Wie sich die Akzeptanz von Solar- und Windkraft erhöhen lässt

05.11.2020 | Wie sich die Akzeptanz von Solar- und Windkraft erhöhen lässt

Bürger an der Energiewende beteiligen

Frankreich hat in den vergangenen Jahren einen massiven Ausbau erneuerbarer Energien erlebt. Von grosser Bedeutend ist dabei die Bürgerakzeptanz. Nur mit Zustimmung aus der Bevölkerung kann der Ausbau von Wind- und Solarenergie weitergehen. Wenn sich Bürger an Solaranlagen beteiligen und so eine Rendite auf ihre Investitionen sichern können, entsteht eine Win-Win-Situation – ein Modell mit Zukunft.

Seit geraumer Zeit drückt Frankreich beim Ausbau erneuerbarer Energien aufs Gas. 2030 will das Land 40% des Eigenbedarfs durch erneuerbare Energien decken – ein ambitioniertes Ziel, das nur Erfolg haben kann, wenn alle Beteiligten mitspielen. Crowdfunding ist eine Möglichkeit, die Akzeptanz von Solaranlagen und Windparks innerhalb der Bevölkerung zu sichern.

Die französische PV-Entwicklerin Urbasolar, eine Tochtergesellschaft von Axpo, liefert massgeschneiderte Finanzierungspläne und ermöglicht es lokalen Akteuren dadurch, selbst wirtschaftlich zu profitieren von Solarenergieprojekten und die Energiewende mitzugestalten. So kann die Bevölkerung vor Ort durch Crowdfunding-Kampagnen direkt in erneuerbare Energieträger investieren. Diese Art der Finanzierung bringt Vorteile für beide Seiten: Der Bauträger kann die Erträge in andere erneuerbare Energieprojekte reinvestieren und die Bürger erhalten eine Jahresrendite für ihre Beteiligung.

10 Millionen Euro für die Finanzierung erneuerbarer Energieprojekte

Dieses Modell hat sich für die Axpo Tochter Urbasolar als äusserst erfolgreich erwiesen: Das Unternehmen konnte im Jahr 2019 in Frankreich 10 Millionen Euro durch über 25 Bürgerfinanzierungen aufbringen und hat ihr Jahresziel damit um 20% übertroffen. Diese Mittel sind ein Beitrag zur Finanzierung verschiedener Photovoltaiklösungen wie Freiflächenanlagen, Parkplatzüberdachungen oder Solaranlagen auf Gebäuden und Gewächshäusern.

Zahlreiche Projekte wurden bislang in dieser Weise erfolgreich mithilfe von Bürgerbeteiligung oder Crowdfunding finanziert. Zum Beispiel in der Stadt Toulouse, wo Urbasolar einen freistehenden Solarpark auf dem ehemaligen Gelände einer Fabrik errichtet hat, die im Jahr 2001 durch eine Explosion zerstört worden war. Ein weiteres ist die erste schwimmende Solaranlage auf dem See einer ehemaligen Kiesgrube in Peyssies, Toulouse. Letzteres verfügt über eine installierte Leistung von 5 MWp und erzeugt rund 6 Gwh Elektrizität pro Jahr.

Crowdfunding fördert die Akzeptanz

Crowdfunding bedeutet für die Bevölkerung vor Ort, dass sie in Projekte – wie nachhaltige Solarenergieanlagen – investieren kann und eine Rendite erhält in Form von Zinsen auf ihre Einlagen. Solche Kampagnen setzt Urbasolar dabei so lokal wie möglich um und wendet sich damit vor allem an Anwohner in der Nähe von Photovoltaikanlagen und an Angestellte, die dort arbeiten. Ziel ist es, das Miteigentum der jeweiligen Bevölkerung vor Ort an den verschiedenen Projekten zu fördern. 

Auch für die Schweiz geeignet?

In der Schweiz hat Axpo einen ähnlichen Versuch gestartet. Kürzlich wurde ein Beteiligungsprogramm ins Leben gerufen, bei dem Axpo Mitarbeitende in eine Solaranlage investieren konnten, die auf dem Dach eines Bürogebäudes auf dem Campus Baden errichtet wurde. Axpo Angestellte erhalten dabei einen jährlichen Zinsertrag und können sich an der Umstellung auf saubere Energie beteiligen. Die Mitarbeiteranteile wurden fünffach überzeichnet, ein enormer Erfolg. Diese Aktion beweist, dass derartige Projekte auch in der Schweiz eine vielversprechende Zukunft haben können. 

Die französische Ausschreibungs-Initiative: ein ambitioniertes Vorhaben mit Potential

1996 führte die französische Regierung die ersten Auktionen bzw. Ausschreibungsverfahren für Strom aus erneuerbaren Energien ein. Ziel war es, Investitionen in erneuerbare Energien zu fördern. Wenig später, im Jahr 2000, arbeitete die französische Energieaufsichtsbehörde (CRE) dann besondere Ausschreibungsverfahren zur Förderung erneuerbarer Energien aus. Das hochambitionierte Solarenergie-Ziel der französischen Regierung ist Teil dieser Initiative: Die bestehenden Photovoltaik-Kapazitäten sollen bis 2023 verdoppelt und bis 2030 verfünffacht werden. Die Ausschreibungen sehen die Möglichkeit einer Bürgerbeteiligung durch gemeinschaftliche Mittelbeschaffungskampagnen vor. So werden die Bürger einbezogen und für eine nachhaltige Energieerzeugung motiviert. Andere europäische Länder wie das Vereinigte Königreich und Irland haben ähnliche Ausschreibungsverfahren in den Jahren 1990 und 1993 eingeführt.

Ausschreibungen für erneuerbare Energien haben in Frankreich in der Praxis gezeigt, dass sie äusserst effektiv sind, denn sie haben zu einem signifikanten Boom erneuerbarer Energien geführt. In der Schweiz gibt es hingegen keinen derart umfassenden Rahmen für Ausschreibungen zur Förderung der Investitionen in erneuerbare Energien – zumindest noch nicht. 

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