05.08.2021 | Wasserstoffprojekte – In Australien, Oman, Spanien und Deutschland geht es vorwärts

Mit der ganz grossen Kelle anrichten

Grüner Wasserstoff, welcher mit Strom aus erneuerbaren Energie hergestellt wird, gilt als Schlüsseltechnologie für die weltweite Energiewende und die Dekarbonisierung der Industrie. Axpo will in diesem Thema Know-how aufbauen und zukunftsweisende Projekte realisieren. Das planen auch viele andere Unternehmen auf der ganzen Welt. Einige davon wollen dabei mit der ganz grossen Kelle anrichten. Ein paar Beispiele.

Im Rahmen ihrer strategischen Neuausrichtung hat Axpo erste Weichenstellungen vorgenommen worden. Das Unternehmen wird sich künftig auf drei Pfeiler fokussieren: In der Schweiz auf ihre führende Rolle beim Übergang in eine CO2-freie Energiezukunft und international auf das Kunden- und Handelsgeschäft sowie den Ausbau der Erneuerbaren. Neben Wasserkraft, Wind- und Solarenergie werden künftig auch Batteriespeicher und der Energieträger Wasserstoff eine zunehmend bedeutendere Rolle spielen. Erste Wasserstoffprojekte, etwa beim Wasserkraftwerk Eglisau-Rheinfelden, wurden bereits gestartet. Auch auf internationaler Ebene wird Axpo aktiv und hat zu diesem Zweck in Italien eine innovationsfördernde H2-Partnerschaft mit ABB geschlossen.

Grünen Wasserstoff gibt es derzeit weltweit erst homöopathischen Dosen zu hohen Preisen. Politik und Wirtschaft sind sich einig, dass sich das rasch ändern muss. Deshalb wollen sich viele internationale Unternehmen aktiv im Bereich Wasserstoff engagieren. Nachfolgend exemplarisch ein paar Beispiele:

  • Der Unternehmer Andrew Forrest – er ist mit seinem Unternehmen Fortescue Metals Group reich geworden und gilt mit einem Vermögen von 27 Mrd. US Dollar als zweitreichster Australier - will rasch in die Produktion von grünem H2 in grossindustriellem Massstab einsteigen. Das berichtet das deutsche «Handelsblatt». Konkret will er mehrere zehntausend Quadratkilometer ihm gehörendes Land in Australien für die Strom- und Wasserstoffproduktion nutzen. Bis 2030 sollen dort Windparks und Solaranlagen mit einer Leistung von 150 Gigawatt installiert werden. Der Projektstart ist für 2023 vorgesehen, Ziel ist es bis 2030 jährlich über 15 Mio. Tonnen grünen Wasserstoff zu produzieren. Zum Vergleich: In Deutschland sind derzeit Wind- und PV-Anlagen mit einer Leistung von 109 Gigawatt am Netz. Ziel der deutschen Wasserstoffstrategie ist es, bis 2030 in Deutschland mit einer Elektrolyseleistung von 5 Gigawatt 0,5 Mio. Tonnen grünen Wasserstoff zu produzieren. Der Bedarf zum Umbau der deutschen Stahl- und Chemieindustrie ist aber deutlich höher. Forrest plant deshalb seinen Wasserstoff in Form von Methanol oder Ammoniak per Schiff nach Rotterdam zu bringen, es dort wieder in Gas umzuwandeln und gewinnbringend in Europa zu vermarkten.
  • Mit einer grossen, wenn auch nicht ganz so grossen Kelle möchte Oman anrichten. Das Golf-Sultanat plant nach eigenen Angaben den Bau einer der weltweit grössten grünen Wasserstofffabriken. Die Energie für die Herstellung des Wasserstoffs solle aus Solar- und Windkraft gewonnen werden, teilte das staatliche omanische Energieunternehmen OQ anfangs Juni mit. Demnach soll das Projekt über eine Kapazität von 25 Gigawatt verfügen. Das Sultanat im Südosten der Arabischen Halbinsel ist stark von der Öl- und Gasproduktion abhängig. Unter dem neuen Sultan Haitham bin Tarik Al Said will das Land seine Wirtschaft jedoch im Rahmen der so genannten Vision 2040 breiter aufstellen.
  • Auch in Europa gibt es Pläne für die Herstellung von grösseren Mengen H2. Initiator ist Thierry Lepercq, ehemaliger Manager beim französischen Energiekonzern Engie und ist seit vielen Jahren in der Solarbranche aktiv. Im Rahmen des Projekts «HyDeal» an dem 30 europäische Energieakteure beteiligt sind, sollen bis bis 2030 Elektrolysekapazitäten von 67 Gigawatt und Solarkapazitäten von 95 Gigawatt aufgebaut werden. Die Herstellung des grünen Wasserstoffs soll 2022 in Spanien beginnen. Energiewirtschaft, Industrie und der Mobilitätssektor sollen über das bestehende Gastransport- und Speichernetz beliefert werden. Ziel sei es, schreibt der am Projekt beteiligte, deutsche Fernleitungsnetzbetreiber OGE auf seiner Webseite, den grünen Wasserstoff bis 2030 zu einem Preis von 1.50 Euro pro Kilogramm anzubieten. Bei diesem Preis könnte grüner Wasserstoff mit grauem Wasserstoff, der auf der Basis fossiler Energieträger wie Erdgas hergestellt wird, konkurrieren. Das erscheint aus heutiger Sicht illusorisch. Allerdings, so unteilt die «Welt», sind die Standortbedingungen für Solaranlagen in Spanien sehr günstig. Zugleich dürften die Kosten für die Solarpanels und jene für industriell in Serie gefertigte Elektrolyseure in Zukunft weiter fallen (siehe Box unten).
  • Der deutsche Chemiekonzern BASF und der deutsche Energieerzeuger RWE wollen gemeinsam einen Windpark mit einer Kapazität von 2 Gigawatt in der Nordsee bauen. Die Anlage wäre einer der grössten Offshore-Windparks der Welt. Sie soll ab 2030 den Chemiestandort Ludwigshafen mit grünem Strom versorgen, wie die Unternehmen Ende Mai mitteilten. Ausserdem soll ein Fünftel des Stroms zur Herstellung von CO2-freiem Wasserstoff dienen. Die Kosten für den Windpark und die Elektrolyseanlage bezifferten die Unternehmen auf mehr als 4 Mrd. Euro. Der Windpark solle ein "Leuchtturmprojekt" für die Zukunftsfähigkeit des Industriestandortes Deutschland sein und zeigen, wie industrielle Produktion nachhaltig und zukunftsfähig werden könne, sagt dazu BASF-Chef Martin Brudermüller. 
Viel Geld vom Staat

Mit ihrer Wasserstoffstrategie will die Europäische Kommission die EU zur Vorreiterin beim Einsatz von Wasserstoff als Energieträger machen. Mehr dazu hier. Auch Deutschland fördert im Rahmen ihrer Wasserstoffstrategie die Nutzung von Wasserstoff auf breiter Ebene und mit Fördermitteln in Höhe von 7 Mrd. Euro. So werden beispielsweise insgesamt 700 Mio. Euro allein für drei grosse Forschungsprojekte zur seriellen Produktion von Elektrolyseuren in Deutschland eingesetzt werden. Zudem werden die günstigsten Möglichkeiten des weltweiten Transports erforscht - und die Technik, wie man auf hoher See mithilfe von Windstrom an Ort und Stelle Wasserstoff erzeugen kann. Deutschland möchte sich so ein Stück vom Wachstumsmarkt Wasserstoff sichern, der gemäss einer EU-Studie bis 2050 einen Umsatz von mehr als 800 Mrd. Euro generieren könnte, wie das «Handelsblatt» berichtet. An den Projekten sind Konsortien aus Grossunternehmen wie etwa Siemens, Thyssen-Krupp, RWE oder Shell beteiligt.

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