30.03.2020 | Axpo Nordic liefert Windstrom für umweltfreundliches Power-to-Fuel-Projekt in Schweden

Wie aus erneuerbaren Energien ein CO2-neutraler Kraftstoff entsteht

Im hohen Norden setzt man auf eMethanol: Ein europäisches Konsortium hat es sich zum Ziel gesetzt, im Jahr 2023 in Schweden die erste Erzeugungsanlage für den kostengünstigen CO2-neutralen Kraftstoff in Betrieb zu nehmen. Axpo Nordic und sechs weitere Unternehmen bündeln ihr Know-how, um zur Reduzierung von CO2-Emissionen insbesondere im Bereich der Schifffahrt und des Strassenverkehrs beitragen zu können. Denn zurzeit mangelt es noch an erfolgversprechenden emissionsarmen Alternativkraftstoffen im grossen Massstab.

Nach dem Kraftstoff der Zukunft suchen derzeit viele Unternehmen. Sie alle eint die Frage: Lassen sich die enormen CO2-Emissionen, die im Bereich Verkehr und Transport anfallen, mit Hilfe von technologischen Innovationen abseits der Elektromobilität verringern? Und gibt es vielleicht sogar eine Möglichkeit, bereits vorhandene CO2-Emissionen in einen CO2-neutralen Kraftstoff umzuwandeln?

Claes Fredriksson, CEO von Liquid Wind, leistet Pionierarbeit

«Ja, das geht», sagt Claes Fredriksson, CEO und Gründer des schwedischen Start-ups Liquid Wind. Das 2017 gegründete Unternehmen mit Sitz in Göteborg hat sich auf Energieanlagen spezialisiert und engagiert sich im Kampf gegen die Erderwärmung – mit dem Ziel, den Wandel hin zu einer CO2-neutralen Verkehrsinfrastruktur und Industrie zu beschleunigen. Im Mittelpunkt der Tätigkeiten stehen die Entwicklung, die Finanzierung, der Bau und der Betrieb von replizierbaren Erzeugungsanlagen für flüssiges, CO2-neutrales eMethanol, das aus abgeschiedenem Kohlendioxid, Wasser und grünem Strom hergestellt wird.

Verflüssigte erneuerbare Energie in Tankanlagen speichern

«Mit eMethanol lässt sich beliebig viel Energie auf CO2-neutraler Basis speichern. Der Kraftstoff kann dabei mit erneuerbarer Energie aus Wind-, Solar- oder Laufwasserkraftwerken synthetisch produziert werden. In dieser Synthese wird Methanol aus Wasser und aus CO2 hergestellt, das aus Abgasquellen stammt,» so Claes Fredriksson zum Herstellungsprozess.

Der vielseitige Flüssigkraftstoff ist nicht nur CO2-neutral, sondern kann auch problemlos transportiert und gelagert werden. So lässt sich erneuerbare Energie chemisch über lange Zeit verlustfrei speichern.

Wie eMethanol hergestellt und eingesetzt werden kann
Sieben Pioniere spannen zusammen

Gemeinsam mit Axpo Nordic, COWI, Carbon Clean Solutions, Haldor Topsoe, Nel Hydrogen und Siemens hat Liquid Wind ein Konsortium für dieses Power-to-Fuel-Projekt ins Leben gerufen. Jede der sieben Firmen wird ihr Know-how einfliessen lassen, um den Prozess der Kraftstofferzeugung zu optimieren. Das Projekt ist ein wichtiger Meilenstein bei der Deckung der wachsenden Nachfrage nach Kraftstoffen aus erneuerbaren Energien und soll ein nachhaltigeres Transportwesen ermöglichen.

Claes Fredriksson erläutert: «Bereits heute unternehmen die Industrie und die Politik grosse Anstrengungen, um die Emissionen zu senken und nachhaltiger zu wirtschaften. Die ganze Welt muss CO2-Emissionen reduzieren. eMethanol kann hierzu einen entscheidenden Beitrag leisten. Es geht jetzt darum, die notwendige Infrastruktur aufzubauen, um den Kraftstoff lokal herstellen zu können. Unser Konsortium will mit einem ausbaufähigen Verfahren einen Kraftstoff aus erneuerbarer Energie auf den Markt bringen, um die wachsende Nachfrage zu decken und eine nachhaltigere Zukunft zu ermöglichen.»

90'000 Tonnen CO2 werden eingespart

Die Mitglieder des Konsortiums entwickeln gemeinsam die Technologie für die erste Anlage in Schweden. Diese soll ab 2023 jährlich 45’000 Tonnen eMethanol produzieren, was eine wesentliche Senkung der CO2-Emissionen um 90’000 Tonnen ermöglicht. Im Rahmen der langfristig angesetzten Zusammenarbeit plant das Konsortium anschliessend ein Modell für eine standardisierte Erzeugungsanlage für eMethanol zu entwickeln. Bis 2030 sollen sechs solcher Anlagen gebaut werden, indem das Konzept skaliert und auf internationaler Ebene lizenziert wird.

Kreuzfahrtschiffe zählen zu den möglichen Abnehmern für eMethanol
Anlage wird mit Strom aus Windkraft betrieben

Axpo Nordic, die Tochtergesellschaft von Axpo für die nordeuropäischen Märkte, wird für die Stromversorgung der geplanten Pilotanlage zuständig sein. Dazu zählen die langfristige Versorgung mit Strom aus erneuerbaren Energien zu Festpreisen, die Intraday-Optimierung und der Ausgleich von Mengenabweichungen. Aufgrund ihres umfangreichen Portfolios an Windkraftanlagen, das sie für ihre Kunden in Skandinavien managt und optimiert, ist Axpo Nordic der ideale Partner für das Konsortium unter Federführung von Liquid Wind. Neben dem stark entwickelten PPA-Geschäft hat sich Axpo Nordic darauf spezialisiert, für ihre Kunden und Partner aus Handel, Industrie und Energieerzeugung massgeschneiderte Produkte und Services aus dem Bereich der erneuerbaren Energien anzubieten.

Tomas Sjöberg, Managing Director von Axpo in Schweden, kommentiert: «Als nachhaltig orientiertes und innovatives Unternehmen freut es uns sehr, bei diesem wegweisenden Projekt dabei zu sein und einen wesentlichen Beitrag zur Entwicklung eines umweltfreundlichen Kraftstoffs leisten zu können.»

Tomas Sjöberg leitet die Geschäfte von Axpo in Schweden und liefert Windstrom für das Projekt
Langfristige Investitionsperspektive

Eine Entwicklung, deren Vorbereitung zügig voranschreitet. Zurzeit ist Liquid Wind mit potenziellen Käufern des Kraftstoffs, etwa aus der Schifffahrtsbranche, im Gespräch. Im weiteren Jahresverlauf sollen langfristige Verträge für den Verkauf der Erzeugungskapazität der ersten Anlage für eMethanol unterzeichnet werden. Darüber hinaus steht Liquid Wind in vielversprechenden Kontakten mit Grossinvestoren, um die Finanzierung des Projekts durch die Bereitstellung stabiler, langfristiger Investitionsperspektiven zu sichern.

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