05.01.2018 | Ernstfall für den Betrieb der Axpo Netze

Ausrücken wegen Burglind

Der Sturm Burglind ist gestern mit Spitzengeschwindigkeiten über die Schweiz gerast und hat teilweise grossen Schaden angerichtet. So auch im Kanton Schwyz, wo ein Leitungsabschnitt einer 50-Kilovolt-Leitung der Axpo, zwischen Siebnen und Grynau, samt zwei Masten zu Boden gerissen wurde. Wie gehen unsere Experten bei einem solchen Notfall vor?

Das neue Jahr fängt für einige Axpo Mitarbeitende turbulent an. Wie am Mittwoch auch in Baden deutlich spürbar war, fegte der Sturm Burglind über weite Teile der Schweiz und hinterliess seine Spuren. In Tuggen, am oberen Ende des Zürichsees, konnte das Dach eines Industriegebäudes den Windböen nicht standhalten und flog direkt in die 50-Kilovolt-Freileitung (Grynau-Siebnen). Die beschädigte Leitung hing nicht nur tief über einem Fussballplatz und der Hauptstrasse, sondern fiel zusätzlich auf einen Kreuzungspunkt einer 16-Kilovolt-Leitung. Dies hatte zur Folge, dass mehrere Holzstangen samt Seilen zu Boden gerissen wurden. Der Ausfall der 16-Kilovolt Leitung führte zu einem Stromausfall in der Region.

Die Folgen von Burglind sind...

...deutlich sichtbar.

Roland Ziegler, Leiter Anlagenbetrieb und sein Team wissen zum Zeitpunkt des Stromausfalles noch nicht, was die Ursache ist. „Über 50 Prozent aller Störungen sind verschwunden, wenn  die Leitung erneut zugeschaltet wird", sagt Roland dazu. Eine Wiedereinschaltung erfolgt automatisch oder wird von der Netzleitstelle in Baden vorgenommen. Bei allen Störungen ist eine enge Abstimmung zwischen der Netzleitstelle und dem Anlagenbetrieb vor Ort notwendig. Ist der Versuch einer Wiedereinschaltung erfolglos, begeben sich Mitarbeitende auf die Störungssuche. Vor Ort gilt es, sich zunächst einen Überblick über die Lage zu verschaffen. Das heisst, den Schaden abzuschätzen und das benötigte Material zur Wiederherstellung der Leitung bereitzustellen. Die Schadenslage wird direkt an die Netzleitstelle weitergeleitet und die Massnahmen gemeinsam definiert. Alle nötigen Mitarbeitenden werden im Notfall sofort aufgeboten, in diesem Fall kamen viele aus Ihren Ferien.

Leitungen erden

Ist der Unfallort inspiziert worden, setzen die Mitarbeitenden alles daran, die Umgebung erst einmal abzusichern. Dazu gehört auch die Sicherung gegen das Wiedereinschalten und das Erden der Leitungen. Damit wird verhindert, dass die Leitung nochmals zugeschaltet werden kann sowie sichergestellt, dass die Leitung auf Erdpotential ist und keine Induktionsspannungen mehr vorhanden sind. Dies erfolgt in enger Absprache und Zusammenarbeit mit der Netzleitstelle in Baden.

Induktionsspannungen sind induzierte Spannungen, die metallische Teile, wie z.B einen Türgriff, aufladen können. Bei der Berührung wird die Spannung über den Mensch entladen, was zu einen Stromstoss führt. Beim Türgriff ist das unangenehm, bei einer Hochspannungsleitung hat das entsprechend schwerwiegendere Folgen.

Nach der Sicherung des Unfallortes war es höchste Zeit für das Team, die Störung der 16-Kilovolt-Leitung zu reparieren. Wichtig ist, dass die Umschaltungen der Leitungen getätigt werden können, so dass die betroffenen Regionen schnellstmöglich wieder mit Strom versorgt sind.

«Das Schweizer Stromnetz ist so ausgelegt, dass Umschaltungen in der Regel immer möglich sind, Umschaltungen erfolgen je nach Netzebene händisch oder automatisch»
versichert uns Roland Ziegler.
Arbeit für zwei Monate

Bei der 50 Kilovolt Leitung stellte sich zusätzlich die Herausforderung, dass Leiterseile unter extremer Zugspannung standen, so dass diese nicht direkt geschnitten werden konnten. Es galt, die Leitung von dem Blechdach des Industriegebäudes zu befreien sowie die Seile von den am Boden liegenden Masten zu lösen. Dadurch konnte der Zug auf die noch stehenden Masten um ein vielfaches verringert werden.

Mitarbeitende sind dabei, die Leitung vom Blechdach zu befreien.

Bis der betroffene Leitungsabschnitt vollständig ersetzt ist, dauert es in etwa zwei Monate. Zurzeit sind die Netzleitungsmonteure dabei, ein Provisorium auszuarbeiten. Dazu wird eine parallel laufende Leitung, die zurzeit nicht in Betrieb ist, eingebunden.

Die herunterhängenden Leiterseile blockierten die Hauptstrasse. Die Seile wurden über Holzportale auf 8 Meter angehoben, um die Durchfahrtshöhe für die Strasse sicherzustellen. Das wird mit Betonklötzen und Holzstangen realisiert. Anschliessend wird am oberen Ende der Holzstangen eine Querstange befestigt, so dass die Seile darüber gelegt werden können. Die Stromzufuhr über diesen Leitungsabschnitt ist bis zur vollständigen Erneuerung der Leitung unterbrochen und wird umgeleitet.

Provisorisches Beton-Holz-Konstrukt, um die Durchfahrt auf der Hauptstrasse wieder zu gewährleisten.

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