22.07.2026 | Elektrifizierung für Wirtschaftlichkeit, Dekarbonisierung und weniger fossile Abhängigkeit
Die Diskussion um die Axpo Energy Reports hat gezeigt: Branche, Politik und Gesellschaft teilen ein übergeordnetes Ziel: die Elektrifizierung des Energiesystems, was zu Dekarbonisierung, der Reduktion unserer Abhängigkeit von fossilen Energieträgern und der Optimierung der Wirtschaftlichkeit führt. Hier liegt der grösste Hebel – nicht nur für den Klimaschutz, sondern auch für die geopolitische Resilienz unseres Landes und für die Sicherstellung von attraktiven Energiepreisen.
Die Elektrifizierung von Mobilität und Wärme wird den Strombedarf erhöhen. Ausserdem fällt mit der Stilllegung der Kernkraftwerke ein beträchtlicher Teil der Stromproduktion weg. Die Herausforderung besteht insbesondere im Winter - im Winterhalbjahr ist die inländische Stromerzeugung bereits heute geringer als die Nachfrage. Bis 2050 müssen rund 25 TWh zusätzliche Winterstromproduktion aufgebaut werden. Der Ausbau erneuerbarer Energien (bspw. von Windkraft) ist hier eine zentrale Massnahme dafür, wird aber nicht reichen und muss auf die Winterstromversorgung fokussiert werden.
Wir zeigen in 12 zentralen Punkten, dass die Herausforderung der Winterstromversorgung lösbar ist – mit einer klugen Kombination mehrerer Technologien.
Die Schweiz muss ihre Stromversorgung im Winter langfristig sichern. Macht die Schweiz weiter wie bisher, ist die Stromversorgung gefährdet – mit enormen Risiken und Kosten für Wirtschaft und Gesellschaft. Entscheidend für die Resilienz ist nicht eine einzelne Technologie, sondern der richtige Mix. Jede Technologie hat ihre Vor- und Nachteile. Die Zeit drängt, denn eine steigende Nachfrage durch Elektrifizierung, Bevölkerungswachstum und Digitalisierung (inkl. Rechenzentren) trifft auf den schrittweisen Wegfall der Kernenergie. Die Stromnachfrage könnte sogar deutlich stärker steigen als in den Modellen angenommen – etwa durch einen beschleunigten Ausbau von Rechenzentren oder eine schnellere Elektrifizierung. Grosse zusätzliche Kapazitäten von zusätzlicher Stromproduktion können zudem nicht ein wenigen Jahren realisiert werden, die Vorlaufzeiten für derartige Infrastrukturprojekte sind gerade in der Schweiz sehr lange.
Sie hat aber gleichzeitig kaum noch Ausbaupotenzial und wird durch Umweltauflagen sogar reduziert. Die wenigen bestehenden Ausbaupotenziale können im allerbesten Fall diese Reduktion kompensieren, die aktuelle Entwicklung zeigt aber in eine andere Richtung.
Ausserdem verschafft er der Schweiz wertvolle Zeit für den Ausbau anderer Technologien und er senkt die kumulierten Zubaukosten für die gesamthafte Stromproduktion bis 2050 stark (Grössenordnung 10 Milliarden Einsparungen). Im Sinne der Technologieoffenheit unterstützt Axpo auch die Aufhebung des Neubauverbots.
Die potenzielle Aufhebung des Neubauverbots ist jedoch noch kein Bauentscheid. Schliesslich ist hervorzuheben, dass auch in einem Kernenergie-Szenario der schnelle Ausbau von Winterstromquellen wie der Windenergie wichtig bleibt, da ein Neubau von Kernkraftwerken viel Zeit in Anspruch nimmt, währenddem die Stromnachfrage steigt. Zentral und offen ist die Frage der Risikoteilung. Die grössten Risiken für die Investoren sind politischer, regulatorischer und wirtschaftlicher Art. Dafür braucht es eine sinnvolle Risikoteilung. Ohne eine solche zwischen Privaten und Staat wären die finanziellen Risiken neuer Kernkraftwerke für kein Unternehmen tragbar. Wir haben die höheren politischen, regulatorischen und wirtschaftlichen Risiken über erhöhte Kapitalkosten abgebildet. Alle wesentlichen Kostenbestandteile sind in den Berechnungen der Axpo Energy Reports berücksichtigt worden, inklusive der ganzen Entsorgungs- und Rückbaukosten.
Axpo engagiert sich in der Schweiz und in Europa in der Projektentwicklung für Windenergie. Rund zwei Drittel der Windstromerzeugung entfällt auf das Winterhalbjahr – und das besonders kosteneffizient. Der Beschleunigungserlass ist in Kraft – jetzt geht es um die konsequente und rasche kantonale Umsetzung. Kantone wie Luzern, Graubünden und St. Gallen haben bereits ambitionierte Richtpläne vorgelegt. Der Ausbau der Windkraft wird die Abhängigkeit von Öl und Gas reduzieren. Ausserdem darf man nicht vergessen, dass die Akzeptanz bei PV auch einmal geringer war. Je mehr eine Technologie gebaut wird, desto eher steigt auch die (lokale) Akzeptanz. Dennoch: Die Akzeptanz, insbesondere auf lokaler Ebene, bleibt die grösste Herausforderung für den Ausbau der Windenergie.
Beide Szenarien in den Axpo Energy Reports sehen einen weiteren Ausbau der Solarenergie vor. Axpo und ihre Tochter CKW sind aktiv im Bereich der Solarenergie und begrüssen den aktuellen Zubau. Dieser muss aber intelligenter, netzdienlicher und kosteneffizienter werden. Photovoltaik leistet ihren Hauptbeitrag im Sommer – im Winter (Dezember bis Februar) produziert Solarenergie auf Dächern jedoch wenig (ca. 8% der Jahresproduktion). Gleichzeitig haben wir schon heute im Sommer massive Stromüberschüsse in ganz Europa und damit einher gehend hohe Kosten für Netzstabilisierung und negative Strompreise, was alle Investitionen, auch bspw. für Wasserkraft, negativ beeinflusst. Wichtig ist die Unterscheidung auch hinsichtlich der Kosten-Frage: Kleine Dach-PV-Anlagen sind im Vergleich zu grösseren Anlagen teurer und sind in Summe mit Abstand die teuerste Form der Stromproduktion, insbesondere im Winter, wenn alle Kosten eingerechnet werden. Am günstigsten wären grosse Freiflächen-Anlagen, die aber in der Schweiz aufgrund der Landverhältnisse kaum einen grossen Beitrag leisten werden.
Sie können innerhalb weniger Jahre gebaut werden und springen genau dann ein, wenn erneuerbare Energien die Nachfrage allein nicht decken können. Moderne Kraftwerke sind sehr effizient und die Abwärme kann in einem Dampfkreislauf zur Erhöhung der Stromerzeugung genutzt werden. Das Gesamtbild der CO₂-Bilanz der Schweiz 2050 muss in einen Kontext gesetzt werden. Der zusätzliche CO₂-Ausstoss von Gaskraftwerken wäre sehr gering. Perspektivisch kommen CCS, Biomethan oder Wasserstoff als emissionsarme Lösungen hinzu.
Heute wird der Löwenanteil der Fördermittel für kleinteilige Photovoltaik ausgegeben, welche nicht nur die höchsten Gestehungskosten, sondern auch den mit Abstand tiefsten Winterstromanteil aufweist. Fördermittel müssen technologieneutral konsequent auf Winterstrom alloziert werden.
Die Axpo Energy Reports wurden technologie- und ergebnisoffen erstellt – in Teilen gemeinsam mit der ETH Zürich, dem Paul-Scherrer-Institut und einem parteiübergreifenden Advisory Board. Die Reports wurden breit und mit Interesse aufgenommen und haben die Debatte rund um den zentralen Winterstrom angekurbelt. Einige Reaktionen basieren jedoch auf Missverständnissen. Deswegen gehen wir hier auf die häufigsten Irrtümer ein.
Eigenverbrauch reduziert die Beteiligung an Netzkosten und Netzzuschlägen, die aber dennoch von der Allgemeinheit getragen werden müssen. Da die Netzkosten im Wesentlichen fix sind, reduziert Eigenverbraucht die gesamten Netzkosten nicht, sie werden einfach auf weniger Köpfe verteilt. Die Reports machen diese reale Wirkung transparent und beziffern sie – und liefern damit einen Beitrag zur Versachlichung der Debatte um die verursachergerechte Kostenverteilung. Eine ausführliche Auseinandersetzung mit dem Thema gibt es im Fachartikel zur impliziten Förderung von unserem Head Corporate Regulatory Management, Fabian Feger.
Die in den Reports verwendeten Kostenannahmen für Solar und Batterien basieren auf zahlreichen aktuellen Daten für heute installierte Anlagen auch aus wissenschaftlichen Quellen und berücksichtigen Lernkurven.
Die Kosten neuer Kernkraftwerke sind hochgradig regulatorisch und politisch getrieben. Belastbare Zahlen zu Kosten lassen sich erst mit einer detaillierten Projektentwicklung ermitteln. Die Reports arbeiten mit begründeten Annahmen und zeigen transparent auf, wie sensitiv die Gestehungskosten beispielsweise auf eine verlängerte Bauzeit reagieren. Genau deshalb fordern wir klare Rahmenbedingungen mit staatlicher Risikoübernahme als Voraussetzung, da diese finanziellen Risiken für kein Unternehmen tragbar wären. Die Kosten eines Neubaus wurden abgeleitet aus den realen Kosten von Neubauprojekten in der westlichen Hemisphäre und im Wesentlichen nur um die Vermeidung der mittlerweile bekannten Fehler korrigiert. Bezüglich der immer wieder auftauchenden Frage nach der Versicherung von nuklearen Schäden: In der Schweiz haften die Betreiber mit ihrem gesamten Vermögen. Das ist international einzigartig. Darüber hinaus ist die Haftung, die durch ein nukleares Ereignis in oder ausserhalb der Anlage entstehen kann, durch ein etabliertes, international koordiniertes Haftungs- und Entschädigungsregime umfassend geregelt. Diese Versicherungsdeckung ist in internationalen Abkommen geregelt, die die Schweiz ratifiziert hat.
Eine solche Kritik kommt von beiden Seiten. Die einen sagen die Nachfrage sei künftig niedriger als prognostiziert, andere sagen sie werde höher ausfallen. Die heutige Nachfrage ist u.a. deshalb stabil, weil insbesondere Effizienzgewinne den Anstieg bisher kompensierten. Die bevorstehende Elektrifizierung von Mobilität und Wärme sowie das Bevölkerungswachstum werden diesen Effekt aber übersteigen – darüber besteht breiter wissenschaftlicher Konsens.
Die Axpo Energy Reports betonen ausdrücklich: Stromimporte bleiben in allen Szenarien wichtig für die Versorgungssicherheit. Die Szenarien setzen auf primär inländische Erzeugung, abgesichert durch enge Zusammenarbeit mit den Nachbarländern – dazu ist eine geregelte Beziehung mit den Nachbarstaatennotwendig. Hohe Importabhängigkeit allein ist aber kein verlässlicher Pfeiler für die Winterversorgung.
Die Axpo Energy Reports sind ein Debattenbeitrag. Sie zeigen faktenbasiert auf, dass die Herausforderung der Winterstromversorgung lösbar ist, wenn wir die Stärken verschiedener Technologien klug kombinieren. Vier No-regret Moves stehen fest:
Langzeitbetrieb bestehender Kernkraftwerke sichern
Förderregime strukturell auf Winterstrom ausrichten
Ausbau der Windkraft beschleunigen – kantonale Umsetzung des Beschleunigungserlasses vorantreiben
Geeignete Rahmenbedingungen für marktaktive Gaskraftwerke schaffen.