07.10.2026 | Axpo steigt in den wachsenden Pflanzenkohlemarkt ein
Axpo ist seit August 2026 Mitbesitzerin der Bündner Pflanzenkohleproduzentin Inkoh. Gemeinsam wollen die Partner die Herstellung hochwertiger Pflanzenkohle und die dauerhafte Entfernung von CO₂ aus der Atmosphäre vorantreiben. Pflanzenkohle kann dabei mehr als Kohlenstoff speichern: Sie kann Böden verbessern, Wasser und Nährstoffe zurückhalten und in unterschiedlichen Bereichen eingesetzt werden.
Pflanzenkohle gewinnt international an Bedeutung. Studien gehen davon aus, dass der globale Markt in den kommenden Jahren deutlich wachsen wird. Vor diesem Hintergrund beteiligt sich Axpo früh an der Entwicklung dieses noch jungen und dynamischen Marktes in der Schweiz. Gemeinsam mit Inkoh entwickelt sie Lösungen, um regionale Biomasse effizient und nachhaltig zu nutzen.
Pflanzenkohle entsteht, wenn pflanzliche Biomasse wie Holz, Erntereste oder Grünschnitt unter Ausschluss von Sauerstoff stark erhitzt wird. Bei Temperaturen von rund 550 bis 900°C verbrennt das Material nicht, sondern verkohlt. Dieser Prozess wird Pyrolyse genannt.
Dabei entsteht eine poröse, kohlenstoffreiche Kohle. Gleichzeitig werden energiereiche Gase und Wärme freigesetzt. Sie können direkt im Prozess genutzt werden, beispielsweise zur Erzeugung von Wärme und Strom. So lässt sich die Biomasse möglichst umfassend verwerten.
Pflanzen nehmen während ihres Wachstums CO₂ aus der Atmosphäre auf. Wird die Biomasse später verbrannt oder zersetzt, gelangt dieser Kohlenstoff normalerweise wieder in die Atmosphäre. Bei der Pyrolyse wird der grösste Teil davon in der Pflanzenkohle gebunden.
Wird die Pflanzenkohle anschliessend beispielsweise im Boden oder langlebigen Baustoffen genutzt, kann der darin enthaltene Kohlenstoff über lange Zeiträume gespeichert werden. Pflanzenkohle kann dadurch als Kohlenstoffsenke wirken.
Je nach Ausgangsmaterial, Herstellungsverfahren und Verwendung kann eine Tonne Pflanzenkohle rund 2,5 bis 3 Tonnen CO₂-Äquivalente dauerhaft binden.
Der Klimanutzen ist ein wichtiger Grund für die Herstellung von Pflanzenkohle. Ihre poröse Struktur macht sie aber auch für weitere Anwendungen interessant.
Im Boden kann Pflanzenkohle Wasser und Nährstoffe aufnehmen und bei Bedarf wieder an Pflanzen abgeben. Sie kann zudem die Bodenstruktur verbessern, die Durchlüftung fördern und Lebensraum für Mikroorganismen schaffen.
Ein Beispiel für ihren Einsatz ist die Rasenerde von Axpo Biomasse. Sie enthält zehn Prozent Pflanzenkohle und wird für neue Rasenflächen und Rasensanierungen verwendet. In einem Feldexperiment im Herbst 2024 zeigte das Substrat mit Pflanzenkohle gegenüber herkömmlicher Axpo-Rasenerde ein stärkeres Rasenwachstum: plus 122 Prozent bei der Neusaat und plus 40 Prozent bei der Sanierung. Als Zusatzeffekt kann der in der Pflanzenkohle gebundene Kohlenstoff langfristig im Boden gespeichert werden.
In der Landwirtschaft wird Pflanzenkohle unter anderem als Bestandteil von Futter, Einstreu und Bodensubstraten eingesetzt.
Auch in Städten kann Pflanzenkohle einen Beitrag leisten. Als Bestandteil spezieller Baumsubstrate hilft sie, Wasser und Nährstoffe im Wurzelraum zu speichern. Das unterstützt Stadtbäume bei Hitze und Trockenheit.
Pflanzenkohle kann auch in Baustoffen eingesetzt werden, beispielsweise als Bestandteil von Betonmischungen wie dem Klimabeton Klark von Inkoh oder im Strassenbau. Weil in der Herstellung vieler Baustoffe grosse Mengen CO₂ entstehen, ist die langfristige Bindung von Kohlenstoff in langlebigen Produkten besonders interessant.
Mit der Beteiligung an Inkoh baut Axpo ihre Aktivitäten im Bereich Biomasse weiter aus. Seit August 2026 hält Axpo Biomasse AG gemeinsam mit Holcim (Schweiz) AG und Terre Suisse AG 60 Prozent der Aktien von Inkoh. Das Mutterunternehmen Zindel United bleibt mit 40 Prozent grösste Einzelaktionärin.
Inkoh produziert seit 2019 aus regionaler, naturbelassener Biomasse Pflanzenkohle. Das Unternehmen verfolgt das Ziel, Kohlenstoff dauerhaft zu binden und die Pflanzenkohle zugleich für verschiedene Anwendungen nutzbar zu machen.
Die Axpo Biomasse AG bringt dabei ihre langjährige Erfahrung in der Verwertung organischer Abfälle ein. In Vergärungsanlagen und Kompostierplätzen entstehen bereits erneuerbare Energie, Naturdünger und Kompost. Mit der Beteiligung an Inkoh erweitert Axpo dieses Tätigkeitsfeld um die Herstellung und Nutzung von Pflanzenkohle und damit um eine weitere Möglichkeit, Biomasse langfristig und möglichst umfassend zu verwerten.
Mit der Beteiligung bündeln die Partner Kompetenzen aus der Biomassebranche, der Bauwirtschaft sowie der Herstellung von Erden und Substraten. So sollen neue Anwendungen entstehen und regionale Biomasse möglichst sinnvoll genutzt werden.