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12.05.2026 | Monatliches Update europäische Energiemärkte, Mai 2026

Gemischte Friedenssignale und erneuerbare Energien prägen die Volatilität des Energiemarktes

Im vergangenen Monat reagierten die europäischen Energiemärkte weiterhin äusserst sensibel auf widersprüchliche Signale hinsichtlich einer möglichen Deeskalation des Nahostkonfliktes und der Wiederöffnung der Strasse von Hormus. Die Auswirkungen reichen weit über die Energiemärkte hinaus und betreffen den globalen Rohstoffhandel sowie die Gesamtwirtschaft. Zum Zeitpunkt der Erstellung dieses Berichts bleibt die Strasse für den normalen Handelsverkehr praktisch gesperrt, und trotz einiger diplomatischer Fortschritte durch laufende Gespräche besteht die physische Versorgungsunterbrechung weiterhin. Das begünstigt anhaltend hohe Energiepreise und eine erhöhte Marktvolatilität.

In der ersten Hälfte des Aprils standen die Gaspreise unter Druck, nachdem Hoffnungen auf einen Waffenstillstand sowie Irans kurzzeitige Bekanntgabe, die Strasse von Hormus sei offen, die Befürchtungen hinsichtlich der LNG-Versorgung minderten. Die Preise erholten sich jedoch rasch, als die Ankündigung zurückgenommen wurde und die diplomatischen Bemühungen ins Stocken gerieten. Auf der Nachfrageseite belastete schwacher Absatz in Asien die Stimmung. China, Korea und Pakistan importierten weniger. Viele Käufer kauften keine Ersatzlieferungen, sondern nutzten möglicherweise Ersatzprodukte oder bauten ihre Vorräte in der saisonal schwachen Phase ab. Die Kühlsaison in Nordasien dürfte jedoch die Nachfrage ankurbeln, wobei der sich ausweitende asiatische Preisaufschlag Anreize für flexible US-Ladungen schafft, Asien gegenüber Europa den Vorzug zu geben. Gleichzeitig stützen starke Exporte ausserhalb Katars die LNG-Ausfuhr nach Europa. Anstehende Wartungsarbeiten an französischen und belgischen LNG-Importterminals sowie das Verbot von Spot-LNG aus Russland ab dem 25. April werden jedoch das Angebot einschränken und das Wiederauffüllen der Speicher erschweren. Die europäischen Gasvorräte liegen derzeit bei 34 % der Kapazität.

Die Ölmärkte standen weiterhin unter starkem Druck, da die regionalen Exporte stark zurückgingen, was zu Rekordabgängen aus den Lagerbeständen und ersten Anzeichen eines Nachfragerückgangs führte, insbesondere bei Flugkraftstoff und petrochemischen Rohstoffen. Unterdessen verlieh die Entscheidung der VAE, die OPEC zu verlassen, der Krise eine strukturelle Dimension und schwächte die Marktsteuerungsfähigkeit der Gruppe, da die VAE als einflussreicher Produzent und eines der wenigen Mitglieder mit nennenswerten Reservekapazitäten gelten.

Während die Gas- und Ölmärkte weiterhin von physischen Versorgungsengpässen geprägt waren, wurden die europäischen Strommärkte hauptsächlich von den Wetterbedingungen und der Erzeugung aus erneuerbaren Energien bestimmt. Der April war in vielen Teilen Europas mild, trocken und sonnig, sodass viel Solarstrom erzeugt wurde. Allerdings führten wenig Wind und geringere Wasserstände in den nordischen Ländern und den Alpen dazu, dass der positive Effekt teilweise aufgehoben wurde. Die Spot-Strompreise gingen in den meisten Märkten zurück, was die saisonal geringere Nachfrage und die starke Solarstromerzeugung widerspiegelte, während zunehmend negative Mittags-Strompreise das wirtschaftliche Signal für Flexibilität auf der Nachfrageseite und Speicherung verstärkten. Auf politischer Ebene kündigte die Europäische Kommission als Reaktion auf die aktuelle Krise ihren Energie-Resilienzplan „AccelerateEU“ an. Dieser hat zum Ziel den Ausstieg aus fossilen Brennstoffen zu beschleunigen, indem die Elektrifizierung vorangetrieben und das System weiter auf im Inland erzeugte saubere Energie umgestellt wird.

In den kommenden Monaten dürfte die Aufmerksamkeit der Märkte weiterhin auf die Entwicklungen im Nahostkonflikt und eine mögliche Wiederöffnung der Strasse von Hormus, die LNG-Lieferungen nach Europa während der Speicherauffüllsaison, wetterbedingte Risiken wie Hitzewellen und Hurrikane sowie nicht zuletzt auf die Entwicklung der europäischen Wirtschaft gerichtet sein, wobei die kurzfristigen Nachfrageaussichten nach wie vor einer Kombination aus makroökonomischer Schwäche, Bedenken hinsichtlich der Bezahlbarkeit von Energie und einem schwachen Industrievertrauen ausgesetzt sind.

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