02.05.2019 | Seit 2006 entwickelt Urbasolar Photovoltaik-Anlagen

Das Geschäft mit der Sonne

Das französische Unternehmen Urbasolar plant, erstellt und betreibt Photovoltaik-Anlagen. Nun hat Axpo die Firma zu 100 Prozent übernommen und steigt neu ins profitable Wachstumsgeschäft mit der Solarenergie ein. Das Unternehmen beschäftigt 160 Mitarbeitende und kennt sich aus im Geschäft mit der Sonne.

Urbasolar gehört zu den bedeutendsten Unternehmen der Solarenergiebranche in Frankreich. Der PV-Entwickler wurde 2006 von Arnaud Mine (heute Präsident des Verwaltungsrats) und Stéphanie Andrieu (heute CEO) gegründet. Er hat bis heute 457 PV-Anlagen mit einer Leistung von 350 MW entwickelt und gebaut und verfügt über eine Entwicklungspipeline von mehr als 1000 MW. Der Hauptsitz des Unternehmens, das aktuell 160 Mitarbeitende beschäftigt, ist in Montpellier im Süden Frankreichs. Weitere Standorte der Firma befinden sich in Toulouse, Aix, Nantes, Bordeaux, Vichy, Paris und auf La Réunion.

Das Führungsteam von Urbasolar mit Arnaud Mine und Stéphanie Andrieu (3. Reihe von oben)
PV als Wachstumsmarkt

Technologische Fortschritte, sinkende Systemkosten sowie staatliche Fördermassnahmen haben in den letzten Jahren weltweit und in Europa zu einem starken Wachstum der installierten PV-Kapazitäten geführt. Die Konkurrenz- und Marktfähigkeit der Photovoltaik wird im Vergleich zu anderen Arten der Stromproduktion zunehmen und Experten gehen auch künftig von einem unvermindert starken weltweiten Wachstum von PV aus.

Der PV-Markt gliedert sich grob in drei Teilbereiche. Es sind dies Kleinstanlagen («Residential»), grosse Dachanlagen («Comercial & Industrial») sowie Freiflächenanlagen («Utility-scale»).

Wo ist Urbasolar aktiv

Urbasolar plant, erstellt und betreibt PV-Anlagen. Der grösste Teil des Geschäfts wird in Frankreich realisiert. Es werden aber auch einzelne PV-Projekte ausserhalb von Frankreich entwickelt oder gebaut, vor allem in französischen Überseegebieten. Urbasolar deckt folgende vier Geschäftsbereiche ab:

  • Freiflächenanlagen: Das Unternehmen ist ein Pionier in diesem Segment und hat zahlreiche Anlagen gebaut, die technologische Vorzeigeprojekte sind. Anlagen werden auch in alten Steinbrüchen, auf Gebieten mit Altlasten oder ehemaligen Abfalldeponien oder sogar auf einer alten Autorennstrecke erstellt.

  • Anlagen auf Parkplätzen: Diese Anlagen werden nicht nur zur Stromerzeugung genutzt, sondern dienen gleichzeitig als Parkbeschattungen. Urbasolar ist dank umfangreichem Know-how als Generalunternehmer einer der anerkannten Marktführer in diesem Bereich.

  • Anlagen auf Dächern: Mehr als 2 Mio. Quadrameter Dachfläche auf Industrie-, Gewerbe- und andere Bauten wurden von Urbasolar bislang in PV-Anlagen umfunktioniert.

  • Anlagen auf Gewächshäusern: Mit Dutzenden von Hektar gebauten oder in Entwicklung befindlichen Gewächshäusern hat sich Urbasolar als Benchmark in der Branche etabliert. Mit der Entwicklung innovativer und effizienter Instrumente für die Landwirtschaft setzt sich die Gruppe für die Umsetzung von Lösungen zur Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit der Betriebe unter Berücksichtigung des landwirtschaftlichen Projekts und der Umwelt ein.

Nebst Entwicklung und Bau umfasst das Geschäft von Urbasolar auch Servicedienstleistungen (Wartungs- und Instandhaltsungsarbeiten) sowie Asset Management Services, dies vor allem für die Käufer ihrer PV-Anlagen. Zu den Kunden gehören Unternehmen der öffentlichen Hand (Post) aus Industrie (Airbus), der Logistik (Lidl), der Immobilienwirtschaft (Bouygues) oder des Einzelhandels (Carrefour).

Freiflächenanlage bei Faux

Dachanlage auf einem Gebäude von Airbus

Überdachter Parkplatz

Ein Gewächshaus mit Solaranlage

Wie ist Urbasolar unterwegs

Auch finanziell ist der PV-Entwickler gut unterwegs. Im letzten Geschäftsjahr (Abschluss per 30.4.2018) erzielte er einen Umsatz von 104 Mio. Euro. Dies entspricht gegenüber dem Vorjahr einem Wachstum von 16 Prozent. Auch das Ergebnis stieg, der bereinigte EBITDA liegt bei 25 Mio. Euro, ein Plus von 23 Prozent.

Die immer wiederkehrenden Erfolge der einzelnen Bieter-Auktionen und die kürzlich unterzeichneten internationalen Verträge haben es Urbasolar ermöglicht, sich einen Auftragsbestand von 320 MW zu sichern, der bis Mitte 2020 installiert werden soll. Dank neu entwickelter Projekte rechnet Urbasolar damit, bis 2022 ein Portfolio von Kraftwerken mit einer Leistung von 1 GW zu erreichen.

Integration light

Urbasolar wird – wie die im Bereich Windkraft tätige Axpo Tochter Volkswind – als Tochtergesellschaft weitergeführt. Es ist deshalb vorgesehen, der neuen Tochter eine weitgehende organisatorische Eingeständigkeit zuzugestehen. «Dieses Modell hat sich bewährt», sagt Christoph Sutter, Leiter der Division Neue Energien bei Axpo. «Es sorgt dafür, dass die nötige Kundennähe und Flexibilität vorhanden sind, um auch in Zukunft am Markt erfolgreich agieren zu können».

Mehr Informationen zu Urbasolar gibt es auf der Webseite oder in diesem Video (nur französisch):

Photovoltaik in Frankreich

Frankreich verfügt über 8,2 GWp installierte PV-Spitzenleistung und ist der viertgrösste PV-Markt in Europa hinter Deutschland, Italien und Grossbritannien. Mit 10,2 TWh liegt der Anteil von PV-Strom an der Gesamtproduktion 2018 allerdings nur bei 1,9 Prozent.

Bis ins Jahr 2020 möchte Frankreich den Anteil an erneuerbaren Energien der Produktion auf 23 Prozent hochschrauben. Da sich abzeichnet, dass dieses Ziel verfehlt wird, versucht die französische Regierung diese Energien mit Förderprogrammen zu pushen. Die Gelder werden im Rahmen von halbjährlichen Auktionen, an jene PV-Entwickler vergeben, welche die geringsten Finanzhilfen beanspruchen (Preiswettbewerb). Damit soll der Markt in den nächsten fünf Jahren um 12,3 GWp wachsen.

Aktuell ist der französische PV-Entwicklermarkt noch recht kleinteilig. Allerdings findet in den letzten Jahren eine Konsoldierung statt. Dabei drängen sich grosse Akteure wie Engie, Electricité de France (EDF) und Total in den Vordergrund. Dahinter gibt es verschiedene mittelgrosse Akteure. Die 30 grössten Entwickler sind für 72 Prozent der installierten Kapazität verantwortlich. Über die ersten vier Auktionsrunden (Stand August 2018) hat Engie den Zuschlag für den Bau von PV-Anlagen mit einer Spitzenleistung von 550 MWp erhalten, gefolgt von Urbasolar mit 194 MWp und total 186 MWp. Zudem wollen grosse Unternehmen, wie der Flughafen Paris oder die Staatsbahnen SNCF Solarprojekte über Power Purchase Agreements finanzieren. Ein Bereich, in dem Axpo bereits aktiv und erfolgreich tätig ist.

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