16.07.2026 | Der Schreyenbachfall im Kanton Glarus wird jedes Jahr für 45 Tage aktiviert
Der Schreyenbachfall ist wohl der speziellste Wasserfall der Schweiz. Während 50 Jahren war er fast ganz verschwunden, seit 2008 läuft er nun wieder. In einer ersten Phase während 22 Tagen verteilt auf mehrere Perioden und seit 2017 im Dauerbetrieb während exakt 45 Tagen pro Jahr. Die restliche Zeit wird der grösste Teil seines Wassers für die Stromproduktion in den Kraftwerken Linth-Limmern verwendet.
Donnerstag, 18. Juni, kurz vor 14 Uhr: Walter Dürst, stellvertretender Leiter der Baugruppe der Kraftwerke Linth-Limmern steht bei der Wasserfassung Fiseten, auf 1300 Meter über Meer, oberhalb des Schreyenbachfalls. Er bereitet sich auf das vor, was er an jedem 18. Juni seit vielen Jahren macht: Er dreht mit einer Kurbel die Wasserfassung zu, so dass das Wasser des Fisetenbach wieder vollständig den Schreyenbachfall herabstürzen kann.
Ein touristisches Spektakel, das während 50 Jahren verschwunden war. 1957 erteilte der Glarner Landrat die Konzession für die Kraftwerke Linth-Limmern AG. Dazu gehören mehrere Wasserfassungen, welche das Wasser aus dem 140 km2 grossen Einzugsgebiet den Kraftwerksturbinen zuführen. Auch der Fisetenbach, der von Uri her kommend die Schreyenbachfälle im Tierfed speiste, wird für die Stromproduktion genutzt.
Wie oft bei der Wasserkraft ging es um einen Ausgleich zwischen der Stromproduktion und touristischen und ökologischen Interessen. Mit der seit 2008 eingeführten und 2017 angepassten Regelung konnte ein guter Kompromiss gefunden werden. Heute entfaltet der Schreyenbachfall an 45 Tagen pro Jahr – immer zwischen 18. Juni und 2. August – seine volle Pracht. Je nach Niederschlagsmengen donnern dann bis zu 1500 Liter Wasser pro Sekunde den Wasserfall herunter.
Das ist auch heute noch ein touristisches Spektakel. Kurz vor 14 Uhr haben sich rund zwei Dutzend Schaulustige am Fusse des Wasserfalls versammelt. Mit gebührendem Sicherheitsabstand, denn in den ersten Minuten führt der Schreyenbachfall auch Holz und Steine aus dem Bachbett. Kurz nach 14 Uhr ist es so weit: aus dem Rinnsal wird wieder ein rauschender Wasserfall. Bis am 2. August kann das Naturschauspiel bewundert werden. Dann, wiederum punkt 14 Uhr, wird Walter Dürst die Kurbel in die andere Richtung drehen und den Schreyenbachfall «ausschalten» - zumindest bis 18. Juni 2027, 14 Uhr…
Kraftwerke Linth-Limmern
Die Kraftwerke Linth-Limmern AG sind ein Partnerwerk von Axpo und des Kantons Glarus. Axpo hält 85 Prozent der Anteile, der Kanton Glarus 15 Prozent. Das Kraftwerk nahm in den 1960er-Jahren den Betrieb auf und wurde 2015 durch das Pumpspeicherwerk Limmern ergänzt – mit 1000 MW das leistungsstärkste Pumpspeicherwerk der Schweiz.
Axpo: Führend in der Wasserkraft