12.10.2026 | Monatliches Update europäische Energiemärkte, Oktober 2026
Im vergangenen Monat wiesen wir auf die angespannte Lage bei Gasspeichern, Wasserkraftreservoirs, Flusspegeln und der Verfügbarkeit von Kernkraftwerken hin. Dadurch blieb dem System kaum Puffer für eine weitere Störung. Der September brachte keine Entlastung: Der Monat war in weiten Teilen Europas erneut wärmer und trockener als normal, und die niedrigen Wasserstände schränkten die Kernkraftproduktion in Frankreich und Rumänien weiterhin ein. Im Nahen Osten eskalierte der Konflikt auf militärischer Ebene, obwohl sich die physischen Lieferströme durch die Strasse von Hormus verbesserten. Nachdem zwei Supertanker in der Meerenge attackiert worden waren, schlugen die USA erstmals mit Angriffen auf iranische Tanker zurück. Ein Drohnenangriff auf die Ost-West-Pipeline in Saudi-Arabien zwang Aramco zudem, höhere Gewalt geltend zu machen.
Im Gasbereich stiegen die TTF-Spotpreise um rund 13 EUR/MWh auf 75 EUR/MWh, den höchsten Stand seit Anfang 2023. Dies war eine Folge des sich weiter verschärfenden Wettbewerbs um LNG zwischen Asien und Europa im Vorfeld des Winters. In der zweiten Monatshälfte gaben die Preise dann etwas nach. Die Nachfrage aus Asien sank angesichts der hohen Preise, während die Liefermengen aus Katar wieder anzogen: Im September verliessen 12 LNG-Ladungen die Strasse von Hormus, nachdem es im August keine Transits gegeben hatte. Trotzdem dürften die europäischen Gasvorräte in den kommenden Wochen einen Höchststand von nur rund 74 bis 76 % erreichen, wobei Deutschland den staatlichen Energiekonzern SEFE angewiesen hat, weitere 8 TWh einzulagern, da es unwahrscheinlich ist, dass die deutschen Speicher marktbedingt bis zum Winter deutlich über 60 % steigen.
Parallel zu den Gaspreisen legten auch die Kohlepreise weiter zu. Da Kohlekraftwerke wettbewerbsfähig blieben, stieg die Kohleverstromung in Europa im Jahresvergleich um 37 %, während die ARA-Bestände auf 3,9 Millionen Tonnen zurückgingen. Gleichzeitig führten Versorgungsengpässe in Südafrika, Indonesien und Kasachstan zu einer Verknappung des Angebots. Der Brent-Ölpreis stieg um etwa 10 USD/bbl. Grund dafür war die zunehmende Eskalation, obwohl sich die Ölexporte aus der Golfregion auf rund 90 % des Vorkriegsniveaus erholten. Die EU-Emissionszertifikate blieben dagegen bei etwa 85 EUR/tCO2 stabil. Die meisten dieser Entwicklungen schlugen sich auf dem Strommarkt nieder, wo die Spotpreise erneut stiegen und in Italien rund 208 EUR/MWh erreichten. Selbst in den nordischen Ländern kletterten sie auf rund 96 EUR/MWh. Die Terminkontrakte folgten dem Gas, wobei die grössten relativen Anstiege in den nordischen Ländern, Spanien und Frankreich zu verzeichnen waren. Starke Spotpreise trieben dort die Kurven in eine Backwardation.
Auf makroökonomischer Ebene erreiche der Eurozone Composite Purchasing Managers Index (PMI) im September den höchsten Wert seit über drei Jahren. Die temperaturbereinigte Stromnachfrage liegt jedoch weiterhin rund 6 % unter ihrem Durchschnitt der Jahre 2017 bis 2021 und ist im Jahresvergleich unverändert, da sich die besseren Konjunkturumfragen noch nicht in einer spürbaren Erholung der energieintensiven Industrie niedergeschlagen haben. Unterdessen stieg die Inflation aufgrund höherer Energiekosten auf 3,8 %. Nach der Zinserhöhung auf 2,50 % im September bleibt eine weitere Zinserhöhung der EZB möglich. Das Sitzungsprotokoll der Federal Reserve vom September deutet ausserdem auf eine weitere Zinserhöhung in den USA hin, wahrscheinlich im Dezember.
Mit Blick auf die kommende Woche wird eine feuchtere Wetterphase Regen in wichtige Wasserkraftregionen bringen. Der Regen wird jedoch nicht lange genug anhalten, um die bestehenden Defizite auszugleichen. Gleichzeitig deutet die sinkende Solarstromproduktion auf höhere Spotpreise im Oktober hin. Unser Fokus liegt auf Entwicklungen ausserhalb Europas, etwa den Transportmengen durch die Strasse von Hormus und den LNG-Ankünften, sowie auf Entwicklungen innerhalb Europas. Dazu zählen die Wasserkraftbilanzen, anhaltende Ausfälle von Kernkraftwerken, die ersten Kälteperioden, die Diskussionen um Europa’s Klimaziele und die wirtschaftliche Entwicklung.
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