09.03.2018 | So kriegt Axpo Geschäft und Natur auf die Reihe

Die Umweltdiplomatin

Nadia Semadeni ist ständig auf Achse für Axpo und die Umwelt. Verschiedene Interessen unter einen Hut zu bringen, ist ihr Kerngeschäft; sich von keiner Seite vereinnahmen zu lassen, das oberste Prinzip; ausgewiesene Kompetenz die Grundlage für ihre Arbeit.

Für jegliches Um-, Aus- oder Neubauprojekt eines Kraftwerks von Axpo ist eine Abklärung über die Auswirkungen auf die Umwelt nötig. Allfällige negative Auswirkungen müssen verhindert, vermindert oder mit sogenannten Ausgleichs- und Ersatzmassnahmen kompensiert werden. Der Grundgedanke: Wird die Natur an einer Stelle beeinträchtigt, soll so weit möglich andernorts Ausgleich und Ersatz geschaffen werden. 

Die Umweltuntersuchungen können sich auf einzelne Massnahmen beziehen: Z.B. wie sich der Ersatz eines Rechens bei einem Flusskraftwerk durch eine feinere Variante auswirken würde. Sie können aber auch den Einfluss von Grossprojekten auf ganze Ökosysteme zum Gegenstand haben. Das mit Abstand grösste Projekt im letzten Jahrzehnt bei Axpo war – auch für das Ressort Umwelt – der Bau des Pumpspeicherwerks Limmern. Nadia Semadeni war von Anfang an dabei.

Pierre-Jacques Frank, Fachingenieur im Ressort Umwelt/Wasserwirtschaft; führt mit Fischerstiefeln eine Abflussmessung mit der Salzverdünnungsmethode an der Calancasca durch

Ricardo Mendez, Gewässer- und Fischbiologe im Ressort Umwelt/Wasserwirtschaft, nimmt am Hinterrhein Markierungen der Gewässersohle im Rahmen von Schwall/Sunk-Untersuchungen vor

Nadia Semadeni, Umweltingenieur, Leiterin Ressort Umwelt/Wasserwirtschaft, Begehung der Nebenfassungen Val Val der Kraftwerke Vorderrhein mit David Schmid vom Amt für Natur und Umwelt des Kantons Graubünden

Guido Hirzel, Fachingenieur Ressort Umwelt/Wasserwirtschaft, nimmt eine Befliegung mit dem eigenen Multicopter am Hinterrhein während den Schwall/Sunk-Untersuchungen vor

Runder Tisch mit Ecken und Kanten

Bereits im Jahr 2005 setzte sich Nadia Semadeni mit Vertretern der Behörden und den Umweltverbänden im Kanton Glarus an einen Tisch, um das Vorgehen im Grossprojekt zu diskutieren. Von Anfang an sollten die unterschiedlichen Anliegen und Bedürfnisse offen diskutiert und Lösungen gefunden werden.

Der Dialog ist Frau Semadeni extrem wichtig: „Als Vertreterin der Kraftwerksgesellschaft haben wir natürlich nicht die selben Interessen wie die Behörden oder Umweltschutzverbände. Aber indem wir miteinander sprechen und sachliche Grundlagen schaffen, können wir gemeinsam Lösungen entwickeln, die letztlich für alle Seiten akzeptabel sind."

Ein runder Tisch ist aber keineswegs ein Kaffeekränzchen: Hier wird basierend auf sachlichen Gutachten hart verhandelt, Kompromisse brauchen ebenso viel Hartnäckigkeit wie Zielstrebigkeit und Verhandlungsgeschick. Zentral für Nadia Semadeni ist die Vertraulichkeit: „Die erste Regel bei einem runden Tisch lautet, dass nichts nach aussen getragen wird. Jede Partei soll sich offen äussern und ihren Standpunkt darlegen können. Aber noch wichtiger, man muss auch Konzessionen eingehen können, ohne das Gesicht zu verlieren. Das gelingt nur, wenn wir uns auf der Fachebene begegnen und Politik und übergeordnete Themen draussen lassen."

Bei Axpo wird dieses partnerschaftliche Vorgehen in allen grösseren Projekten aktiv gepflegt. Nur durch die Zusammenarbeit mit den unterschiedlichen Parteien lassen sich breit abgestützte Lösungen finden und damit Einsprachen und langwierige Verfahren vermeiden. Das PSW Limmern konnte sogar ohne eine einzige Einsprache realisiert werden. Das ist bei einem Infrastrukturprojekt dieser Grösse eine Seltenheit und zugleich ein Kompliment an die Arbeit aller Beteiligter.

Der Gesetzgeber sorgt für Arbeit

Neubauprojekte gibt es die nächsten Jahre bei Axpo zwar kaum noch, aber Daumen drehen ist bei Nadia Semadeni und ihrem Team trotzdem nicht angesagt. Ganz im Gegenteil. „Die Arbeit geht uns bestimmt nicht aus", schmunzelt sie. „Wir haben über 50 kleinere und grössere Projekte laufen, um die Bestimmungen des neuen Gewässerschutzgesetzes zu erfüllen. Es geht dabei um die Beseitigung von wesentlichen Beeinträchtigungen im Bereich Schwall/Sunk, Fischwanderung und des Geschiebehaushalts. Im Bereich der Fischwanderung geht es um das Ermöglichen der Fischwanderung, flussauf- wie -abwärts." Eine topmoderne Fischaufstiegsanlage hat Axpo erst im vergangenen Jahr beim Kraftwerk Eglisau in Betrieb genommen.

Aber auch für die verbleibenden sieben Restwassersanierungsverfahren gibt es runde Tische in vier Kantonen mit Vertretern aus Behörden und Verbänden. Als Vertreterin der Kraftwerksgesellschaften ist Frau Semadeni bei diesen Gesprächen und Projekten mit dabei und entsprechend oft auf Achse. Wichtig ist für sie, dass in der Vielzahl von Projekten keine isolierten Sonderlösungen beschlossen werden. Ein unerwünschter Dominoeffekt auf andere Kraftwerke könnte die Folge sein. Für Nadia Semadeni gilt es daher, immer den Blick für das grosse Ganze zu bewahren. „Manchmal wäre es einfacher, jemanden ein „Zückerchen" zu geben und damit die Diskussion rasch abzuschliessen. Ich muss aber nicht die Interessen eines einzelnen Kraftwerks, sondern von Axpo insgesamt im Auge behalten. Da können kleine Handlungen rasch auch grosse Konsequenzen haben."

Schutz und Nutzen der Natur – ein Thema, das interessiert

Die widerstrebenden Interessen und komplexen Fragestellungen rund um den Schutz und Nutzen der Natur werden mit dem Ausbau der erneuerbaren Energien noch offensichtlicher. Auch im Hinblick auf die konkrete Ausgestaltung der Energiezukunft stehen Fragen dazu im Raum: Sollen Windanlagen auch in schützenswerten Landschaften gebaut werden können? Ist es sinnvoll, einen Bergbach für einige Kilowattstunden Strom zu verbauen? Wie kann in einer zunehmend dichter bebauten Schweiz Ausgleich für Eingriffe geschaffen werden?

Das Interesse an diesen Fragestellungen ist gross und ist mit ein Grund dafür, dass für die künftigen Besucherführungen im Pumpspeicherwerk Limmern eine Vertiefungsrichtung Umwelt angedacht ist. Regelmässig wird Axpo zudem von Hochschulen oder Behörden für Fachvorträge angefragt, wenn es darum geht, die Sichtweise aus der Praxis eines Bauherren einzubringen. Auch diese Aufgabe nimmt Nadia Semadeni gerne wahr: „Solche Auftritte geben uns die Möglichkeit, unsere Sichtweise differenziert darzulegen. Der erste Schritt hin zur guten Zusammenarbeit ist das gegenseitige Verständnis für die Anliegen und Bedürfnisse. Wenn wir das schaffen, ist schon viel erreicht." Damit entsteht erst ein echter Energie-Dialog.

Mehr Hintergrundwissen zum Thema Wasserkraft gibt es hier.

Über Nadia

Name: Nadia Semadeni

Funktion: Ressortleiterin bei Axpo

Dein Eingagement: Faktenbasierte Einhaltung der Umweltgesetzgebung bei den Wasserkraftwerken des Axpo Konzerns

Deine Priorität: Offener, faktenbasierter Dialog mit Arbeitskollegen und den Vertretern anderer Interessengruppen

Dein Motto: Tägliche Herausforderungen mit einer positiven Einstellung meistern

Deine Hobbies: Mit meiner Familie die Natur erforschen, die verschiedenen Facetten des Wassers erleben

Was du schon immer tun wolltest: Die unberührten Flüsse Neuseelands sehen und sie zu Fuß oder auf einer Kajak-Tour erkunden.

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