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22.01.2026 | Wie Repowering die Energiewende beschleunigt

Gleicher Standort – mehr Leistung

Weniger Anlagen, mehr Leistung, höherer Ertrag: Das Repowering von Windkraftanlagen eröffnet neue Perspektiven für den Ausbau der Windenergie. Moderne Technologie macht es möglich, an bewährten Standorten ein Vielfaches an Strom zu erzeugen ohne zusätzliche Flächen zu beanspruchen. Dieser Ansatz gewinnt zunehmend an Bedeutung, um die Energiewende zu beschleunigen und die Windkraft als tragende Säule der Energieversorgung in Europa weiter zu stärken.

Der Begriff Repowering bedeutet wörtlich „Kraftwerkserneuerung“ und beschreibt die gezielte Modernisierung bestehender Energieanlagen. In der Windenergie werden dabei ältere Windkraftanlagen zurückgebaut und durch eine geringere Anzahl moderner, leistungsstärkerer Anlagen ersetzt, während Standort und Infrastruktur erhalten bleiben. Die neue Anlagengeneration arbeitet deutlich effizienter und ermöglicht es, auf derselben Fläche mehr Strom zu erzeugen als zuvor. Die Installation von modernen Windkraftanlagen bringt zahlreiche Vorteile mit sich, von höheren Stromerträgen über verbesserten Immissions- und Artenschutz bis hin zu einer effizienteren Flächennutzung.

Größe und Leistung: Die Entwicklung der Anlagentechnik

Die Anlagentechnik hat in den vergangenen Jahrzehnten einen beeindruckenden Entwicklungssprung vollzogen. Während Windräder Mitte der 1980er Jahre noch eine Nabenhöhe von rund 40 Metern und einen Rotordurchmesser von etwa 30 Metern aufwiesen, erreichen durchschnittliche Neuanlagen heute eine Nabenhöhe von 146 Metern bei einem Rotordurchmesser von 151 Metern.

Diese Dimensionen zahlen sich aus: Mit jedem zusätzlichen Meter Höhe steigt der Stromertrag um rund ein Prozent. Noch deutlicher wirkt sich die Rotorgröße aus: Bei einer Verdoppelung der Flügellänge vervierfacht sich der Ertrag. Da der Wind in größeren Höhen gleichmäßiger und stärker weht, können moderne Anlagen ihre Leistung zudem optimal ausschöpfen.

Auch die Leistung der Anlagen hat sich in den letzten Jahren vervielfacht: Lag sie im Jahr 2000 noch bei durchschnittlich 1 MW pro Anlage, werden heute Anlagen mit rund 5 MW und mehr installiert. Die höheren Volllaststunden und die effizientere Nutzung des Windangebots senken die Erzeugungskosten deutlich. Bereits heute gehört Windenergie zu den günstigsten Formen der Stromerzeugung. Das gilt insbesondere für Onshore-Windenergie an guten Standorten.

 
Repowering Landschaft vorher
Optimiertes Parklayout: Weniger Anlagen, mehr Ertrag

Die Zahl der Windkraftanlagen in einem Windpark wird bei der Durchführung eines Repowerings reduziert. Eine Faustregel für Repowering-Projekte verdeutlicht das Potenzial: Bei einer Halbierung der Anlagenzahl lässt sich die Leistung verdoppeln und der Stromertrag verdreifachen. Die vorhandene Fläche wird effektiver genutzt und in der Summe werden weniger Anlagen benötigt.

Ältere Windräder stehen häufig verstreut und in der Nähe von Bebauungen. Das Repowering bietet so auch die Chance, die Anlagen raumplanerisch neu anzuordnen und so das Landschaftsbild zu entlasten.

Heimvorteil: Kostenvorteile und beschleunigte Umsetzung

Repowering-Projekte profitieren von der bestehenden lokalen Akzeptanz gegenüber Windenergie an etablierten Standorten. Die vorhandene Infrastruktur, wie Umspannwerke, Kabeltrassen, Zufahrtswege, kann weiterhin genutzt werden. Das spart Kosten und schont Ressourcen, da die notwendigen Baumaßnahmen deutlich geringer ausfallen.

Ein weiterer Vorteil: Die Standorte sind bereits für Windkraft ausgewiesen. Langwierige Genehmigungsverfahren und umfassende Umweltprüfungen entfallen weitgehend. Das macht Repowering zu einem schnelleren Prozess, der die Energiewende beschleunigt.

 
Repowering Landschaft nachher
Leistungsstärker, leiser, verträglicher

Moderne Windkraftanlagen sind deutlich leiser als ihre Vorgänger. Mit zunehmendem Rotordurchmesser sinkt die maximale Drehzahl; dadurch laufen die Anlagen ruhiger. Hinzu kommt eine optimierte Flügelaerodynamik, die Geräusche weiter reduziert. Die bedarfsgesteuerte Nachtkennzeichnung bei modernen Anlagen verhindert zudem das nächtliche Dauerblinken.

Da modernisierte Windparks nach aktuellen Regelungen gebaut werden, entsprechen neue Planungen dem neuesten Stand des Immissionsschutzrechts. So lassen sich eventuelle Planungsfehler aus der Vergangenheit korrigieren.

Bessere Netzintegration und Systemstabilität

Technisch auf dem neuesten Stand entwickelte Anlagen lassen sich sehr viel besser in das elektrische Netz integrieren. Moderne Windkraftanlagen können Systemdienstleistungen wie Blindleistung und Regelleistung liefern, sind regelbar und tragen zur Netzstabilisierung bei. Dies ist ein wichtiger Beitrag zur Versorgungssicherheit der Zukunft.

Rückbau und Recycling: Verantwortungsvoller Umgang mit Altanlagen

Beim Repowering werden die alten Anlagen vollständig zurückgebaut; auch das Betonfundament wird komplett aus dem Boden entfernt. Nach der Demontage können Anlagen in einigen Fällen als Ganzes weiterverkauft werden oder als Ersatzteillager dienen. In diesem Fall finden einzelne Komponenten wie Rotorblätter, Getriebe oder Generatoren eine neue Verwendung.

Was nicht weiterverkauft werden kann, wird fachgerecht recycelt: Rund 90 Prozent einer Windkraftanlage – darunter der Turm, metallhaltige Komponenten, Elektrik sowie die Fundamente – können beim Rückbau stofflich verwertet und als Sekundärrohstoffe wieder in den Wirtschaftskreislauf zurückgeführt werden.

Die Segmente von Stahl- und Betonhybridtürmen werden in der Regel schrittweise demontiert. Türme und Fundamente lassen sich problemlos recyceln: Der Beton wird vor Ort zerkleinert und anschließend im Straßen- und Wegebau eingesetzt, während der Stahl aus Gondel und Turmsegmenten in der Stahlproduktion wiederverwertet wird.

Auch beim Recycling der Rotorblätter hat sich in den vergangenen Jahren viel getan. Die faserverstärkten Kunststoffe werden heute überwiegend in der Zementindustrie verwertet: Die Kunstharze liefern Energie für den energieintensiven Brennprozess, während die Glasfaseranteile natürliche Rohstoffe wie Sand ersetzen. Dieses Verfahren trägt dazu bei, fossile Brennstoffe und Primärrohstoffe einzusparen. Gleichzeitig arbeitet die Windbranche intensiv an neuen, recyclingfreundlicheren Materialien und Verfahren, um die Wiederverwertbarkeit von Rotorblättern künftig weiter zu verbessern.

 
Windkraftanlagen im Laufe der Zeit
Axpo setzt auch auf Repowering

Auch Axpo nutzt die hohen Potenziale, die sich durch Repowering ergeben. Im niedersächsischen Harlingerode wurden zum Beispiel 2025 zwei Windkraftanlagen aus dem Jahr 2001 einschließlich der Fundamente vollständig zurückgebaut. Die beiden Anlagen mit je 1,5 MW Leistung hatten über ihre Betriebsdauer hinweg Jahr für Jahr rein rechnerisch rund 900 durchschnittliche deutsche Vier-Personen-Haushalte mit Strom versorgt. An ihrer Stelle entsteht nun eine moderne Windenergieanlage, die dreimal so viel Strom erzeugen kann und das bei gleichzeitiger Halbierung der Anlagenzahl. Das Projekt zeigt eindrücklich, wie sich bewährte Standorte mit moderner Technologie zukunftsfähig machen lassen.

Fazit

Repowering ist mehr als der Austausch alter gegen neue Anlagen. Es ist ein intelligenter Ansatz, um die Windenergie effizienter zu nutzen und die Energiewende zu beschleunigen. Bewährte Standorte, moderne Technologie und ein verantwortungsvoller Umgang mit Ressourcen machen Repowering zu einem Schlüssel für eine nachhaltige Energiezukunft.

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