09.07.2020 | Wie Axpo Iberia weibliche Führungskräfte auf ihrem Karriereweg unterstützt

«Keine Hindernisse für die berufliche Entwicklung von Frauen»

Zara Martín Mangas, Head Risk Management bei Axpo Iberia, ist in der internationalen Energiewirtschaft eine der wenigen Frauen in Führungspositionen. In einem kürzlich erschienenen Interview mit der spanischen Zeitschrift Energética XXI spricht sie darüber, was es braucht, um als Frau in der Branche zu einer Führungspersönlichkeit zu reifen – und was allgemein getan werden muss, um mehr Frauen für die Branche zu gewinnen. Axpo veröffentlicht die Aussagen von Zara mit freundlicher Genehmigung von Energética XXI.

Zara, Sie sind schon seit einigen Jahren für Axpo Iberia tätig. Wie verlief Ihr beruflicher Werdegang im Unternehmen?
Zara Martín: Ich habe mich vor knapp 12 Jahren für den Wechsel in die Energiebranche entschieden und bei Axpo Iberia als Controllerin angefangen. Damals waren wir nur 17 Mitarbeitende in der spanischen Tochtergesellschaft. Heute arbeiten in Spanien und Portugal über 250 Personen für Axpo – wir sind extrem gewachsen und es fühlt sich toll an ein Teil dieser Entwicklung zu sein. Nach meinem Eintritt in das Unternehmen habe ich mich nach und nach auf das Thema Risk Management spezialisiert. Der nächste Meilenstein war für mich die Ernennung zum Risk Manager. Mittlerweile gehöre ich dem Management Board von Axpo Iberia an.

Wie müssen wir uns Ihren Job vorstellen, welche Art von Projekten und Dienstleistungen gehören zu Ihrem Arbeitsalltag?
Axpo im Allgemeinen und Axpo Iberia im Besonderen sind stark auf Service-Flexibilität und die Anpassung an die Bedürfnisse der Kunden ausgerichtet. Dies setzt eine detaillierte Analyse aller Szenarien und ein proaktives, topmodernes Risk Management voraus. Die Hauptaufgabe meines Teams besteht darin, sowohl das Kreditrisiko mit unseren Gegenparteien als auch das Marktrisiko zu überwachen, wenn es um Handelspositionen und Preisvolatilität geht.

Sie sind in der Energiewirtschaft eine der wenigen Frauen in einer Führungsposition. Mit welchen Schwierigkeiten oder Hindernissen sind Frauen Ihrer Meinung nach in der Energiebranche konfrontiert?
Ich glaube nicht, dass es in unserer Branche objektive Hindernisse für die berufliche Entwicklung von Frauen gibt. Es sind schlichtweg soziokulturelle Faktoren, die die Energiebranche im Allgemeinen für Männer attraktiver gemacht haben als für Frauen. Ich selbst zum Beispiel habe nie irgendeine Art von Diskriminierung erfahren. Im Gegenteil: Ich konnte meinen Job und meine berufliche Weiterentwicklung problemlos mit meiner persönlichen Situation als Mutter von zwei Kindern in Einklang bringen.

Glauben Sie, dass sich die Zahl der Frauen in Führungspositionen oder in den Verwaltungsräten erhöhen liesse? Welche Massnahmen würden Sie vorschlagen?
Ich glaube ganz grundsätzlich an die Gleichstellung von Mann und Frau. Offene Stellen sollten meiner Meinung nach immer unabhängig vom Geschlecht oder anderen Variablen vergeben werden. Es geht nur darum, wer am besten für den Job geeignet ist. Vielfalt und Integration sind eine Quelle des Reichtums und der Kreativität und dürfen niemals ein Hindernis darstellen.

Fakt ist aber: Es sind nach wie vor nur wenige Frauen in der Energiebranche beschäftigt.
Ja, das ist so. Wir sehen das zum Beispiel bei Bewerbungen: In der Regel sind es rund 80% Männer, die sich für eine Stelle bei uns interessieren – eine klare Mehrheit also. Hier muss sich von Grund auf etwas ändern, damit sich Frauen vermehrt für unsere Branche interessieren, wenn es um ihre Karriereplanung geht. Wir Frauen müssen dabei das Heft selbst in die Hand nehmen: Es braucht die Überzeugung, dass wir bekommen können, was wir wollen, wenn wir dafür kämpfen.

Welchen Beitrag kann das Bildungswesen von der Schule bis zur Universität leisten, damit sich mehr Frauen für Berufe in den Bereichen Wissenschaft, Technik, Ingenieurwesen oder Mathematik interessieren?
Bildung beginnt aus meiner Sicht zuhause. Wir Eltern sind die ersten, die die Fähigkeiten und das Potenzial unserer Kinder beobachten und erkennen. Darum sollten wir von Anfang an das fördern, was den Kindern gefällt und wofür sie eine natürliche Begabung zeigen. Auch der Bildungsbereich müsste sich in diese Richtung bewegen: Es geht darum die Fähigkeiten jedes einzelnen Schülers zu vertiefen, die Stärken und das Potenzial zu erkennen und die Kinder dazu ermutigen, ihren eigenen Weg zu gehen. Und zwar unabhängig davon, ob das zur Folge hat, eine komplexere Karriere einzuschlagen oder sich in ein Arbeitsumfeld zu begeben, das mehr oder weniger stabil ist.

Wie sieht es mit den Unternehmen aus, was können sie beisteuern?
Das Thema «Gender Diversity» ist längst in den Unternehmen angekommen, da hat sich meiner Meinung nach viel getan in den vergangenen Jahren. Egal in welcher Branche oder bei welchen Positionen. Ich sehe das an meiner eigenen Abteilung: Im Bereich Credit Risk arbeiten nur Frauen, während wir im Market Risk Team fast nur Männer haben. Wir versuchen aber, die gegenseitige Aus- und Weiterbildung zwischen diesen beiden Bereichen zu fördern, indem jeder entdecken kann, was sich gewissermassen «hinter der anderen Tür» verbirgt. So lassen sich neue Fähigkeiten erwerben – und vielleicht findet der oder die eine auch eine versteckte Berufung für sich.

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