Ertragskraft in schwierigem Umfeld gehalten – Hohe Subventionen für Wind- und Solarenergie belasten konventionelle Kraftwerke

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18.12.2013 - Der Axpo Konzern hat im Geschäftsjahr 2012/13 trotz schwierigem, von weiterem Preiszerfall gekennzeichneten Marktumfeld die Ertragskraft gehalten und ein gutes operatives Ergebnis erzielt. Dazu beigetragen haben das sehr erfreuliche internationale Energiehandelsgeschäft, die Einsparungen aus dem umgesetzten Kostensenkungsprogramm und dem restriktiven Investitionsmanagement. Das operative Ergebnis (EBIT) erreichte mit 312 Mio. CHF nahezu das Niveau des Vorjahres (329 Mio. CHF), der Unternehmensgewinn betrug 213 Mio. CHF (Vorjahr 282 Mio. CHF). Das Ergebnis ist erneut stark durch Sonderfaktoren geprägt. Die Gesamtleistung des Axpo Konzerns lag mit 7020 Mio. CHF rund 4% unter dem Vorjahreswert (7346 Mio. CHF).

Angesichts der anhaltenden wirtschaftlichen und regulatorischen Herausforderungen wird Axpo die Kosten weiter senken, die Investitionen weiter straff handhaben und neue Geschäftsfelder und Ertragspotenziale erschliessen.

2014 feiert der Axpo Verbund sein 100-jähriges Bestehen.

Das wirtschaftliche und regulatorische Umfeld bleibt für die Energieversorgungsunternehmen weiterhin schwierig. Der Trend erodierender Energiepreise setzte sich im Berichtsjahr (1. Oktober 2012 bis 30. September 2013) weiter fort. Die abnehmende Energienachfrage aufgrund der flauen Konjunkturlage in Europa, tiefe Preise für CO2-Zertifikate und die weiter steigende Einspeisung von subventionierter Energie führen zu anhaltend tiefen Grosshandelspreisen. Diese sind allein im abgelaufenen Jahr um rund ein Viertel eingebrochen und liegen derzeit zum Teil unter den Produktionskosten des Axpo Kraftwerkparks.

Der internationale Energiehandel als wichtige Ertragsstütze

In dieser anspruchsvollen Situation hat der 2012 neu ausgerichtete Geschäftsbereich Handel & Vertrieb ein sehr gutes Ergebnis im internationalen Energiehandelsgeschäft erreicht. Mit 276 Mio. CHF konnte das Handelsresultat des Vorjahres (140 Mio. CHF) beinahe verdoppelt werden. Mit bestehenden und neuen Kunden in ganz Europa wurden individuelle Energieverträge abgeschlossen und der Ausbau des Origination-Geschäfts (massgeschneiderte Energiedienstleistungen für Grosskunden) vorangetrieben. Dies gilt speziell für die Windenergie, bei der Axpo bereits einer der grössten Anbieter von Dienstleistungen für On-shore-Windkraft in Europa ist. Das gute Resultat bestätigt die strategische Rolle des Energiehandels als wichtige Ertragsstütze des Axpo Konzerns.

Im Versorgungsgebiet der Nordost- und Zentralschweiz hingegen führten Verbrauchsrück-gänge, Lieferantenwechsel und rückläufige Preise zu Mindererträgen. Vor allem die tiefen Marktpreise veranlassten vermehrt Kunden dazu, aus der gestehungskostenbasierten Grundversorgung in den freien Markt zu wechseln.

Wiederum hohe Sondereffekte – Betriebsaufwand reduziert

Das Jahresergebnis des Axpo Konzerns wurde auch im Geschäftsjahr 2012/13 erneut stark von Sonderfaktoren beeinflusst. Positive Einmaleffekte von 187 Mio. CHF resultierten aus Entscheiden in regulatorischen Gerichtsverfahren. Diese betrafen die Deklarierung der Netzkosten der CKW sowie die 2009 und 2010 erfolgte Belastung der Kraftwerke mit Kosten für Systemdienstleistungen und führten zu Rückvergütungen bzw. Auflösung von Rückstellungen. Zudem führten die durch die Pensionskasse PKE beschlossenen Massnahmen zur Sicherung des langfristigen Gleichgewichts zu einer einmaligen Minderung des Vorsorgeaufwandes von 64 Mio. CHF. Demgegenüber schlug die im Rahmen der jährlichen Überprüfung der Werthaltigkeit der Beteiligungen, des Kraftwerkparks und der Bezugsverträge erfolgte Wertkorrektur mit minus 760 Mio. CHF (Vorjahr minus 264 Mio. CHF) stark negativ zu Buche. Hier zeigen sich deutlich die Auswirkungen der Marktverzerrungen, insbesondere der subventionsbedingt tiefen Preise am Strommarkt, welche die Ertragsaussichten der nicht subventionierten Kraftwerke in der Schweiz belasten.

Der Energiebeschaffungs-, Netznutzungs- und Warenaufwand sank im Vergleich zur Gesamtleistung überdurchschnittlich, um 6% auf 4791 Mio. CHF. Eine Praxisänderung bei der Verbuchung der Absicherungsgeschäfte – neu wird der Erfolg dieser Geschäfte netto erfasst – hat zu dieser Abnahme beigetragen. Die Produktionsmenge aus dem eigenen Kraftwerkspark lag um 10% tiefer. Hauptgrund dafür waren die stark reduzierten Betriebszeiten der italienischen Gas-Kombikraftwerke, die aufgrund der Preisentwicklung zunehmend als Regel- statt Grundlastkraftwerke eingesetzt worden sind. Der nicht energie- oder netzbezogene Betriebsaufwand reduzierte sich um 72 Mio. CHF, vor allem als Folge der erwähnten Minderung des Vorsorgeaufwands.

Das Finanzergebnis sank gegenüber dem Vorjahr um 89 Mio. CHF auf minus 113 Mio. CHF. Unter anderem standen dem Erfolg aus der Veräusserung von Beteiligungsanteilen aus der Projektgesellschaft Trans Adriatic Pipeline (TAP) von 35 Mio. CHF der verlangsamte Wertzuwachs der Stilllegungs- und Entsorgungsfonds für das Kernkraftwerk Beznau von 87 Mio. CHF (Vorjahr: 184 Mio. CHF) sowie rückläufige Kurse bei Finanz- und Beteiligungsinvestitionen gegenüber. Der Geldfluss aus Geschäftstätigkeit (operativer Cashflow) belief sich auf 750 Mio. CHF und lag damit auf Vorjahresniveau (749 Mio. CHF).

Der durchschnittliche Personalbestand im Axpo Konzern nahm um 13 auf 4355 Vollzeitstellen ab. Dem Rückgang von 62 Stellen in der Schweiz steht eine Zunahme im Ausland für den Ausbau der Handels- und Origination-Aktivitäten gegenüber.

Der Verwaltungsrat wird der Generalversammlung vom 14. März 2014 vorschlagen, eine unveränderte Dividende von 2.00 CHF pro Aktie auszuschütten, was 74 Mio. CHF entspricht.

Konsequente Investitionskontrolle – Investitionen in neue Energien

Die Investitionsvorhaben wurden im Berichtsjahr noch kritischer auf ihre Rentabilität geprüft und angesichts des unsicheren Umfelds neu beurteilt. Der Geldfluss aus Investitionstätigkeit blieb mit 182 Mio. CHF denn auch klar unter dem Vorjahreswert von 226 Mio. CHF. Die Mittel flossen unter anderem in die autarke Notstromversorgung des Kernkraftwerks Beznau, den Neubau des Wasserkraftwerks Rüchlig in Aarau und den Erwerb zweier bestehender Windparks in Nordfrankreich. Zudem wurde weiter in den Anschluss der Kraftwerke Linth-Limmern ans 380-kV-Netz und in den Unterhalt und Ausbau der Netzinfrastruktur investiert.

Axpo wird künftig weiterhin mit grosser Zurückhaltung investieren. Die Investitionsvorhaben werden sorgfältig hinterfragt und gegenüber dem ursprünglichen Plan wenn möglich und strategisch sinnvoll gekürzt. Die Mittel sollen prioritär in Form von Ersatzinvestitionen und in profitable Geschäfte mit erneuerbaren Energien und Dienstleistungen fliessen. Axpo investiert seit längerem in grossem Mass in erneuerbare Energien. Der Off-shore-Windpark „Global Tech 1“ in der deutschen Nordsee schloss im Herbst 2013 die ersten Windkraftanlagen ans Netz an. Im Herbst 2014 sollen alle Anlagen betriebsbereit sein und der Windpark wird dann rund 1,4 Mrd. kWh Strom pro Jahr erzeugen. Axpo ist mit 24,1% am Projekt beteiligt. Der Baustart beim Geothermieprojekt im bayerischen Taufkirchen, an dem Axpo 35% hält, erfolgt im Januar 2014. Die Anlage soll im Sommer 2014 den Betrieb aufnehmen. Die Axpo Tochtergesellschaft CKW hat die grösste Windkraftanlage der Zentralschweiz realisiert. Die Anlage im Entlebuch ist seit diesem Herbst in Betrieb. Die erwartete jährliche Stromproduktion entspricht dem Verbrauch von 600 Haushaltungen. Axpo ist gewillt, ihre Position als grösste Schweizer Produzentin von Energie aus erneuerbaren Quellen weiter auszubauen.

Weiter vorangetrieben werden die laufenden Grossprojekte. Bei Linthal 2015 kommen die Arbeiten planmässig voran. Inzwischen sind alle künftigen Wasserwege ausgebrochen, der Innenausbau der Kavernenzentrale ist weit fortgeschritten und die ein Kilometer lange Staumauer ragt bereits zu rund zwei Dritteln ihrer Länge aus der Muttenalp. Gemäss Plan soll die erste Maschinengruppe des neuen 1000-Megawatt-Pumpspeicherwerks Limmern Ende 2015 ans Netz gehen, die drei weiteren im Lauf des Jahres 2016.

Die Trans Adriatic Pipeline TAP ist Ende Juni 2013 vom Shah-Deniz-Konsortium für den Export des Shah Deniz II-Erdgases nach Europa ausgewählt worden. Am 17. Dezember 2013 hat das Konsortium auch den definitiven Investitionsentscheid gefällt. Axpo entwickelt das Erdgas-Pipeline-Projekt zusammen mit internationalen Partnern. Der Axpo Anteil beträgt aktuell 5%. Axpo plant, langfristige Erdgasbezüge über die TAP zu kontrahieren. Das erste Gas soll ab 2019 fliessen. Die Pipeline wird einen wichtigen Beitrag zur Diversifikation des Axpo Portfolios und zur Sicherung der Erdgasversorgung Europas leisten.

Zunahme bei Gasabsatz und Windstromproduktion

Der Energieabsatz insgesamt belief sich auf 87,5 Mrd. kWh und übertraf damit den Vorjahreswert um 18%. Eine starke Zunahme resultierte beim Gasabsatz vor allem deshalb, weil unvorteilhafte Marktbedingungen die Betriebsstunden der Gaskombikraftwerke in Italien stark einschränkten und somit bedeutend mehr Gas am Markt abgesetzt wurde (17,0 Mrd. kWh gegenüber 6,1 Mrd. kWh). Demgegenüber lag der Energieabsatz in den Versorgungsgebieten der Nordost- und Zentralschweiz mit 19,2 Mrd. kWh um 1,9 Mrd. kWh oder 9% tiefer als im Vorjahr. Diese Einbusse resultierte hauptsächlich aus dem Umstand, dass mehrere durch die Kantonswerke belieferte Endkunden von der Möglichkeit Gebrauch machten, aus der Grundversorgung in den freien Markt zu wechseln.

Produktionsseitig konnten die Hydraulische Energie mit 8,5 Mrd. kWh (-7%) wie auch die Kernenergie mit 22,2 Mrd. kWh (-1%) nicht ganz an die hohen Vorjahreswerte anknüpfen. Demgegenüber führten bei den neuen Energien die Inbetriebnahme des Windparks WinBis in Italien und eine höhere Erzeugungsmenge aus den Beteiligungen La Penuca und Terravent zu einem kräftigen Plus von 40% auf 0,4 Mrd. kWh.

Aussichten verhalten

Axpo erwartet, dass die tiefen Grosshandelspreise in Europa weiterhin anhalten und dass die politischen und regulatorischen Unsicherheiten gross bleiben. Die massive Subventionierung einzelner Energieträger sowie die tiefen CO2-Preise haben zu einer extremen Marktverzerrung geführt. Eine Trendwende in dieser Entwicklung ist für die kommenden Jahre nicht erkennbar. Deshalb wird sich Axpo weiterhin auf dauerhaft tiefe internationale Marktpreise ausrichten, die Kosten weiter senken, die Investitionsvorhaben noch konsequenter hinterfragen und neue Ertragspotenziale erschliessen.

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