Axpo erzielt solides operatives Ergebnis in anspruchsvollem Umfeld

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19.12.2014 - Die tiefen Grosshandelspreise für Strom in Europa haben nach wie vor einen stark negativen Einfluss auf die Ertragslage der Axpo Holding AG. Trotzdem ist der Konzern stabil unterwegs: Aus dem operativen Geschäft resultierten im Geschäftsjahr 2013/14 (1. Oktober 2013 bis 30. September 2014) ein um Sondereffekte bereinigter Gewinn (Stufe EBIT) von 479 Mio. CHF und ein operativer Cashflow von 765 Mio. CHF. Das solide operative Abschneiden ist auf die starke Handelsposition in Europa, die strategische Neuausrichtung und die umfassenden Massnahmen zur Rentabilitätsverbesserung zurückzuführen. Wegen des anhaltenden Preiszerfalls musste Axpo allerdings massive Wertberichtigungen auf Kraftwerke und Energiebezugsverträge in Höhe von netto 1.5 Mia. CHF vornehmen. Diese Anpassungen führten im Unternehmensergebnis zu einem Verlust von 730 Mio. CHF (Vorjahr: Gewinn von 212 Mio. CHF). Aufgrund der Verzerrungen im Strommarkt behält Axpo die Kosten und die Rentabilität weiter im Fokus.

Die Gesamtleistung des Konzerns sank im Berichtsjahr um 0.3 Mia. CHF auf 6.7 Mia. CHF. Davon entfielen 6.5 Mia. CHF auf das Energiegeschäft und die Netznutzung, gegenüber 6.7 Mia. CHF im Vorjahr. Der Stromabsatz stieg von 60 537 auf 67 947 Mio. kWh, während der Gasabsatz um 35% auf
11 027 Mio. kWh sank. Unter dem Strich resultierte ein gesamthafter Energieabsatz von 79 412 Mio. kWh. Im Vorjahr waren 77 908 Mio. kWh erreicht worden.

Notwendige Wertberichtigungen aufgrund weiter sinkender Grosshandelspreise

Die bereits tiefen Grosshandelspreise für Strom auf den europäischen Märkten sind auch im Berichtsjahr weiter gesunken. Grund dafür waren die eingetrübten konjunkturellen Aussichten in weiten Teilen Europas, die niedrigen Preise für CO2-Zertifikate und in erster Linie die weiterhin ansteigende Einspeisung von subventionierter Energie, besonders in Deutschland. Die Ertragsaussichten für nicht subventionierte Kraftwerke in der Schweiz haben sich dadurch weiter verschlechtert: Diverse Kraftwerke der
Axpo produzieren mittlerweile über dem Marktpreis und sind damit unrentabel geworden.

Das führte zu notwendigen buchhalterischen Anpassungen: Im vergangenen September gab Axpo beträchtliche Wertminderungen auf Kernkraftwerke, Gross- und Kleinwasserkraftwerke, Biomasseanlagen, Gaskombi- und Windkraftwerke im In- und Ausland sowie auf Energiebezugsverträge aus
Frankreich bekannt. Die Wertberichtigungen sowie eine Rückstellung für eine Mehrwertsteuer-Nachzahlung wirken sich negativ auf das Unternehmensergebnis aus. Hingegen wurde die finanzwirtschaftliche
Abschreibungsdauer für die Kernkraftwerke Beznau (KKB), Gösgen (KKG) und Leibstadt (KKL) von 50 auf 60 Jahre verlängert. Dadurch wird die heutige wirtschaftliche und sicherheitstechnische Beurteilung der Kernkraftwerke auch in der Finanzbuchhaltung abgebildet, was einer Anforderung der International Financial Reporting Standards (IFRS) und von Swiss GAAP FER entspricht.

Diese Einmaleffekte belasten das Betriebsergebnis (EBIT) mit netto 1.5 Mia. CHF. Nach einem Gewinn in Höhe von 364 Mio. CHF im Vorjahr verbucht Axpo nun einen Verlust von 871 Mio. CHF. Trotz des schwierigen Marktumfelds ist Axpo finanziell nach wie vor solide aufgestellt: Das Eigenkapital des
Konzerns summiert sich auf 7.5 Mia. CHF, die Eigenkapitalquote beträgt 37,2%. Oberstes Ziel des Konzerns ist es, angesichts der herausfordernden Bedingungen im Markt die Rentabilität sicherzustellen und die Kapitalmarktfähigkeit zu erhalten.

Mit dem Abschluss des Geschäftsjahres 2013/14 hat Axpo sechs Partnerwerke vollkonsolidiert, die bisher nach der Equity-Methode bewertet worden waren. Die Vollkonsolidierung ermöglicht eine bessere Darstellung der finanziellen Gesamtsituation unter Berücksichtigung der zusätzlich anrechenbaren
Schulden der sechs Partnerwerke, was für Axpo zu zusätzlichen Finanzverbindlichkeiten von rund 1.9 Mia. CHF per 1.10.2013 führt. Das Finanzguthaben des Konzerns beträgt netto 0.9 Mia. CHF.

Der Verwaltungsrat wird der Generalversammlung vom 13. März 2015 vorschlagen, angesichts des negativen Ergebnisses und des weiterhin als schwierig betrachteten Marktumfelds auf die Ausschüttung einer Dividende zu verzichten.

Erneuerte Konzernleitung

Nachdem Andrew Walo zum 1. Februar 2014 den CEO-Posten übernommen hatte, konnte im Laufe des Jahres auch die Konzernleitung wieder komplettiert werden. An Stelle von Manfred Thumann ist seit dem 1. November 2014 Andy Heiz für den Geschäftsbereich Produktion & Netze verantwortlich. Bereits einen Monat zuvor hatte Domenico De Luca die Nachfolge des ausscheidenden Hans Schulz als Leiter des Geschäftsbereichs Handel & Vertrieb angetreten. Felix Graf gehört als neuer CEO der Tochtergesellschaft CKW der Konzernleitung seit dem 1. Februar 2014 an. Komplettiert wird die Konzernleitung der Axpo Gruppe durch CFO Martin Schwab.

Flexibilität und Effizienz entscheidend

Um die Konkurrenzfähigkeit sicherzustellen, wurden im abgelaufenen Geschäftsjahr diverse ergebniswirksame Massnahmen zur Rentabilitätsverbesserung ergriffen. Dazu gehören neben Optimierungen
im Kerngeschäft und dem Erschliessen neuer Geschäftsfelder auch weitgehende Kostensenkungen. Die Massnahmen führten im Vergleich zum Geschäftsjahr 2012/13 zu Verbesserungen in Höhe von 25 Mio. CHF. Das Wertsteigerungsprogramm wird im laufenden und den kommenden Geschäftsjahren fortgeführt.

Bis zum Geschäftsjahr 2016/17 wird Axpo netto rund 300 Stellen abbauen. Im Jahr 2014 werden bereits 80 Stellen reduziert, allerdings nur ein Teil davon bereits per 30. September 2014. Der Personalbestand im Axpo Konzern betrug am Stichtag 4477 Vollzeitstellen, das sind 32 weniger als im Vorjahr. Diese Zahlen sind netto zu verstehen, denn gerade in profitablen Geschäftsfeldern wird Axpo auch in Zukunft weiter neue Stellen aufbauen. Mit der 2012 angepassten Konzernstruktur hat Axpo nicht nur für mehr Effizienz gesorgt, sie kann auch flexibler auf sich verändernde Marktsituationen reagieren.

Der Fokus der Investitionen wird verstärkt auf profitable Geschäfte ausgerichtet. Dazu zählen in erster Linie Projekte mit erneuerbaren Energien, vorwiegend im Ausland. Zudem investiert Axpo weiter in die Sicherheit und den Erhalt der bestehenden Anlagen. Dazu zählen etwa die Projekte Autanove (autarke Notstromversorgung), HERA (präventiver Austausch der Reaktordruckbehälterdeckel) und NEXIS (neues Anlagen-Informationssystem) im Kernkraftwerk Beznau. Die Netto-Investitionen in das Anlagevermögen
betrugen 779 Mio. CHF und lagen damit leicht über Vorjahr.

Axpo baut internationales Geschäft aus – Ergebnisbeitrag wird immer wichtiger

Auch das zweite Standbein neben der Produktion, der Geschäftsbereich Handel und Vertrieb, konnte zum soliden operativen Ergebnis beitragen. Mit ihrer starken lokalen Präsenz in über 20 europäischen Ländern hat Axpo einen wichtigen Trumpf in der Hand. Denn gerade im Ausland sind angesichts des
veränderten Marktumfelds in Zukunft realistische Wachstumschancen vorhanden. Dies zeigte sich im abgelaufenen Geschäftsjahr besonders deutlich am Beispiel der Division internationaler Energiehandel und Origination, die ein gutes operatives Ergebnis erzielte. Auch die Kunden bewerten Axpo positiv:
2014 wurde das Unternehmen von den Lesern zweier Fachmagazine unter die Top 3 der weltweit tätigen Stromhändler gewählt.

Das Origination-Geschäft mit individuellen Lösungen für die Vermarktung und Beschaffung von Strom, Gas sowie Energiezertifikaten für Kunden in ganz Europa konnte weiter ausgebaut werden: In Spanien, Skandinavien und im Baltikum akquirierte Axpo namhafte Grosskunden. Diese wiederum ebnen
Axpo häufig den Weg zu klein- und mittelgrossen Betrieben.

Auch das Endkundengeschäft in Europa wird für Axpo zunehmend wichtiger: Während in Spanien und Polen jüngst der Einstieg in den Retail-Markt gelang, versorgt das Unternehmen in Italien bereits rund 100‘000 Absatzpunkte mit Strom und Erdgas. Grosses Potenzial sieht Axpo auch im Bereich des
Windparkmanagements. Dort kommt das von Axpo entwickelte Informationssystem xREM zum Einsatz, mit dem sich die Leistung jeder Windturbine und der Status der Hauptkomponenten und Steuerung analysieren lassen. In einigen Ländern – etwa in Spanien – ist Axpo bereits heute die Nummer eins unter den unabhängigen Abnehmern und Vermarktern von Windenergie. Im vergangenen Geschäftsjahr fasste der Konzern zudem Fuss in Grossbritannien und Österreich.

Axpo investiert in Wind- und Wasserkraft

Das Projekt Pumpspeicherwerk Linth-Limmern in den Glarner Alpen liegt bestens im Zeitplan: Im Herbst konnte die über einen Kilometer lange Gewichtsstaumauer des Muttsees – die längste Europas – auf 2500 m.ü.M. durchgehend geschlossen werden. Ende 2015 soll die erste von vier Maschinengruppen Strom produzieren. Der Bau kostet Axpo und den Kanton Glarus insgesamt 2.1 Mia. CHF.

Die 80 Windkraftanlagen des Offshore-Windparks Global Tech I in der deutschen Nordsee sind seit Ende August fertig installiert. Nächste Meilensteine werden die Erstellung des Netzanschlusses und die im Laufe des Jahres 2015 vorgesehene Inbetriebnahme sein. Axpo ist an dem Pionierprojekt, das ein Investitionsvolumen von rund 2 Mia. CHF umfasst, zu 24,1% beteiligt. Zusammen mit dem bestehenden Windparkportfolio wird Axpo in Zukunft gegen 700 Mio. kWh Strom aus Windenergie produzieren.
400 Mio. kWh davon fallen auf Global Tech I.

Keine spürbare Verbesserung der Marktbedingungen in Sicht

Aus heutiger Sicht ist nicht zu erwarten, dass die Grosshandelspreise für Strom in Europa in absehbarer Zeit wieder ansteigen werden. Deshalb muss sich Axpo auch in den kommenden Jahren in einem Umfeld von politischen und regulatorischen Unsicherheiten darauf konzentrieren, die Rentabilität zu
verbessern, das Kerngeschäft und die Kosteneffizienz zu optimieren, beim Investitionsmanagement klar zu priorisieren und die Weiterentwicklung neuer, rentabler Geschäftsfelder konsequent voranzutreiben. Die Rentabilität bleibt für den Konzern im Fokus.

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