigen Beitrages an die Netzfinanzierung sowie der weiteren Abgaben und Systemkosten. Gleichzeitig steht das Stromnetz immer noch jederzeit mit der bisherigen Leistung für ihn bereit, es ist letztlich eine Art Versicherung. Wahrscheinlich bezieht er in gewissen Stunden sogar weiterhin die volle Leistung, z.B. wenn die Solaranlage einmal nicht produziert.

Zahlen Prosumer für die selbst verbrauchten Kilowattstunden keine Netztarife und Abgaben, verschwinden die zugrunde liegenden Kosten nicht. Sie werden vielmehr auf die weniger verbleibenden Kilowattstunden aus dem Netz umgelegt. Besonders Haushalte ohne PV, also Mieter, tragen dadurch mehr der Netzkosten. Neben dem wachsenden Solar-Zubau verschärft auch die Ausweitung des Eigenverbrauchs durch Zusammenschlüsse zum Eigenverbrauch oder die reduzierte Netzkostenbeteiligung durch lokale Elektrizitätsgemeinschaften das Problem.

Neue Tarifmodelle gefragt

Das Problem liegt hier nicht im Eigenverbrauch selbst, sondern darin, dass die Netztarife, die vom Verbrauch abhängen, angesichts der neuen Situation nicht mehr zeitgemäss und sinnvoll sind. Netztarife sollten eher richtige Anreize setzen, damit Eigenverbrauch nicht pauschal belohnt wird, sondern nur, wenn er gezielt die Stromspitzen im Netz glättet und idealerweise den Netzausbaubedarf verringert. Dafür könnte zum Beispiel die stärkere Verbreitung von dynamischen Netztarifen sinnvoll sein – unterstützt durch dynamische Energieprodukte bei einer Marktöffnung. Gleichzeitig werden auch mit besseren Anreizen für Eigenverbrauch die Gesamtkosten nur begrenzt sinken (siehe oben). Es fehlen Studien, die einen wesentlichen Effekt nachweisen können. Deshalb wird es nötig sein, um faire Netzfinanzierung zu sichern, die Netze stärker durch feste Grundbeträge zu finanzieren – möglicherweise unterschieden nach Anschlussleitung – oder durch sog. Leistungstarife. Prosumer könnten auch mit solchen anderen Tarifmodellen durch den geschickten Einsatz ihrer Flexibilität weiterhin Kosten sparen, würden dabei aber auch stärker die Netzkosten senken.

Transparente Diskussion notwendig

Die Schweizer Stromproduktion wird immer dezentraler. Es ist dabei sinnvoll, dass Prosumer den selbst produzierten Strom lokal verbrauchen können und damit entsprechende Stromkosten einsparen. Die heutige Finanzierung der Netze durch Netztarife, die vom Verbrauch abhängen, wurde aber nicht für steigenden Eigenverbrauch ausgelegt und wirkt wie eine versteckte Förderung von Solaranlagen. Die Einsparung von Netztarifen kann man als gewollten Anreiz sehen, um den Zubau erneuerbarer Energien zusätzlich zu unterstützen, oder man kann sie aus Fairnessgründen kritisieren. Auch mit mehr dynamischen Netztarifen und besseren Anreizen wird das Problem der fairen Netzfinanzierung aber nicht ganz verschwinden. Für die Zukunft braucht es nachhaltige und tragbare Lösungen. Die beste Gestaltung der Netztarife wird weiter diskutiert, diese Diskussion muss aber auf jeden Fall mit voller Transparenz geführt werden.

Am Ende ist klar: Es braucht einen Energie-Mix

Die eingangs erwähnten Axpo Energy Reports sind eine umfassende Wissensgrundlage zur Zukunft der Schweizer Stromversorgung. Sie gehen der Frage nach, wie der steigende Strombedarf gedeckt werden kann – besonders im Winter, wenn der Verbrauch hoch und die Produktion tief ist. Fakt ist: Solarenergie ist dabei in beiden von Axpo dargestellten Szenarien eine tragende Technologie und in beiden Ansätzen ist ein weiterer Ausbau vorgesehen. Der aktuelle Zubau ist begrüssenswert, muss aber intelligenter, netzdienlicher und kosteneffizienter werden. Denn: Solarenergie leistet ihren Hauptbeitrag im Sommer. Wir sollten eines nicht vergessen: Im Winterhalbjahr ist die inländische Stromerzeugung bereits heute geringer als die Nachfrage. Bis 2050 müssen rund 25 TWh zusätzliche Winterstromproduktion aufgebaut werden. Im Fokus steht dabei der Ausbau der Windenergie als entscheidende erneuerbare Quelle für den Winter: Rund 2/3 der Windstromerzeugung entfällt auf das Winterhalbjahr. Wind ist hinsichtlich Winterstrom besonders kosteneffizient. Fakt ist: Entscheidend für die Resilienz ist am Ende nicht eine einzelne Technologie, sondern der richtige Mix. 

 

Dies ist ein gemeinschaftlicher Artikel von Fabian Feger, Head Corporate Regulatory Management, und Carlo Schmitt, Regulatory Manager. 

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