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30.01.2026 | Daniele Giardina ist Mitarbeiter des Kraftwerks Löntsch – und leidenschaftlicher Fotograf, der auch am Klöntalersee seine Motive findet .

Zwischen Staudamm und Sternenhimmel

Martin Stutz

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Daniele Giardina ist Handwerker und Talsperrenwärter beim Kraftwerk Löntsch (GL) der Axpo. Am Klöntalersee hat er einen der schönsten Arbeitsplätze der Schweiz. Hier hat er seine zweite Leidenschaft entdeckt: die Fotografie. Seine Landschafts- und Nachtaufnahmen sind im Kanton Glarus weitherum bekannt. 

Manchmal ist Daniele Giardina schon Stunden vor seinem Arbeitsbeginn am Klöntalersee unterwegs. Mitten in der Nacht, wenn die Sterne funkeln und sich die schneebedeckten Berge im See spiegeln, entstehen so ganz besondere. «Dafür lohnt es sich, sehr früh aufzustehen», sagt Giardina. Er arbeitet dort, wo andere ihre Freizeit verbringen und findet im Klöntal – aber nicht nur dort – seine Motive.

Seit 17 Jahren ist der heute 48‑jährige Handwerker und Talsperrenwärter beim Kraftwerk Löntsch der Axpo beschäftigt. Und genau hier, zwischen Staudamm, Kraftwerk, Berglandschaft und nächtlichem Sternenhimmel, hat er seine zweite Leidenschaft gefunden: die Fotografie.

Selbst ist der Fotograf

Der Weg dorthin war nicht geplant. Vor rund zwölf Jahren wollte Giardina sich einfach eine Kamera kaufen. Die ersten Versuche enttäuschten ihn – die Bilder waren schlecht. «Ich fragte mich, liegt es an mir oder an der Kamera?» Anstatt aufzugeben, begann er sich intensiver mit Fotografie zu beschäftigen. Er fotografierte immer mehr, eignete sich das Wissen im Selbststudium an, experimentierte mit Technik, Licht und Perspektiven. Besonders die Nachtfotografie zog ihn in den Bann. Sterne, Langzeitbelichtungen, Ruhe – Dinge, die Geduld verlangen und belohnen.

Wann er gemerkt habe, dass seine Bilder gut seien? Nicht an Preisen oder Verkaufszahlen, sagt Giardina, sondern an den Reaktionen anderer. Erste Fotos teilte er auf Facebook, zunächst nur privat. Das positive Feedback häufte sich, die Nachfrage wuchs. Um Berufliches und Privates zu trennen, eröffnete er eine eigene Webseite (www.giardina-photography.ch)  – vor rund elf Jahren. Heute arbeitet er fotografisch professionell, aber nebenberuflich neben seinem 100‑Prozent‑Pensum im Kraftwerk.

Am Anfang war ein Kalender

Dass aus der fotografischen Leidenschaft auch eine Geschäftsidee wurde, hat vor allem mit Daniele Giardinas Freundin zu tun. Ihre Grossmutter wohnte in Kolumbien und erhielt jedes Jahr einen Kalender mit Glarner Landschaften geschenkt. «Ich bot ihr an, selber einen Kalender für sie zusammenzustellen». Gesagt, getan. Zunächst im kleinen Kreis, dann für die Öffentlichkeit. 2026 erscheint bereits der zehnte Kalender – ausschliesslich mit Glarner Landschaftsbildern. Die Auflage liegt dieses Jahr bei rund 300 Exemplaren, verkauft an Geschäftskunden und Privatpersonen. Seine Kunden nutzen die Bilder für Bürogestaltung, Webseiten, Weihnachtskarten oder Präsentationen. Während einiger Zeit gestaltete er mit seinen Fotos auch eine eigene Serie in der Südostschweiz. Selbst für eine Generalversammlung der Glarner Kantonalbank wurden seine Fotos eingesetzt.

Was ihn am Glarnerland fasziniert, ist die oft übersehene Schönheit. «Man glaubt, alles aus dem Alltag zu kennen», sagt er, «aber wenn man genauer hinschaut, entdeckt man unglaubliche Orte». Abgelegene Gegenden, Ruhe, wenig Lichtverschmutzung – ideale Voraussetzungen für seine Sternenfotografie. Besonders das Klöntal hat es ihm angetan: im Winter still und fast menschenleer, im Herbst mit intensiven Farben, im Frühling voller Kontraste. Weitere Lieblingsorte sind das Kärpfgebiet zwischen Sernftal und Grosstal, ein Naturschutzgebiet von besonderer Ursprünglichkeit.

Viele seiner Bilder entstehen auch beim Wandern, immer in der Freizeit. Doch ganz kann er den Talsperrenwärter nicht vom Fotografen trennen. Die Nähe zur Landschaft, die speziellen Perspektiven durch den Beruf, inspirieren ihn auch fotografisch. Umgekehrt schärft die Fotografie seinen Blick für Details im Arbeitsalltag.

Zwischen Staudamm und Sternenhimmel hat Daniele Giardina seinen eigenen Rhythmus gefunden. Einen, der zeigt, dass Arbeit und Leidenschaft sich nicht ausschliessen müssen – besonders dann nicht, wenn der Arbeitsplatz selbst zur Inspiration wird.

Fotograf Daniele Giardina in seiner liebsten Tageszeit: die Nacht
Kraftwerk am Löntsch  

Das Kraftwerk am Löntsch wurde vor 118 Jahren gebaut. Zusammen mit dem Laufwasserkraftwerk Beznau im Kanton Aargau bildete es den ersten Stromverbund für die damals frisch gegründeten Nordostschweizerischen Kraftwerke NOK (heute Axpo). Für die Stromproduktion wird das Wasser des Klöntalersees genutzt, der von einem 220 Meter langen Erddamm aufgestaut wird. Ein vier Kilometer langer Druckstollen führt von der Wasserfassung am Seegrund mitten durch den Berg bis zum Wasserschloss oberhalb von Netstal. Über die Druckleitung stürzt das Wasser 365 Höhenmeter in die Tiefe und treibt im Tal die Turbinen an. Die Kraftwerksleistung beträgt 60 Megawatt (MW).

Das Kraftwerk am Löntsch kann auch besichtig werden, Anmeldungen ist hier

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