Axpo lanciert ein Marktmodell

Axpo lanciert ein Marktmodell

28.02.2017 - Axpo schlägt für die Gestaltung des Schweizer Strommarktes ein neues Modell vor, welches den in der Schweiz verbrauchten CO2-haltigen Strom mit einer CO2-Abgabe belegt. Das Modell honoriert damit die nahezu CO2-freie Schweizer Stromproduktion, unterstützt die Klimaziele des Bundes und hilft die Versorgungssicherheit mit Strom im Winter zu sichern.

Gemäss der Energiestrategie 2050 sollen die derzeitigen Subventionen im Strombereich spätestens bis 2023 auslaufen und durch ein marktnahes Modell abgelöst werden. Darum wurde der Bundesrat beauftragt, Vorschläge zu einem solchen Modell zu machen. Logisch, dass sich auch Axpo hier einbringt, bestimmen doch neben den Grosshandelspreisen für Strom auch die politischen Rahmenbedingungen wesentlich mit über den Geschäftsverlauf unseres Unternehmens.


Das Problem

Gratis verteilte CO2-Verschmutzungsrechte in erheblicher Menge schützen die Industrie und die Kohlestromproduzenten der EU-Mitgliedstaaten. Nationale Förderregime subventionieren den Ausbau erneuerbarer Energien. So stellte allein Deutschland 2016 rund 25 Milliarden Euro zur Kostendeckung seiner Produzenten zur Verfügung. Mittlerweile installieren verschiedene europäische Länder sogar Unterstützungsmechanismen für konventionelle Kraftwerke und Speicher. Dazu kommen anhaltend tiefe Preise für die fossilen Energieträger Kohle, Öl und Gas. Diese Effekte haben zusammen mit dem Zerfall des Wechselkurses in den vergangenen Jahren drei Viertel des Wertes der Schweizer Stromproduktion vernichtet. Für die Betreiber der Schweizer Kraftwerke bedeutet dies, dass nicht geförderte Kraftwerke ihre Kosten nicht decken können.

Das hat längerfristig Konsequenzen für die sichere Stromversorgung in der Schweiz. Einen Vorgeschmack hat die Strommangellage im Winter 2015/16 gegeben. Damals konnte die Versorgung nur dank kurzfristiger Massnahmen und umfangreicher Importe sicher aufrechterhalten werden. Die Regulierungsbehörde ElCom warnt in ihrem aktuellen Bericht zur Versorgungssicherheit aber davor, sich in Zukunft ausschliesslich auf Importe zu verlassen. Netzengpässe in den Nachbarländern und die fehlende vertragliche Absicherung des Zugangs zum europäischen Markt bergen Unsicherheiten, auf welche die Schweiz kaum Einfluss nehmen kann.

In dieser Situation hat das Parlament zu Recht beschlossen, die Rahmenbedingungen für die sichere Versorgung mit Strom zu prüfen und anzupassen. Die Anforderungen an ein neues Marktmodell sind jedoch vielfältig und deshalb anspruchsvoll. Es muss den Marktverzerrungen effektiv begegnen, langfristig zur Versorgungssicherheit beitragen, die klimapolitischen Zielsetzungen unterstützen und auch in einem vollständig geöffneten Markt wirken. Naheliegend ist daher ein Modell, das die fast CO2-freie Stromproduktion in der Schweiz honoriert und die politisch tief gehaltenen CO2-Preise in Europa korrigiert. An diesen beiden Zielsetzungen scheitern die auf politischer Ebene vieldiskutierten und im umliegenden Ausland zum Teil eingeführten Kapazitätsauktionen.


Die Lösung

Schon heute unterliegen fossile Brennstoffe, wie beispielsweise Heizöl, einer CO2-Abgabe. Damit setzt der Bund Anreize zu vermehrtem Einsatz CO2-freier Energieträger. Ersetzt ein Verbraucher aber seine Ölheizung durch eine elektrische Wärmepumpe, so muss er für deren Stromverbrauch keine CO2-Abgabe bezahlen – ungeachtet der Tatsache, dass gerade in den Wintermonaten viel Strom importiert und im Ausland bei der Stromproduktion reichlich CO2 ausgestossen wird. Zwar unterliegt dieser Ausstoss über die europäischen CO2-Verschmutzungsrechte ebenfalls einer Abgabe, doch beträgt diese zurzeit weniger als ein Zehntel der schweizerischen CO2-Abgabe auf Brennstoffe. Diese Ungleichbehandlung des CO2-Ausstosses aus Brennstoffen und aus der Produktion von Strom setzt falsche Anreize.

Mit dem hier vorliegenden Versorgungs- und Klimamarktmodell wird der Verbrauch von Strom einer CO2-Abgabe unterstellt und so die oben beschriebene Ungleichbehandlung ausgeglichen. Relevant für die Höhe der Abgabe ist der CO2-Abgabesatz auf Brennstoffe in der Schweiz (gegenwärtig 84 CHF/tCO2) sowie die CO2-Belastung von europäischem Strom (geschätzt für das Jahr 2020: 260gCO2/kWh). Die im Strompreis enthaltenen Kosten für europäische CO2-Verschmutzungsrechte (2016: rund 6 CHF/tCO2) werden dabei angerechnet. Das Modell ist damit adaptiv zur europäischen CO2-Politik.

Keine CO2-Abgabe ist auf Strom zu bezahlen, der in der Schweiz CO2-frei produziert wird. Dies beinhaltet konventionell erzeugten Strom aus Wasser- und Kernkraftwerken, aber auch erneuerbare Energien aus Wind, Sonne oder Biomasse. Der Nachweis kann mit den bereites heute existierenden und handelbaren Herkunftsnachweisen erbracht werden. Gültig sind jeweils nur Herkunftsnachweise aus demselben Monat, in dem der Strom verbraucht wird. So kann das Grünwaschen von Importstrom im Winter durch Herkunftsnachweise vom Sommer vermieden werden. In denjenigen Monaten, in denen die inländische Produktion den Bedarf nicht decken kann, nähert sich der Wert der Herkunftsnachweise der Höhe der CO2-Abgabe an. Diese Wertsteigerung kommt unmittelbar denjenigen Kraftwerken zugute, die den Strom bedarfsgerecht – also dann, wenn die Schweiz Strom braucht – produzieren. Das Versorgungs- und Klimamarktmodell erhöht damit den Anreiz, in den Erhalt und den Ausbau der Stromproduktion für das Winterhalbjahr zu investieren. So steigert das Modell die künftige Versorgungssicherheit.


Investitionen wieder möglich

Das Versorgungs- und Klimamarktmodell stützt die klimapolitischen Ziele in doppelter Hinsicht: Einerseits ermöglicht es gerade bei Wasserkraftwerken die notwendigen Unterhalts- und Erneuerungsinvestitionen, wodurch letztlich weniger CO2-emittierende Kraftwerke kurzfristig einspringen müssen. Andererseits fördert es längerfristig den Bau effizienter, CO2-frei produzierender Technologien. Damit unterscheidet es sich prinzipiell von Kapazitätsauktionen, die das Fundament für den Bau staatlich finanzierter Gaskraftwerke schaffen. Diese neuen Gaskraftwerke werden letztlich in der Kapazitätsauktion mit bestehenden Wasserkraftwerken konkurrieren.

Das Modell baut als Marktmodell auf dem bereits bestehenden Handel mit Herkunftsnachweisen auf. Es verursacht keine ungewollten Nebenwirkungen auf dem Energiemarkt, da dieser vom Markt für Herkunftsnachweise getrennt ist, sondern es korrigiert Verzerrungen durch politisch zu tief gehaltene CO2-Preise und hohe Subventionen im europäischen Ausland. Es kann im Vergleich zu Kapazitätsauktionen administrativ sehr schlank umgesetzt werden.


Mehrkosten für Volkswirtschaft

Die Zusatzbelastung für die Verbraucher in der Schweiz ist dabei auf die Höhe der CO2-Abgabe limitiert und beträgt im Jahresmittel knapp 1.3 Rappen/kWh. Für eine Durchschnittsfamilie sind das knapp 60 CHF pro Jahr, für die gesamte Volkswirtschaft von ca. 500 bis 600 Mio. CHF pro Jahr. Sinkt die Abgabe etwa durch eine Emissionsreduktion der europäischen Stromproduktion, so verringert sich die Belastung der Verbraucher. Ein Teil der Einnahmen kann zudem zur Entlastung energieintensiver Industriebetriebe verwendet werden. Sie werden damit im internationalen Wettbewerb nicht benachteiligt. Im Vergleich durch Kapazitätsauktionen sind die Kosten des Modells im Voraus kalkulierbar. Es entstehen zudem keine langjährige Verbindlichkeiten.

Die Grundzüge des Versorgungs- und Klimamarktmodells sind im CO2-Gesetz bereits angelegt. Die laufende Revision des CO2-Gesetzes sollte genutzt werden, diese Lösung zeitnah umzusetzen. So könnte die Wirkung des Modells bereits ab 2020 einsetzen, mindestens acht Jahre früher als die einer Kapazitätsauktion.