25.05.2018 | Ab in die Natur des Hochrheins - und zu elf Wasserkraftwerken

Strom vom Strom

Der Hochrhein zwischen Schaffhausen und Birsfelden (BL) wird intensiv zur Produktion von Strom aus Wasserkraft genutzt. Gleich elf Kraftwerke mit einer installierten Leistung von 830 MW  produzieren im Schnitt rund 5 TWh Strom. Doch nicht nur die Kraftwerke lohnen einen Ausflug in die Region, auch die Natur wartet mit Highlights auf.

Es sind rund 126 Kilometer zwischen Schaffhausen und Basel, wo der Rhein meist an der Grenze zwischen der Schweiz und Deutschland fliesst. Mit einem Gefälle von insgesamt 145 Metern vom Bodensee bis Basel bietet sich der Strom als optimale Energiequelle geradezu an. Kein Wunder stehen auf dieser Strecke denn auch insgesamt elf Grenzkraftwerke. Sie liefern bei einer installierten Leistung von 830 MW - das sind 100 MW mehr als beim Kernkraftwerk Beznau - rund 5 TWh Strom pro Jahr. Platz für zusätzliche Wasserkraftwerke ist auf dieser Strecke aber keiner mehr vorhanden. Und Leistungssteigerungen, zum Beispiel durch den Ersatz von Turbinen, sind nur noch bei wenigen Kraftwerken möglich.

KW Schaffhausen: 1967 gebaut, ist es das höchstgelegene Wasserkraftwerk am Hochrhein. Es ist gleichzeitig auch das Kleinste und produziert im Jahresdurchschnitt 165 GWh Strom

KW Rheinau: ist ein Partnerwerk der Axpo Power AG 50%, EnAlpin AG 42% und der EnBW Energie Baden-Würtenberg AG 8%. Das Werk wurde 1952 bis 1957 erbaut und liefert heute im Schnitt 237 GWh Strom

KW Eglisau-Glattfelden: Das Axpo Wasserkraftwerk gilt unter allen Hochrhein-Kraftwerken als das Schönste. Kein Wunder ist es deshalb denkmalgeschützt. Es wurde kürzlich mit modernster Technik und Fischaufstiegsanlagen ausgerüstet. Die durchschnittliche Jahresproduktion liegt bei 318 GWh Strom

KW Reckingen: An diesem Werk sind EnBw (5%), AEW (30%) und Axpo (20%) beteiligt. Es wurde 1938 bis 1941 erbaut und 1956 erweitert. Es liefert 550 GWh Strom pro Jahr

KW Albbruck-Doggern: 1929 bis 1933 erstellt, liefert das Wassekraftwerk im Jahresmittel 650 GWh Strom, damit können rund 180'000 Haushalte mit CO2-freiem Strom beliefert werden

KW Laufenburg: 1909 bis 1914 erbaut und zweimal modernisiert (letztmals 1988 bis 1994), liefert das KW 700 GWh Strom

KW Säckingen: An diesem Kraftwerk hält Axpo einen Anteil von 25 %. Baubeginn 1961, Betriebsbeginb 1966. Es liefert durchschnittlich 450 GWh Strom im Jahr

KW Ryburg-Schwörstadt: Axpo ist daran mit 13,5 % beteiligt. Es ist das stärkste Kraftwerk der elf und liefert bei einer installierten Leistung von 120 MW 760 GWh Strom im Jahresdurchschnitt

KW Rheinfelden: Es ist das Neuste und liefert seit 2010 Strom (Jahresproduktion 600 GWh) und eines der modernsten in Europa, seine Geschichte geht aber bis 1898 zurück

KW Augst-Whylen: Von 1908 bis 1912 erbaut und zwischen 1990 und 1994 erneuert, produziert es jährlich im Schnitt 200 GWh Strom.

Kraftwerk Birsfelden: 1951 begann der Bau, 1954 wurde es in Betrieb genommen - es liefert heute im Jahresmittel 560 GWh Strom

Doch nicht nur die Kraftwerke an der Strecke sind spannend – auch die Natur hat am Hochrhein viel zu bieten. Der gemächlich fliessende Strom wurde durch naturnahe Massnahmen, etwa den Bau von Fischtreppen und wie beim Axpo Kraftwerk Eglisau-Glattfelden sogar durch einen Fischlift oder mit Hilfe von Kiesbänken aufgewertet.

Entsprechend viel kann man unternehmen. Spass ist dabei immer garantiert. Das sind unsere 7 besten Tipps für tolle Ausflüge:

Fern wandern

Es sind so knapp an die 130 Kilometer entlang dem Rhein. Das ist natürlich zu viel für einen Tag oder ein Wochenende. Aber so eine Fernwanderung zwischen Schaffhausen und Basel ist schon ganz reizvoll – denn der Pfad führt nicht nur am Fluss entlang, sondern auch durch viel Wald und unter hohen Bäumen durch. Das erlaubt dem Wanderer viel Stille und eine intensive Begegnung mit der Natur.

Der Weg kann natürlich beliebig in Etappen unterteilt werden und tageweise begangen werden. Gut auch: hüben (CH) und drüben (D) gibt es scharenweise gemütliche Beizen für durstige Wanderer.

Rhein fallen

Wer die ungebändigte Kraft des Rheins sehen möchte, für den gilt: Nichts wie los an den Rheinfall, wo der Fluss tosend und ungebremst 23 Meter in die Tiefe stürzt und dabei im Sommer pro Sekunde rund 600‘000 Liter Wasser vorwärtsschiebt. Mehr Details dazu hier. Wer beim Fall die Nähe sucht wird an vielen Stellen ganz schön nass geduscht. Und Wasserscheue können ja einfach den vielen Touristinnen und Touristen aus aller Welt nachgucken…

Runter schwimmen

Die Kraft des Rhein kann man natürlich noch direkter erleben, bei einem Bad. Also Badehose einpacken und nichts wie los. Besonders schön: Vom Flussbad Dachsen das Ausflugsboot besteigen und bis zum Rheinfall fahren. Und von dort flussabwärts schwimmend wieder zurück ins Flussbad. Das dauert rund 20 Minuten – ist also nichts für Gfrüürli und schlechte Schwimmer. Und auch den guten wird empfohlen, zur Sicherheit eine Schwimmhilfe mitzunehmen.

Flach fahren

Alles fliesst abwärts. So auch die Glatt. Wer die Strecke von Zürich hinunter zum Rhein und dem schönsten Wasserkraftwerk am Hochrhein, nämlich dem von Axpo bei Eglisau-Glattfelden, mit dem Velo befährt, merkt zwar wenig von abwärts – die Fahrt ist eher flach. Aber dabei sehr abwechslungsreich, führt über 29 Kilometer (8 davon auf Natur- und Kiesbelag) vorbei am Flughafen Zürich Kloten mit startenden und landenden Flugzeugen, an Schrebergärten, geht über alte Holz- und neue Betonbrücken, führt vorbei an und zahlreichen Boxenstopps (Essen/Trinken). Die Gümmeler fahren natürlich wieder mit dem Velo zurück. Alle anderen setzen über das Wehr des Kraftwerks rüber nach Deutschland und fahren durch schattige Wälder gen Eglisau, von wo die S-Bahn sie dann wieder nach Hause fährt.

Schiffli höckle

Wer es eher gemütlich mag, dem sei eine Schiffahrt am Hochrhein empfohlen. Am idyllischsten ist es wohl zwischen Eglisau und Teufen Tössegg, wo nicht nur Romantiker auf ihre Rechnung kommen, sondern auch toll geschlemmt werden kann. Also nichts wie los in eines der schönsten Naturschutzgebiete am Rhein.

Runde drehen

Der Rheinfelder Rheinufer-Rundweg ist ein echtes Bijou. Der 6 Kilometer lange Pfad schlängelt sich von der alten Rheinbrücke bei Rheinfelden bis zum neuen Kraftwerk. Zu Fuss in rund 80 Minuten gut machbar, ist man auf dem Rad natürlich etwas schneller. Aber man kann, das ist das gute an Rundkursen, ja gleich mehrere Runden drehen. Oder auf der deutschen Uferseite etwas länger auf dem Natur-Energie-Weg verweilen. Hier erleben Sie eindrücklich, wie Natur und Technik miteinander verknüpft werden. Und im Ausstellungspavillon 1898 erfahren Sie, wie das alte Rheinfelder Wasserkraftwerk gebaut wurde und welchen Einfluss seine Entstehung auf die Region hatte.

Vögel beobachten

Unser letzter Tipp führt nach Augst. Dort gibt es in Augusta Raurica nicht nur „alte Römer“ zu besichtigen, sondern auch das Naturschutzgebiet Altrhein Whylen/Ergolzmündung. Ein beim Kraftwerksbau zwischen 1908 und 1912 von Menschenhand geschaffenes Biotop, das heute auf 26 Hektaren zahlreichen Tier- und Pflanzenarten als Lebensraum dient. Im flachen Wasser leben zahlreiche seltene Watvögel und unzählige Singvögel. Zudem dient der Altrhein als Zwischenstopp für Zugvögel auf dem Weg von Nord nach Süd. Entsprechend lang ist die Liste der seltenen Vogelarten: Purpurreiher, Rotfussfalke, Stelzenlaufer, Turteltaube, Blaukehlchen… ein wahres Paradies für Naturschützer und Vogelkundler.

Mehr Tipps fürs Wandern am Hochrhein findet man hier (inklusive pdf-Wanderführer).

Und: Falls Sie eher zum «Couch Potatoe» neigen, dann können Sie mindestens virtuell mal an den Hochrhein ausfliegen: Hier geht es zum KW Säckingen, hier zum KW Laufenburg. Spannende Einsichten in die Wasserkraft inklusive.

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