03.11.2017 | Achtsamkeit bei Axpo bringt’s

Hilfreich oder Humbug?

Zwei Jahre nach der Einführung von Achtsamkeit in das Ausbildungs- und Beratungsangebot bei Axpo stellt sich die Frage: Was ist passiert? Was hat sich verändert? Angelika von der Assen, Head of Management Development und Christian Lindner, Leiter Engineering, erzählen von ihren Erfahrungen.

Achtsamkeit ist Bestandteil des Ausbildungsangebots bei Axpo in Form der Kurse "Search Inside Yourself" und "Resilienz". Ausserdem werden Führungskräfte in Coachings und ganze Management-Teams zu diesem Thema begleitet. Aber hilft das Führungskräften und  Mitarbeitenden auch? Oder ist das bloss ein esoterischer Humbug? Spätestens mit dem Projekt MarsGo hat der Wandel auch bei uns Einzug gehalten. «Wir müssen den Wandel als Konstante akzeptieren», sagt Angelika von der Assen. Ruhe und Gelassenheit liessen sich aber nur aus sich selbst schöpfen. «Wenn ich den Veränderungen mit Angst begegne, kann ich nicht angemessen reagieren», sagt Angelika. Die Unterstützung der Mitarbeitenden und Führungskräfte durch Achtsamkeitsübungen macht in dieser Situation mehr als Sinn. Deren Wirksamkeit ist durch neurowissenschaftliche Erkenntnisse erhärtet und erste Vorher-Nachher-Messungen von unternehmensinternen Achtsamkeitsprogrammen zeigen vielversprechende Ergebnisse. «Achtsamkeit ist eine Form der Selbstermächtigung. Und die Voraussetzung für Empathie.» Siehe NZZ-Artikel vom 18.08.2017

Angelika, die auch andere Firmen berät, sagt, sie spüre überall, dass der klassische Werkzeugkasten zu Führung, Teamfähigkeit und Konfliktmanagement nicht mehr ausreiche. Sie begleitet Management-Teams im Alltag, nimmt an deren Sitzungen teil, um achtsamkeitsbasierte Übungen einfliessen zu lassen: «A minute to arrive» zum Beispiel, ein kurzes  sich sammeln, bevor es losgeht. Kein Multitasking mehr, sondern alle mobilen Geräte im Flugmodus. Aufmerksames Zuhören. Oder wenn es einmal heiss zu- und hergeht, sagt sie: «Ich glaube, es wird Zeit für einen ALI: Atmen, lächeln, innehalten.» Danach sei der Ton ein anderer.

Angelika von der Assen
Achtsamkeitstraining wie bei Google

"Search Inside Yourself" (SIY): Dieses achtsamkeitsbasierte Training zur Förderung der emotionalen Intelligenz ist spezifisch auf die Bedürfnisse von Menschen im Geschäftsalltagausgerichtet. Es wurde bereits 2007 bei Google auf wissenschaftlicher Basis entwickelt und wird heute weltweit für die Mitarbeitenden dieses Konzerns und mittlerweile auch für andere Unternehmen durchgeführt. So hat beispielsweise SAP einen breiten Rollout gestartet mit mehr als 5000 Personen auf der Warteliste. Bei Axpo ist SIY seit 2015 im Angebot – als erste Firma nach Google in der Schweiz. Basierend auf diesem Kurs wurde der Change Prozess von AXI zu Avectris begleitet. Seither finden jährlich zwei Kurse statt.

Wöchentliche Übungsgruppe

Einen ersten «Achtsamkeits-Ableger», stellt das knapp halbstündige Meditationsangebot bei Axpo dar: Dieses wird von Mitarbeitenden selbst auf die Beine gestellt und findet seit ca. einem Jahr wöchentlich statt. Nach einem kurzen Themenimpuls folgt jeweils eine 15-minütige angeleitete Meditation zu verschiedenen Themen, gefolgt von einem kurzen Erfahrungsaustausch.

Begleitung von Führungskräften

Seit Beginn des Jahres wird das Thema Achtsamkeit erstmals direkt von Divisions- und Abteilungsleitern nachgefragt. Die Führungskräfte werden über das Geschäftsjahr hinweg an ihren Klausurtagungen darin unterstützt, eine eigene Achtsamkeitspraxis zu entwickeln und ihr Führungsverhalten nach den Prinzipien der Achtsamkeit zu gestalten.

Nachgefragt: Achtsamkeit im Axpo Alltag

Christian Lindner, Leiter Engineering, arbeitet seit 10 Jahren bei Axpo. Er fand durch seine Yoga-Praxis und Workshops mit Angelika zur Achtsamkeit. Und bringt das Thema nun in sein Team ein. Wir haben nachgefragt.

Christian, du hast das Geschäftsjahr 2016/17 als Jahr der Achtsamkeit für deinen Bereich deklariert. Warum?
Unsere Geschäftseinheit Engineering hat im 2016 ihre Organisationsstruktur massiv verändert. Davon waren viele Kolleginnen und Kollegen direkt und indirekt betroffen. Es war mir deshalb wichtig, dass die Reorganisation rasch akzeptiert wurde. Achtsamkeit kann den Betroffenen helfen, Veränderungen besser zu akzeptieren. Durch Achtsamkeit kann man sich selber besser beobachten und somit besser kennen lernen. Und diese Erkenntnisse wiederum verbessern den Dialog zwischen den Mitarbeitern. Aufmerksamkeit und Respekt im gegenseitigen Miteinander ermöglicht den Mitarbeitern, besser auf Veränderungen zu reagieren und den damit einhergehenden Stress leichter zu bewältigen.

Dies und andere positive Entwicklungen aus achtsamkeitsbasiertem Verhalten führten mich dazu, das Geschäftsjahr 2016/17 zum Jahr der Achtsamkeit zu deklarieren.

Wie hat dein Team auf diese Veränderung in der Führung reagiert?
Es war mir wichtig, meinen Kolleginnen und Kollegen das Thema Achtsamkeit und dessen wissenschaftlich belegbaren Wirkungen auf das Gehirn näher zu bringen. Mein Team reagierte neugierig und interessiert, aber auch verwundert – aber viele finden es immer noch sehr «esoterisch».

Das Geschäftsjahr ist nun rum. Merkst du irgendwelche Veränderungen im Alltag?
Im September haben wir eine Mitarbeiterumfrage zum Thema Achtsamkeit durchgeführt. Ein Ergebnis hat mich dabei sehr gefreut: Mehr als 45% der Befragten pflegen bereits den achtsamen Umgang miteinander, haben Achtsamkeitsübungen ausprobiert oder praktizieren diese sogar regelmässig. In  Sitzungen habe ich die Teilnehmer ruhiger, gelassener und fokussierter wahrgenommen.

Das neue Geschäftsjahr 2017/18 hat angefangen – auch im Zeichen von Achtsamkeit? Oder wie geht es weiter?
Mein Team kennt nun das Thema und wird es sicherlich in unterschiedlicher Form praktizieren. Ich werde gelegentlich nachfragen und weiterhin Beispiele von Achtsamkeitsübungen in meinen Monatsmails an das Team vorstellen.

Das diesjährige Motto verrate ich noch nicht. Aber ich denke, es wird etwas mit der zentralen Bedeutung von «Vertrauen» zu tun haben. Mein Team wird es Ende Jahr erfahren.

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