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Axpo Reserve­kraftwerk in Muttenz (BL) CO₂-neutrale Stärkung der Versorgungs­sicherheit

Grossflächige und langanhaltende Strommangellagen können gravierende Folgen für Wirtschaft und Gesellschaft haben. Um die Versorgungssicherheit der Schweiz zu verbessern, setzt der Bund deshalb unter anderem auf Reservekraftwerke. Axpo leistet dazu einen substanziellen Beitrag mit dem geplanten Reservekraftwerk in Muttenz (BL). Dank des vorgesehenen Betriebs mit Biodiesel und später – nach einem allfälligen Entscheid des Bundes – mit eMethanol wird es die Versorgungssicherheit auf CO₂-neutraler Basis stärken.

291

MW

Installierte Leistung

600k

Haushalte

Dies entspricht dem Verbrauch von rund 600‘000 Haushalten.

2030/31

Start

Frühestmögliche Inbetriebnahme

Die wichtigsten Fragen und Antworten zum Reservekraftwerk

Facts & Figures

Angesichts der potenziell dramatischen Auswirkungen von grossflächigen und länger andauernden Stromausfällen kommt der Versorgungssicherheit höchste Bedeutung zu. Das Bundesamt für Energie möchte deshalb u.a. mit Reservekraftwerken die Stromversorgungssicherheit – vor allem in den Wintermonaten – stärken. Mit dem geplanten Reservekraftwerk will Axpo einen substanziellen Beitrag dazu leisten.

Als grösste Produzentin von erneuerbarer Energie der Schweiz engagiert sich Axpo intensiv für eine klimaschonende Energieversorgung. Dank dem geplanten Einsatz von HVO (einem Biodiesel) und später – nach einem allfälligen Entscheid des Bundes – mit eMethanol als Brennstoffen wird die CO2-neutrale Energieversorgung im Notfall gestärkt. Damit das Reservekraftwerk möglichst nie zum Einsatz kommt, ist der Ausbau der erneuerbaren Energien in der Schweiz zu beschleunigen.

Das Reservekraftwerk in Muttenz verfügt über eine installierte Leistung von 291 MW. Im Vollbetrieb produziert es so viel Strom, wie es in etwa dem Bedarf von rund 600‘000 Vierpersonenhaushalten entspricht.

Mit dem möglichen Einsatz von eMethanol in einem Kraftwerk leisten Axpo und die Kraftwerksbauer technologische Pionierarbeit. In einem ersten Schritt wird sichergestellt, dass eMethanol mit seinen etwas anderen Eigenschaften als Brennstoff verwendet werden kann (Entwicklung der eMethanol-Fähigkeit). Ausserdem ist zu erwarten, dass sich die Verfügbarkeit von eMethanol rasch erhöht. Auf der Basis der abgeschlossenen technischen Entwicklung und ausreichender Verfügbarkeit kann in einem zweiten Schritt die Einführung von eMethanol umgesetzt werden, sofern der Bund einen entsprechenden Entscheid fällt. Bis zu diesem Zeitpunkt kommt HVO (ein Biodiesel) zum Einsatz.

Da der produzierte Strom nur der Notfallvorsorge dient und das Kraftwerk nicht am Strommarkt teilnehmen darf, erhält Axpo eine Entschädigung für den Bau und den Betrieb des Kraftwerks.

Der vorgesehene Standort für das Reservekraftwerk im Auhafen Muttenz ist aufgrund seiner Lage in einer Industriezone ohne direkte Auswirkungen auf umliegende Wohngebiete, der dort bereits vorhandenen Infrastruktur und einer optimalen Verkehrsanbindung insbesondere an Schiene und Wasser hervorragend geeignet.

Konkret bedeutet dies:

  • Der Auhafen Muttenz ist bereits heute eine isolierte Umschlags- und Industriezone ohne direkte Auswirkungen auf umliegende Wohngebiete.
  • Das Kraftwerk kann für den An- und Abtransport der Brennstoffe sowie für deren Umschlag die bestehende Infrastruktur und primär die Verkehrswege Wasser und Schiene nutzen. Das hat auch den Vorteil, dass keine zusätzlichen Auswirkungen auf umliegende Wohngebiete entstehen.
  • Dank der Nähe zum bestehenden Tanklager können die Kosten für die Lagerung, den Umschlag und die Versorgung der benötigten Brennstoffe tief gehalten werden.
  • Der erzeugte Strom kann in das naheliegende Stromnetz der Primeo Energie eingeleitet werden.

Axpo beabsichtigt, noch vor Ende 2026 die Unterlagen für das Baugesuch zu erstellen und beim Kanton Baselland einzureichen. Dabei wird auch ein Nachweis erbracht, dass alle Grenzwerte in Bezug auf Lärm und Emissionen eingehalten werden. Das Projekt wird anschliessend öffentlich aufgelegt. Nach der Baufreigabe beträgt die reine Bauzeit gut 3 Jahre, sodass die Inbetriebnahme frühestens ab 2030/2031 erfolgen könnte.

Die Umwidmung eines Teils des Auhafens weg von fossilen Brenn- und Treibstoffen hin in Richtung CO2-neutraler Energieträger ist eine erste wichtige Etappe, um den Hafen auf die nach-fossile Zeit umzustellen. Der Hafen kann dadurch weiterhin seine Stellung als wichtiger Logistik-Hub für Energie-Träger wahrnehmen. Zudem werden 17 Prozent der heutigen Tanklager-Kapazität rückgebaut, um Platz für das neue Kraftwerk zu schaffen.

Er kann damit eine wichtige Rolle in der regionalen CO2-neutralen Energie-Versorgung übernehmen.

Betrieb des Reservekraftwerks

Axpo betreibt das Kraftwerk mit CO2-neutralen Brennstoffen: zu Beginn mit HVO (einem Biodiesel). Wenn der Bund den entsprechenden Entscheid fällt und die eMethanol-Verfügbarkeit im Markt gegeben ist, kann in einem zweiten Schritt die Verwendung von eMethanol gestartet werden. Als Sekundärbrennstoff – bei fehlender Verfügbarkeit von HVO und eMethanol - käme konventioneller Diesel resp. später konventionelles Methanol zum Einsatz. Im Falle vom Betrieb mit konventionellem Brennstoff kompensiert das Kraftwerk seinen CO2-Ausstoss.

Die Abkürzung HVO steht für «Hydrotreated Vegetable Oils». Der für das Reservekraftwerk vorgesehene HVO-Biodiesel ist ein synthetischer Dieselkraftstoff, der aus pflanzlichen Ölen (z.B. gebrauchte Speiseöle) oder tierischen Fetten (z.B. Schlachtabfälle) hergestellt wird. Erfolgt die Produktion mit erneuerbarer Energie, ist HVO-Biodiesel vollständig CO2-neutral.

Methanol ist eine klare, farblose Flüssigkeit aus der Stoffgruppe der Alkohole. eMethanol ist auf umweltfreundliche Art aus Wasserstoff und Kohlendioxid hergestelltes Methanol. Der Wasserstoff wird mittels erneuerbarer Energien erzeugt, und das Kohlendioxid stammt aus industriellen Prozessen oder der Atmosphäre. eMethanol ist CO2-neutral, da bei der Verbrennung nur das zuvor gebundene CO freigesetzt wird, und eignet sich hervorragend zur Erzeugung sauberer Energie und als klimafreundliche Alternative in Bereichen, wo weiterhin ein flüssiger Brennstoff notwendig ist.

Die Technologie solcher Kraftwerke ist grundsätzlich gut erprobt. Die geltenden strikten Emissionsgrenzwerte werden zu jeder Zeit eingehalten. Die verwendete Technologie garantiert, verglichen mit Notstromaggregaten, eine sehr schadstoffarme Verbrennung. Zusätzlich werden Stickstoffoxide durch einen Katalysator auf ein Minimum reduziert, was deutlich über die in Europa übliche Kraftwerkstechnologie hinausgeht. Teil des Bewilligungsprozesses ist eine Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP), in dem die ergriffenen Massnahmen zum Umweltschutz und die verbleibenden Emissionen und zu erwartenden Immissionen dargestellt werden. Mit der Verwendung von HVO-Biodiesel und später eMethanol als Brennstoffe leistet das Reservekraftwerk eine CO2-neutrale Notfallvorsorge.  

Dank der optimalen Verbrennung und der Abgasreinigung entstehen nur ein Bruchteil der durch Notstromgruppen verursachten Emissionen von Stickstoffoxiden (NOx) und Kohlenmonoxid (CO). Mit der Verwendung von HVO-Biodiesel und später voraussichtlich eMethanol als Brennstoffe leistet das Reservekraftwerk eine CO2-neutrale Notfallvorsorge.

Der eigentliche Kraftwerksteil befindet sich in einem Gebäude, die Lärmemissionen damit auch in unmittelbarer Nähe zum Kraftwerk nicht hoch. Zudem befindet es sich in einer isolierten Umschlags- und Industriezone und fernab jeglicher Wohngebiete. Die Einhaltung der geltenden Grenzwerte in Sachen Lärmschutz kann deshalb gewährleistet werden. Aufgrund eines bereits erstellten provisorischen Umweltverträglichkeitsberichts kann festgehalten werden, dass die Anlage beim Lärmschutz auf Kurs ist.

Mit einer Inbetriebnahme ist frühestens ab 2030/2031 zur rechnen, wobei das Reservekraftwerk wie eine Versicherung funktioniert und vom Bund angeordnet nur bei drohenden Strommangellagen in Betrieb genommen wird. Es sind daher nur wenige Betriebsstunden zu erwarten. Der produzierte Strom dient nur der Notfallversorgung und ist nicht Teil des ordentlichen Strommarktes.

In einer ersten Phase ab Inbetriebnahme plant Axpo den Einsatz von HVO (einem Biodiesel) als Primärbrennstoff. Nur bei Nichtverfügbarkeit kommt konventioneller Diesel zum Einsatz. Durch die Entwicklung der Methanol-Fähigkeit des Kraftwerks, wenn der Bund einen entsprechenden Entscheid fällt und sobald die Verfügbarkeit von eMethanol ausreichend ist, kann die Umstellung von HVO auf eMethanol umgesetzt werden. Als Sekundärbrennstoff bei Nichtverfügbarkeit von eMethanol käme dann konventionelles Methanol zum Einsatz.

Die für einen Dauereinsatz von 16 Tagen notwendige Menge an HVO-Biodiesel liegt bei 32'000 m3, für eMethanol würde die Menge aufgrund der tieferen Energiedichte bei 68'000 m3 liegen. Zum Vergleich: im Auhafen können zurzeit ca. 540'000 m3 an Brenn- und Treibstoffen eingelagert werden. Das Kraftwerk ist als Reservekraftwerk konzipiert, die tatsächlichen Betriebsstunden dürften sehr gering sein.

Die Stromeinspeisung erfolgt durch Primeo Energie über ein neues Unterwerk in die bestehende Leitung Münchenstein-Schweizerhalle, wobei das Netz noch verstärkt wird.

Das Reservekraftwerk Auhafen hat keine Auswirkungen auf das Grundwasser. Aus heutiger Sicht werden keine Bauten im Bereich des Grundwassers erstellt (keine Unterkellerung von Bauten) und auch bei der Bodenverbesserung im Bereich der Fundamente ist zu keiner Zeit eine Absenkung des Grundwassers vorgesehen. Einzig während der Bauphase könnten mobile Pumpen örtlich begrenzt eingesetzt werden, um ein Ansteigen des Grundwasserspiegels zu vermeiden.

Das geplante Reservekraftwerk hat keine Auswirkungen auf die Trinkwasserversorgung. Das Trinkwasserpumpwerk Auweg, wo täglich bis zu 6'000 m3 Trinkwasser gefördert werden, befindet sich zwar in der Nähe des Projektstandorts (im Zustrom des Auhafens). Dieses kann aber sowohl während der Bauphase als auch danach ununterbrochen und ohne Einschränkungen in Betrieb bleiben. Eine dauerhafte Beeinträchtigung des Trinkwasserpumpwerks oder der Trinkwasserqualität kann ausgeschlossen werden.

Das geplante Reservekraftwerk hat keine Auswirkungen auf die Trinkwasserversorgung. Der Wasserspiegel des Reservoirs bleibt während dem Bau und danach im Falle eines Betriebs des Reservekraftwerks unverändert. Allenfalls kann in der Bauzeit lokal auf einer kleinen Fläche eine Wasserabsenkung nötig sein. Dieser Bereich würde kurzfristig und abgetrennt vom Grundwasser abgesenkt, dies hätte aber keinerlei Auswirkungen auf die Trinkwasserversorgung.

News

14.05.2025

CO2-neutrale Notfallvorsorge: Axpo erhält Zuschlag für Reservekraftwerk

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