25.10.2019 | ETH-Studie zur Konkurrenzfähigkeit der erneuerbaren Energien

Profitieren von tiefen Zinsen

Windkraft und Solarenergie spielen beim Umbau des Energiesystems eine wichtige Rolle. Erneuerbare Energien sind mittlerweile konkurrenzfähig geworden. Sie sind aber kapitalintensiver als fossile Energieträger. Entsprechend würden bei einer Normalisierung des Zinsumfelds deren Kosten wieder steigen. Für Solaranlagen wären dies bis zu 11 Prozent, für Windkraftanlagen bis zu 25 Prozent. Das zeigt eine neue Studie.

In vielen europäischen Ländern, etwa in Spanien, Portugal oder Deutschland sind in den letzten Jahren Photovoltaik-Anlangen entstanden, die ohne Subventionen auskommen und im Markt bestehen können. Dies auch dank Unterstützung von Axpo, welche dabei auf sogenannte Power Purchase Agreements (PPA) setzt (siehe nebenstehenden Artikel).

Grund dafür sind unter anderem der technologische Fortschritt und die sinkenden Preise, insbesondere im Bereich der Solaranlagen (siehe Box unten). Die Stromgestehungskosten alternativer Energien liegen gemäss einer Studie von ETH Zürich und des Potsdam Instituts für Klimafolgenforschung heute in vielen Ländern in Europa in der Nähe der Grenzkosten bestehender Gas- oder Kohlekraftwerke. Andererseits – und das werde oft übersehen - hätten auch die tiefen Kapitalkosten dazu beigetragen. Denn niedrigere Zinsen erhöhten die Wirtschaftlichkeit der Erneuerbaren Energien.

Was wäre wenn…

Doch was wäre, wenn die Zinsen wieder steigen würden? Da erneuerbare Energien kapitalintensiver sind als fossile Energieträger, nehmen in einem solchen Szenario deren Kosten stärker zu. Die Forscher haben deshalb verschiedene Zinsszenarien und deren Auswirkung auf die Kosten für Erneuerbare berechnet:

  • Sollten die Zinsen wieder das Niveau vor Ausbruch der Finanzkrise erreichen, steigen die Stromgestehungskosten in Deutschland für Solaranlagen um 11 Prozent, für Windparks sogar um 25 Prozent.
  • Bei einem nur moderaten Zinsanstieg liegen die Kosten für Windkraftanlagen um 9 Prozent höher, bei Solaranlagen wiegen die höheren Zinskosten die dank technologischem Fortschritt und Lerneffekten erreichbaren Einsparungen wieder auf.
Gefährliche Strategie

Angesichts dieser Berechnungen warnen die Forschenden, Instrumente zur Förderung alternativer Energien nun abzuschaffen, wie dies in der Europäischen Union derzeit diskutiert werde. Im Fall steigender Zinsen würde sich das kontraproduktiv auswirken und die für das Klima notwendige Reduktion von CO2-Emissionen wäre gefährdet, warnt Tobias Schmidt, Professor für Energiepolitik an der ETH. Er spricht sich deshalb dafür aus, weiterhin an marktwirtschaftlichen Instrumenten wie Auktionen für Grossanlagen zur Erzeugung regenerativer Energie festzuhalten.

Wichtig sei es zudem, einen Mindestpreis für CO2-Zertifikate im europäischen Emissionshandelssystem festzulegen. Denn, so glauben die Forschenden: Dies würde den Umstieg von fossiler auf erneuerbare Energien beschleunigen, weil so Preisstürze für die klimaschädlichen CO2-Emissionen künftig ausgeschlossen werden könnten.

Zur Studie der ETH Zürich und des Potsdam Instituts für Klimafolgenforschung

Photovoltaik wird billiger

Die Stromgestehungskosten einer Photovoltaik-Anlage bezeichnen das Verhältnis aus Gesamtkosten und elektrischer Energieproduktion bezogen auf die wirtschaftliche Nutzungsdauer der Anlage. Die Höhe der Stromgestehungskosten werden primär bestimmt durch:

  • Anschaffungsinvestitionen (Bau und Installation der Anlage)

  • Finanzierungsbedingungen (Eigenkapitalrendite, Zinsen, Laufzeiten)

  • Betriebskosten

  • Sonneneinstrahlung am Standort der Anlage

  • Lebensdauer und jährliche Degradation der Anlage

Eine neue Studie des Fraunhofer Instituts "Aktuelle Fakten zur Photovoltaik in Deutschland" zeigt, dass der dominierende Kostenanteil von Solaranlagen, die Investitionskosten seit 2006 für Analgen auf Dächern mit einer Nennleistung von 10 bis 100 kWp dank technologischen Fortschritts, Skalen- und Lerneffekten im Durchschnitt pro Jahr um 13 Prozent, insgesamt um 75 Prozent, zurückgegangen sind. Die jährlichen Betriebskosten lägen dagegen mit rund 1 Prozent der Investitionskosten vergleichsweise niedrig - und auch die Finanzierungskosten seine aufgrund des aktuell niedrigen Zinsniveaus günstig.

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