04.02.2026 | Solarstromerzeugung und Biodiversität
Wie lässt sich Solarenergie mit dem Schutz der Biodiversität vereinbaren? Im Interview erklärt Julien Burato von der Axpo Tochter Urbasolar, wie Umwelt- und Biodiversitätsfragen strategisch im Unternehmen verankert sind – von der Projektplanung über KI-gestützte Überwachung bis hin zu Forschungspartnerschaften.
Kannst du deine Rolle und Aufgaben bei Urbasolar beschreiben und wie ihr mit Biodiversitätsfragen umgeht?
Als Leiter Umwelt mit Schwerpunkt Ökologie bin ich für die Koordination und das Management aller Umweltfragen sowohl in Projekten als auch in Unternehmensangelegenheiten verantwortlich. Dank meines kompetenten Teams können wir ein breites Spektrum an Umweltthemen abdecken.
Im Bereich Biodiversität unterstützen wir insbesondere die Projektentwicklungs-, Bau- und Betriebs-Teams. Wir stellen sicher, dass die Mitigationsprinzipien «vermeiden, reduzieren, kompensieren» korrekt angewendet werden, um ihre Relevanz und Wirksamkeit während des gesamten Projektzyklus zu gewährleisten. Gleichzeitig überprüfen wir die Einhaltung gesetzlicher und ökologischer Verpflichtungen und koordinieren die Zusammenarbeit zwischen den Teams, um eine effektive Umsetzung der Umweltmassnahmen sicherzustellen. Wir schulen unsere Mitarbeiter, entwickeln Forschungspartnerschaften, initiieren freiwillige ökologische Massnahmen, nehmen an Veranstaltungen teil, die sich mit den Zusammenhängen zwischen erneuerbaren Energien und Biodiversität befassen, und erstellen Leitfäden für bewährte Verfahren.
Was sind die Schlüsselelemente der Strategie von Urbasolar im Bereich Biodiversität?
Die Biodiversitätspolitik des Unternehmens entwickelt sich weiter.
Vor fünf Jahren war es Priorität, unseren Ansatz zum Schutz der Biodiversität zu strukturieren und nachhaltig in unserer DNA zu verankern. Heute ist diese Kultur verfestigt, doch wir möchten das Erreichte weiter konsolidieren, ausbauen und unsere Massnahmen in eine Logik der kontinuierlichen Verbesserung einbetten.
In diesem Rahmen basiert die Biodiversitätsstrategie auf fünf grossen Schwerpunkten:
Biodiversitätsmassnahmen sind bei Axpo fester Bestandteil des gruppenweiten Nachhaltigkeitsreportings. Im Rahmen der jährlichen Berichterstattung legt Axpo jeweils offen, wie Umweltschutz systematisch gemanaged wird, welche Verantwortungen bestehen und welche Massnahmen umgesetzt werden. Wer mehr erfahren will, findet den aktuellen Nachhaltigkeitsbericht hier.
Kannst du die Bemühungen von Urbasolar zur Integration der Biodiversität in umfassendere Unternehmensstrategien erläutern?
Im Jahr 2024 haben wir innerhalb der Quality-Health-Safety-Environment-Abteilung eine eigene Umweltabteilung eingerichtet, um Umwelt- und Biodiversitätsfragen besser zu strukturieren. Ziel ist es, die Biodiversität in einen umfassenden Ansatz zur Umweltverantwortung im gesamten Unternehmen zu integrieren. Dies spiegelt sich unter anderem in der Teilnahme des Unternehmens am Programm „Entreprise Engagée pour la Nature” in Frankreich und der Umsetzung eines strukturierten Aktionsplans mit Biodiversitäts- und anderen Umweltmassnahmen wider. Die Ausrichtung an Standards wie ISO 17298 und ISO 14001 soll die internen Praktiken harmonisieren und die Glaubwürdigkeit und Transparenz gegenüber den Stakeholdern stärken.
Welche spezifischen Massnahmen ergreift Urbasolar, um den Schutz der Biodiversität während der Bau- und Betriebsphase von Solarkraftwerken zu gewährleisten?
Wir berücksichtigen Umweltaspekte während des gesamten Projektzyklus. Bereits in der Planungsphase ökologische Studien durchgeführt, um standortspezifische Massnahmen für Bau und Betrieb festzulegen. Während der Bauphase werden die Auswirkungen auf die Umwelt durch angepasste Zeitpläne, den Schutz sensibler Bereiche, Umweltüberwachung und Sensibilisierung der Teams begrenzt. Während der Betriebsphase werden ökologische Kontrollen durchgeführt, analysiert und mithilfe eines KI-basierten Biodiversitäts-Chatbots ausgewertet, um die Wirksamkeit der Massnahmen zu überwachen und gegebenenfalls Korrekturen oder zusätzliche freiwillige Massnahmen zur Förderung der Biodiversität umzusetzen.
Wie wird künstliche Intelligenz in die Entscheidungsfindung im Zusammenhang mit Biodiversität bei Urbasolar integriert?
Wir haben in Zusammenarbeit mit Microsoft einen Chatbot entwickelt, der die ökologischen Überwachungsberichte aus der Betriebsphase zentralisiert. Er bietet autorisierten Nutzern einen schnellen, KI-gestützten Überblick über die ökologische Entwicklung und Biodiversität unserer Kraftwerke. Das Tool unterstützt somit fundierte Entscheidungen und stärkt die Argumentation in Genehmigungsverfahren auf der Grundlage konsolidierter Beobachtungsdaten.
Was sind die grössten Herausforderungen bei der Vereinbarkeit von grossflächiger Solarentwicklung und Biodiversitätsschutz, und wie bewältigt Urbasolar diese?
Wir stehen vor der Herausforderung, dass die ökologischen und rechtlichen Bedingungen sehr unterschiedlich sind und projektspezifische Lösungen erfordern. Als Reaktion darauf beteiligt sich Urbasolar aktiv an Arbeitsgruppen und Dialogformaten, stärkt die frühzeitige Kommunikation mit Behörden und Umweltverbänden und passt sich flexibel an regulatorische Entwicklungen an. Gleichzeitig setzt Urbasolar seine Verpflichtungen durch konkrete, messbare Massnahmen um, wie z. B. die Beteiligung an technischen Richtlinien, freiwillige Biodiversitätsmassnahmen, Sponsoring und Initiativen an seinem Hauptsitz. Dieser praktische Ansatz stärkt die Glaubwürdigkeit des Unternehmens und unterstützt den kollektiven Übergang zu nachhaltiger Energie.
Gibt es Partnerschaften oder Projekte, die einen wesentlichen Einfluss auf den Schutz der Biodiversität hatten?
Urbasolar arbeitet regelmässig mit spezialisierten Planungsbüros, unabhängigen Ökologen, Naturschutzverbänden und Forschungseinrichtungen zusammen, um den Erhalt der Biodiversität aktiv zu fördern. Diese Partnerschaften ermöglichen Pilotprojekte wie die Wiederherstellung von Lebensräumen, die Überwachung von Arten und die Erprobung neuer ökologischer Bewirtschaftungsmethoden in Solarkraftwerken.
Ein wichtiges Beispiel ist die wissenschaftliche Zusammenarbeit mit dem Centre national de la recherche scientifique (CNRS) und der Universität Toulouse im Rahmen des SOLAKE / FLOATIX-Forschungsprogramms, das die Auswirkungen von schwimmenden PV-Anlagen auf aquatische Ökosysteme untersucht.
Ein weiteres Beispiel ist die Zusammenarbeit mit Valorhiz, einem auf naturbasierte Lösungen spezialisierten Ökotechnikunternehmen, zur Renaturierung des Solarkraftwerks La Grand Combe. Durch gezielte Bodenanalysen und Wiederbepflanzung konnten die Bodenerosion verringert, die Biodiversität erhöht und invasive Arten eingedämmt werden.
Wie arbeitet Urbasolar mit lokalen Gemeinden und Interessengruppen zusammen?
Der Dialog mit lokalen Gemeinden und Interessengruppen ist ein zentraler Bestandteil unseres Ansatzes. Während des gesamten Projektentwicklungsprozesses findet eine regelmässige und transparente Kommunikation mit Behörden, Anwohnern und anderen Interessengruppen statt. So können wir technische und ökologische Entscheidungen erläutern und Erwartungen und Bedenken berücksichtigen. Dies fördert Vertrauen, Akzeptanz und eine nachhaltige Integration der Projekte.
Die Kommunikation wird hauptsächlich von den Entwicklungsteams durchgeführt, die alle relevanten Aspekte des Projekts verwalten. Die Umweltabteilung bietet gezielte Unterstützung in Umweltfragen.
Gibt es Beispiele für Projekte, die sich positiv auf lokale Ökosysteme und Gemeinden ausgewirkt haben?
Urbasolar baut seine Kraftwerke vor allem auf ökologisch degradierten Standorten wie Deponien, Steinbrüchen, Bergwerken, ehemaligen Militär- oder Industriegeländen und städtischen Brachflächen. Dort haben Projekte dazu beigetragen, ursprünglich artenarme Gebiete in ökologisch wertvolle Gebiete umzuwandeln. Studien und die Erfahrungen des Syndicat des Énergies Renouvelables (Verband für erneuerbare Energien) zeigen, dass mit guter Planung und Verwaltung freistehende Photovoltaikanlagen an solchen Standorten in der Regel neutrale bis positive Auswirkungen haben, beispielsweise durch die Stabilisierung von Arten oder die Wiederherstellung von Lebensräumen.
Wie misst Urbasolar den Erfolg seiner Biodiversitätsinitiativen?
Wir bewerten den Erfolg unserer Biodiversitätsinitiativen anhand qualitativer und quantitativer Indikatoren, die auf der Einhaltung von Umweltverpflichtungen, der Umsetzung ökologischer Massnahmen, der Überwachung, Audits und Rückmeldungen basieren. Artenspezifische biologische Indikatoren werden derzeit nicht verwendet, da ökologische Entwicklungen langfristig sind, stark vom Klimawandel beeinflusst werden und es derzeit keine wissenschaftlich anerkannten, robusten Messmethoden gibt.
Stattdessen verwendet Urbasolar praxisorientierte Umsetzungs- und Aktivitätsindikatoren, wie beispielsweise die Anzahl freiwilliger Massnahmen, wissenschaftlicher Partnerschaften, geschulter Projektmanager und Mitarbeiter sowie ökologischer Sponsoring-Initiativen. Diese dienen als Kontrollinstrumente, bis langfristige, zuverlässige biologische Indikatoren verfügbar sind.