"Eine komplexe Aufgabe"

"Eine komplexe Aufgabe"

In einem Zwischenbericht hat Axpo die Öffentlichkeit über die Arbeiten beim Reaktordruckbehälter des Kernkraftwerks Beznau 1 informiert. Wie ist der Stand der Dinge? Wir fragen nach bei Mike Dost, dem Leiter des KKB.

Warum die erneute Terminverschiebung, Mike Dost?

Die Komplexität der Arbeiten und ihre gegenseitigen Abhängigkeiten haben dazu geführt, dass das Erbringen des Integritätsnachweises mehr Zeit in Anspruch nimmt als ursprünglich geplant. Zeitlich und juristisch besonders herausfordernd gestaltet sich die Beschaffung von vergleichbaren Materialproben mit ähnlicher Einschlussdichte.

Bedeutet die Verzögerung, dass die Situation im KKB1 viel schlimmer ist als bisher kommuniziert wurde?

Nein. Axpo ist um die grösstmögliche Transparenz bemüht. Wir informieren die Öffentlichkeit immer sobald belastbare Aussagen gemacht werden können. Die neue Terminlage ist rein sachlich bedingt.

Können Sie bezüglich der verzögernden Wirkung der Materialproben etwas konkreter werden?

Die Verzögerungen sind darauf zurückzuführen, dass nicht nur die Beschaffung, sondern auch die Eignungsüberprüfung der zusätzlichen Teststücke mit grossem Aufwand verbunden ist. Zudem sind die Prüf- und Auswertungsprozesse äusserst komplex und erfordern teilweise mehrere Monate Arbeit. Axpo ist bei diesen Untersuchungen auch von der Verfügbarkeit spezialisierter Unternehmen abhängig. Mit Partnern und Lieferanten sind zudem eine Vielzahl von juristischen und kommerziellen Fragen im Zusammenhang mit den Eigentums- und Nutzungsrechten dieser Teststücke zu klären.

Haben sie bereits Teststücke finden können?

Ja. Wir haben bereits verschiedene Testkörper gefunden und auch analysiert, weitere werden folgen. Wir untersuchen gegenwärtig auch die Voreilproben, welche aus Originalschmiedestücken des Reaktordruckbehälters hergestellt und im Bereich mit der grössten Neutronenbestrahlung eingesetzt wurden.

Was versprechen Sie sich von den zusätzlichen Materialproben?

Mit den Materialuntersuchungen an Testkörpern wollen wir die bereits vorliegenden Erkenntnisse zusätzlich validieren.

Ist Axpo nach wie vor der Meinung, dass es sich um Einschlüsse handelt und nicht um die gefürchteten Wasserstoffflocken?

Gegen Wasserstoffflocken sprechen die Lage und die Verteilung sowie die Grösse der gefundenen Unregelmässigkeiten. Auch die chemische Zusammensetzung des Stahls spricht dagegen. Die vertieften Untersuchungen bestätigen die ersten Einschätzungen: Bei den Anzeigen handelt es sich um nicht-metallische Einschlüsse im Grundmaterial, die beim Herstellungsprozess entstanden und somit nicht betriebsinduziert sind.

Was braucht es für den Sicherheitsnachweis noch?

Den Sicherheitsnachweis werden wir erbracht haben, wenn alle Prüfungen durchgeführt und alle Analysen mit einem für uns positiven Ergebnis abgeschlossen sind. Dafür sind die Auswirkungen der detektierten Unregelmässigkeiten auf den RDB zu klären. Wir werden dem Einflusses der Unregelmässigkeiten auf die Eigenschaften des Werkstoffes nachgehen, die Bruchzähigkeitsnachweise erbringen und die Frage der noch vorhandenen Sicherheitsreserven klären müssen. Auf dieser Grundlage kann dann der Integritätsnachweis, der sogenannte „Safety case“ erbracht werden. 

Ist die Anlage noch rentabel?

Wie hoch sind die Kosten des Stillstands?
Die erneute Verschiebung des Wiederanfahrtermins ist mit höheren Kosten verbunden. Je nach Unwägbarkeiten, die im laufenden Prozess noch zu bewältigen sind, dürften die Kosten für die Untersuchungen und den Ausfall der Stromerlöse seit August 2015 für Axpo insgesamt rund 200 Mio. CHF ausmachen.

Wie hoch sind die Kosten des Stillstands?

Die erneute Verschiebung des Wiederanfahrtermins ist mit höheren Kosten verbunden. Je nach Unwägbarkeiten, die im laufenden Prozess noch zu bewältigen sind, dürften die Kosten für die Untersuchungen und den Ausfall der Stromerlöse seit August 2015 für Axpo insgesamt rund 200 Mio. CHF ausmachen. 

Wann ist die Schmerzgrenze erreicht?

Das ist eine komplexe Frage. Im Vergleich zu den Kosten, die bei einer ungeplanten oder nur teilweise geplanten Stilllegung anfallen würden, sind die Kosten der gegenwärtigen, zusätzlichen Verzögerungen verkraftbar. Natürlich gibt es eine Schmerzgrenze - wir tun alles, um diese nicht zu erreichen.