10.02.2022 | Neue Blindleistungskompensationsanlagen in Winkeln und Fällanden

Mit Drosseln die Spannungen im Netz steuern

Die Spannung muss im Stromnetz stets stabil gehalten werden. Dies ist eine wichtige Aufgabe der Netzbetreiber. Nun hat Axpo neue Blindleistungskompensationsanlagen installiert. So kann der Netzbetrieb auch in der Nacht und am Wochenende, wenn weniger Strom in den Leitungen fliesst, eine dadurch verursachte hohe Spannung kompensieren.

In Stromnetzen ist die elektrische Spannung ein wesentliches Merkmal. Es ist Aufgabe der Netzbetreiber, die Netzspannung in definierten Grenzen möglichst konstant zu halten. Dies ist sowohl für die Übertragungsnetze auf der Höchstspannungsebene als auch für die Verteilungsnetze auf der Mittelspannungs- und Niederspannungsebene relevant. Spannungsschwankungen können drastische Folgen haben. Überspannungen können Anlagen und Geräte beschädigen, während bei zu tiefen Spannungen ein Spannungskollaps und damit ein Blackout droht. Die Spannungshaltung ist deshalb wichtig für die Stromversorgung.

Netzspannung steigt bei geringem Stromverbrauch

Wenn in der Nacht oder am Wochenende weniger Strom verbraucht wird und somit ein geringer Stromfluss im Netz vorhanden ist, steigt die Netzspannung an. Dies bedeutet, dass das Verteilnetz in Schwachlastzeiten viel Blindleistung produziert und die Spannung dadurch erhöht wird.  Weitere Treiber für hohe Spannungen sind der vermehrte Einsatz von erdverlegten Kabeln. Durch den Umbau des Axpo Hochspannungsnetzes von 50 auf 110kV ist für die Übertragung der gleichen Leistung ein kleinerer Strom erforderlich. Dieser geringere Stromfluss führt wiederum zu einer weiteren Verschärfung der erhöhten Spannungen.

Netzbetreiber verfügen über verschiedene Möglichkeiten, die Spannung stabil zu halten und bei Spannungsabweichungen einzugreifen. Abhilfe von hoher Spannung schaffen die Axpo Netzbetreiber unter anderem durch die Regelung von Blindleistung. Die Blindleistung kann zum Beispiel durch Generatoren (Kraftwerke) im Verteilnetz geregelt werden.

Neue Kompensationsanlagen in den Unterwerken Winkeln und Fällanden

Wo dies nicht möglich ist, musste Axpo bisher die Blindleistung in das Übertragungsnetz abgeben. Dies erhöht einerseits ebenfalls die Spannung im Übertragungsnetz und hat andererseits hohe Blindleistungskosten für Axpo zur Folge, da die nationale Netzbetreiberin Swissgrid die Kraftwerke am Übertragungsnetz für die Blindleistungskompensation bezahlen muss. Damit Axpo diese Blindleistung zukünftig selbst kompensieren sprich reduzieren kann, haben die Axpo Netzbetreiber zum ersten Mal je eine Kompensationsdrossel in den Unterwerken Winkeln und Fällanden eingebaut.

Die 130 Tonnen schweren Drosseln wurden mit Schwertransportern angeliefert und an das Hochspannungsnetz der Axpo angeschlossen. Seit Anfang Februar 2022 sind beide in Betrieb und werden von der Energie- und Netzleitstelle in Baden gesteuert und überwacht.

Blindleistungskompensationsanlagen sind also eine gute Sache. Sie reduzieren den Blindstrom im Stromnetz, halten die Spannung stabil, reduzieren Kosten und erhöhen die Qualität der Stromversorgung.

Lesen Sie auch

Alle anzeigen

Erneuerbare Energien

Aus Kürbis wird Energie

Vergärungsanlage Jona nutzt Kürbis-Power aus Kürbissen

Mehr erfahren

Energiemarkt

Warum Erdgas den Strompreis in die Höhe treibt

Merit Order: Vortritt den günstigsten Kraftwerken

Mehr erfahren

Energiemarkt

Die Unbezahlbarkeit der Autarkie

Szenarien zur Klimaneutralität und Versorgungssicherheit der Schweiz

Mehr erfahren

Erneuerbare Energien

Solarstrom für mehr als 300000 Schweizer Haushalte

Axpo geht in die Solaroffensive: Winterstrom von den Alpen und der Autobahn

Mehr erfahren